Xenophänes, der Stifter der Eleatischen Schule, geb. um 570 v. Chr., war ein jüngerer Zeitgenosse des Pythagoras und Anaximander und erreichte ein Alter von mehr als 92 J. Nachdem er aus seiner Vaterstadt Kolophon in Jonien bei dem Einfall der Perser 546 v. Chr. vertrieben worden war, ging er, um sich als Rhapsode seinen Lebensunterhalt zu verdienen, nach Sicilien und Großgriechenland. Hier ließ er sich um 536 v. Chr. zu Elea nieder. Seine Dichtungen waren teils episch, wie er z. B. die Gründung von Elea (lat. Velia) besungen hat, teils Elegiene, deren Inhalt, den erhaltenen Resten zufolge, eine ernste, sittlich-religiöse Tendenz verfolgte. Den gleichen Grundcharakter trägt auch seine philos. Lehre, von deren poetischer Niederschrift auch nur noch Bruchstücke vorhanden sind, deren Deutung hauptsächlich durch die Mitteilungen des Aristoteles erleichtert wird. Danach war er, vielleicht nicht ohne Zusammenhang mit der Pythagoreischen Schule, ein begeisterter Vertreter des Monotheismus: doch gab er demselben eine stark pantheistische Färbung, indem ihm der Begriff der Gottheit mit demjenigen der Alleinheit der Welt zusammenfiel. Zugleich freilich suchte er Gott als die vernünftige Macht, welche das Weltall lenke, zu begreifen. So mischen sich in unklarer Verschwommenheit theistische und pantheistische Vorstellungen, daher auch Aristoteles an X. die eigentliche philos. Feinheit des Denkens vermißte. Besonders lebhaft aber vertrat er seinen Standpunkt dem polytheistischen Volksglauben gegenüber, dessen Anthropomorphismus er tadelte und verspottete: deshalb wendet er seinen Zorn hauptsächlich gegen Homer, der die Vielheit der Götter, und gegen Hesiod, der ihre Entstehung und Wandelbarkeit gelehrt habe. Die Gottheit sei eine und ewig. Auf diese reformatorische Predigt eines neuen Gottesbewußtseins legte X. den Schwerpunkt seiner Wirksamkeit; die philos. Durchbildung desselben übernahm erst sein großer Schüler Parmenides (s. d.). Die naturwissenschaftlichen Forschungen der Jonier hat er nur oberflächlich benutzt und sich dabei namentlich an Anaximander angeschlossen, für dessen Lehre von der periodischen Rückverwandlung der Erde in Schlamm er in den auf Sicilien damals gefundenen Versteinerungen einen Beweis suchte. Alle irdischen Dinge, lehrte er, seien aus Erde oder aus Erde und Wasser geworden. Die Bruchstücke seines Lehrgedichts «ber die Naturv haben Brandis in Commentationes Eleaticaes (Abteil. 1, Altona 1813) und Karsten in Philosophorum Graecorum veterum reliquiaes (Bd. 1, Brüss. 1830) gesammelt. Vgl. V. Cousin, XX. fondateur de Técole Par. 1828); Reinhold, De gennina X. disciplinap (Jena 1847); Kern, «Quaestionum Xenophanearum capita duop (Naumb. 1864).