FeedWürzb. 1867); Henner
GeschichteBrockhaus 1882

Würzb. 1867); Henner, Die herzogl. Gewalt der ischöfe von W.y (Würzb. 1874). tums Würzburg, jetzt des bayr. Regierungsbezirks Unterfranken, liegt in .— landschaftlich reizenden Thale an beiden Ufern des Mains, über welchen eine 200 mlange, alte steinerne, mit Statuen von Heiligen geschmückte Brücke von acht Bogen und seit 1887 eine neue steinerne Brücke führt; eine dritte Brücke über den Main ist (1886) projektiert. W. bildet den Knotenpunkt der Bayrischen Staatsbahnen nach Ansbach, Bamberg, Nürnberg und Aschaffenburg und der Badischen Staatsbahn Heidelberg-Würzburg und ist Sitz eines Bischofs und bischöflichen Ordinariats und Konsistoriums, eines prot. Distriktsdekanats und eines israelit. Distriktsrabbinats, der Kreisregierung, des Kreisarchivs, eines Bezirksamts, eines Landgerichts (mit Schwurgericht) und zweier Amtsgerichte, und zählt (188 55010 vorwiegend kath. E. Unter den öffentlichen Gebäuden zeichnet sich aus das große, 1720—44 im Stile des versailler Schlosses erbaute bischöfl., nun königl. Schloß oder die Residenz, eins der größten, schönsten und sehenswertesten Fürstenschlösser. Die Fagade desselben hat eine Länge von 166,6 m, jede Seite eine Breite von 92,2 m und der Bau ist ohne Sockel 21,½½ m hoch. Dieses Schloß enthält außer einer sehr schönen Kirche über 300 Säle und Zimmer. Das Treppenhaus ist das großartigste in ganz Deutschland; herrliche Fresken von Tiepolo zieren dasselbe. Durch zwei Stockwerke ragt der majestätische Kaisersaal, den ebenfalls Tiepolo mit Gemälden geschmückt hat. Einzig in seiner Art ist das Spiegelzimmer und mehrere Säle sind mit herrlichen niederländ. und auch em Echios lteg Gobelins ausgeschlagen. Hinter dem Schloß liegt ein schöner Garten, in welchen Gitterthore von meisterhafter Schmiedearbeit führen. Ein hervorragender Bau ist auch das 1576 gestiftete große, reiche und trefflich eingerichtete Juliushospital, in dessen Nähe die neuen und allen Anforderungen entsprechenden Institute der Universität (botan. Garten, pathol. und normale Anatomie, physik. und physiol. Institut, mediz. Kollegienhaus u. . w.) sich befinden. Unter den vielen Kirchen sind bemerkenswert die reichverzierte Domlirche, die seit 1042 von Grund aus wieder aufgebaut wurde, mit der Schönbornschen Kapelle und vielen Denkmalen von Bischöfen; die Marienkapelle, erbaut im 14. Jahrh., eins der schönsten Denkmale altdeutscher Kunst, mit 14 Statuen von Tilmann Riemenschneider aus dem 16. Jahrh.; die Kirche von Stifthaug, 1670—91 neu erbaut, mit majestätischer Kuppel; die Neumünsterkirche mit den Gebeinen des heil. Kilian; die Neubauklirche und die neulrestaurierte Minoritenkirche, sowie die jetzt leider als Militärmagazin benutzte Deutschherren-Kirche in dem Stadtteile links des Mains, welche von Kunstkennern als ein Juwel altgot. Baukunst bezeichnet wird. Ansehnliche Gebäude sind auch das Rathaus, die Regierung, die Universität mit der in einem Turme befindlichen Sternwarte, das Schullehrerseminar, das Theater, das Harmoniegebäude, der neue Bahnhof, die Ludwigshalle, die Schrannenhalle, die Maxschule, das neue humanistische Gömnasium, das chem. aboratorium, die neuen Infanterie⸗ und Artillerie-Kasernen, die prächtigen Privatbauten in der Ludwigsstraße, in den Ringstraßen und am Kaiserplah u. s. w. Vor dem