FeedZeno
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Zeno, der Eleat, aus Elea, einer Kolonie in Großgriechenland, geb. gegen 490 v. Chr., ist einer der spätern Vertreter der von Renophanes und Parmenides begründeten Cleatischen Philosophie. Von seinen Schriften ist nichts beian geblieben; nur von andern Schriftstellern, besonders von Aristoteles, sind einige Bruchstücke seiner Lehrsätze aufbewahrt worden. Z. stützte die parmenideische Lehre, daß es nur eine einzige Substanz gebe, durch indirekte Beweise, in denen er zu zeigen bemüht war, daß die Annahme vieler und wechselnder Substanzen, welche untereinander in Bewegung begriffen seien, auf Widersprüche führe. Um dieser von einem großen Scharfsinn zeugenden Beweise willen nannte Aristoteles ihn den Urheber der Dialektik. Er soll auch zuerst in der Philosophie die prosaische Darstellung mit Einteilung in Kapitel eingeführt haben, und seine gesamte Lehre zeigt schon eine hohe Entwickelung des logischen Bewußtseins, welches namentlich in den korrekten Disjunktionen seiner Beweise hervortritt. Man kennt noch vier seiner Beweisgründe gegen die Wirklichkeit der Bewegung. Der berühmteste unter diesen ist der sog. Achilles (s. d.). Sie stützen sich sämtlich auf den Begriff der Unendlichkeit, besonders aber der unendlichen Teilbarkeit des Raums und der Zeit, und enthalten die erste philos. Behandlung des Problems, welches aus dem begrifflichen Gegensatze des Kontinuierlichen und des Diskreten entspringt. Sie sind vielleicht teilweise schon gegen den Atomismus gerichtet gewesen. Übrigens wird er als ein edler Mann voll Kraft und Vaterlandsliebe geschildert. Als sein Versuch, das von dem Tyrannen Nearchos unterdrückte Elea zu befreien, mißlang, stand er alle Martern ruhig aus und biß sich endlich selbst die Zunge ab, um niemand zu verraten. Sage nach wurde er zuletzt in einem Mörser zerstampft. Vgl. Wellmann, «3Z.s Beweise gegen die Bewegung und ihre Widerlegungen⸗ (Frantf. a. O. 1870); Dunan, Zenonis Eleatici argumenta (Nantes 1881).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 895Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 4

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Literatur & Sprache 6