Juliushospital steht eine Statue des Fürstbischofs Julius (von Wiedemann); ein Denkmal Walthers von der Vogelweide befindet sich in einer Nische an der äußern (jüdöstlichen) Seite der Neumünsterkirche, an welche früher das Kloster angebaut war, in dessen Mauern Walther sein Leben schloß. In der Nähe des Walther-Denkmals an der äußern nördl. Seite des Doms ist der Grabstein Riemenschneiders eingefügt. Ferner befindet sich ein Standbild des bekannten Japanreisenden Philipp Franz von Siebold (gest. 1866) von Prof. Roth in München in der Ottostraße und das Standbild: des Bürgermeisters Georg von Zürn (gest. 1884) von Prof. Spieß in Rom vor der Ludwigshalle. Die Universität zu W. wurde 1403 vom Bischof ohann von Eglofstein gegründet, überlebte aber ihren Stifter nicht. Erst 1582 erfolgte die Gründung einer neuen Hochschule durch den Fürstbischof Julius Echter von Mespelbrunn, der die reiche Dotation derselben, sowie des gleichfalls von ihm gestifteten Hospitals meist aus den Gütern und Einkünsten der im Bauernkriege und brandenb. Kriege verwüsteten und verlassenen Klöster nahm. Schon in der Absicht des gemeinsamen Stifters hatte es gelegen, das Hospital zum Zwecke des mediz. Studiums mit der Universität in Verbindung zu setzen, und diese Verbindung, sowie die Wirksamkeit tüchtiger Lehrer (Schönlein, Siebold, d'Outrepont, Markus, Textor, Bamberger, Linhart, Scanzoni, Virchow, Kölliker, Gerhardt, Bergmann, Tröltsch, Leube), welche meist zugleich Hospitalärzte sind und waren, erhielten zu allen Zeiten die mediz. Fakultät in hohem Rufe, der zur fortwährenden Blüte der Universität hauptsächlich beitrug. Die theol. und philos. Studien waren bis zur Aufhebung des Jesuitenordens ausschließend in dessen Händen. Einen besondern Aufschwung nahm die Universität unter dem vorletzten Fürstbischof, Franz Ludwig von Erthal (gest. 1795), der im Geiste der fortschreitenden Zeit regierte und helldenkende und gelehrte Männer als Professoren berief. Auch als W. an das Kurhaus Pfalzbayern kam, wurde die Universität sorgfältig gepflegt. Die Abtretung des Fürstentums W. an den vormalien Großherzog von Toscana, Ferdinand, dagegen hatte einen ungünstigen Einfluß auf den Zustand der Universität; erst als W. 1814 wieder mit Bayern vereinigt wurde, erfreute sich dieselbe eines neuen Lebens. Im Sommersemester 1886 wurde sie von 1406 Studirenden besucht (darunter 797 Mediziner). Die Bibliothek, deren Fonds jährlich 5500 Mark abwirft und vom vormaligen Großherzog von Frankfurt, Karl von Dalberg, gestiftet ist, enthält gegen 200000 Bände, darunter als besondere Sehenswürdigkeit das Evangelienbuch des Frankenapostels Kilian aus dem 7. Jahrh. mit geschnitztem Elfenbeindeckel aus dem 9. oder 10.Jahrh. Das Naturalienkabinett wurde von dem ehemaligen Minoriten, Prof. Blank (gest. 1827), gesammelt und durch spätere Ankäufe ansehnlich vermehrt. Das 1801 von Prof. Dr. Joseph Fröhlich gegründete, in den J. 1811 und 1812 organisierte Musikinstitut ist durch die Neuorganisation am 1. Okt. 1875 in eine alle Fächer musikalischer Unterweisung umfassende Staatsanstalt, in die königl. Musikschule, umgewandelt worden. Unter den wissenschaftlichen Vereinen sind die Medizinisch⸗-Physikalische Gesellschaft, die Historisch-Philologische Gesellschaft, die Chemische Gesellschaft und der Historische Verein besonders nennenswerth. Nächst der Universität besitzt W. zwei humanistische Gymnasien mit Lateinschulen, ein Realgymnasium, eine Realschule, einen polytechnischen Verein mit Sonn⸗ und Feiertags⸗, Handwerks⸗ und Fortbildungsschulen, ein kath. geistliches und ein Schul—⸗ lehrerseminar, eine Hebammenschule; ferner, abgesehen von dem Juliushospital, eine Augenheilanstalt (Stiftung des Professors von Welz, 1886 unter Leitung des Professors Michel), eine Taubstummen⸗ und eine Blindenanstalt, das Bürgerhospital und andere wohlthätige Anstalten. Auch bestehen in W.mehrere Mönchs- und Nonnenklöster. Durch die Aufhebung der Festungseigenschaft von W. infolge der Ereignisse im Deutschen Kriege von 1866 ist W. ein Verkehrscentrum von Südwestdeutschland geworden. Die Industrie ist in stetem FJortschreiten begriffen. Hervorzuheben sind die Fabriken für Schaumweine, Bier, Tabak, Kunstwolle, Schnellpressen und Eisenbahnwagen. Sehr bedeutend ist der Handel, besonders mit Wein und Frucht. An der Westseite der Stadt, auf dem linten Ufer des Mains, liegt auf einem 235 m hohen Berge die Feste Marienberg, von 1250 bis 1720 Wohnsitz der Bischöfe, jetzt Kaserne und Militärhof. An einem Abhange dieses Bergs, die Leiste genannt, wächst der Leistenwein, und auf dem nördlich von der Stadt hart am Main gelegenen Steinberge der Steinwein. (S. Frankenweine.) Südlich von dem Marienberge erhebt sich der Nikolausberg mit einem vielbesuchten Aussichtspunkte, dem sog. Käppele, einer Wallfahrtskirche, zu welcher über mehrere Terrassen mit herrlichen aus Stein gehauenen Stationsbildern, Meisterwerken der Bildhauer J. P. Wagner und von Auvera, viele gut erhaltene breite Treppen emporführen. Von der obersten Terrasse vor der Kirche bietet sich ein prächtiges Panorama der Stadt und des Mainthals. Als besondern Schmuck besitzt W. eine Parkanlage, welche den rechts des Mains gelegenen Stadtteil in einem großen, ununterbrochenen Halbkreise umgibt und sich würdig an den bereits erwähnten Hofgarten an der Residenz anschließt. In dem benachbarten ehemaligen Cistercienserkloster Ober-Zell befindet sich die Buchdruckmaschinenfabrik von König und Bauer. Bei W. erlitt 3. Sept. 1793 der franz. General Jourdan eine Niederlage durch Erzherzog Karl, nachdem ihn derselbe schon 24. Aug. bei Amberg geschlagen hatte. Im Deutschen Kriege von 1866 endete bei W. der Feldzug der preuß. Mainarmee gegen die deutsche Bundesarmee mit dem Bombardement der Feste Marienberg 27. Juli und dem Einzug der Preußen in W. unter Manteuffel 2. Aug. Am 9. Sept. 1866 verließen die preuß. Truppen W. wieder. Die Entfestigung des am rechten Mainufer gelegenen Stadtteils, 1869 begonnen, wurde großenteils schon bis 1874 durchgeführt und 1887 vollendet. Vgl. Heffner, W. und seine Umgebungen (Würzb. 1871); Scharold, Beiträge zur ältern und neuern Chronik von W.» (2 Bde., Bamb. 1818 19); Ogg, Entwickelungsgeschichte der Stadt W. (herausg. von A. Schäffler, Würzb. 1880); Hubert, «Neuer Führer durch W. und Umgebungen » (2. Aufl., Würzb. 1882); Schlereth, « Die Kreishaupt- und Universitätsstadt W. und ihre Umgebungenv (Würzb. 1882). Würzburg (Konrad von), s. Konrad von Würzburg. brauerei (technisch).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 789Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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