FeedZeit ist die begrifflich nicht bestimmbare
AllerleiBrockhaus 1882

Zeit ist die begrifflich nicht bestimmbare, durch die innere Anschauung einem jeden bekannte Form, unter der sich alle seelischen Thätigkeiten des Menschen aneinanderreihen. Jeder Akt des psychischen Lebens ist ein »Jetzt o, welches von allem Vorhery und allem Nachhero unterschieden wird. Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft sind daher die drei Elemente, welche die Z. bilden: dieselben sind aber stets relativ, da das Jetzte nur durch den bestimmten Inhalt der psychischen Thätigkeit charakterisiert ist und deshalb sich mit diesem in stetiger Fortbewegung oder im Flusse befindet. Macht man die undurchführbare Fiktion, diesen stetig wechselnden Inhalt fortzudenken, so entsteht (nach Analogie des leeren Raums) der Begriff der leeren Zeit, und dieser gegenüber gelten jene Inhaltsbestimmungen als Erfüllung der Z3. Die Abschätzung der Zeitverhältnisse, der Gleichzeitigkeit, der Zeitdauer, der Zeitintervalle u. s. w. geschieht im Oen Shalil nach Maßgabe seiner eigenen psychischen Thätigkeit und ist daher durch diese bedingt und zahllosen Täuschungen ausgesetzt. Das gemeinsame Denken fordert daher der subjektiven Zeit gegenüber eine objektive Zeit als die Annahme eines gleichmäßigen Abflusses aller Thätigkeiten des Weltlebens, das seinem Begriff nach weder als anfangend noch als endend gedacht werden kann und dem die Ewigkeit als zeitlose Wirklichkeit, als sog. praesentia stans, gegenübersteht. Die Messung dieser objektiven Z. geschieht nach mechan. Hypothesen durch gleichförmig bewegte Körper, als welche wir zunächst die Himmelskörper, vor allen unsere Planeten, zu betrachten haben, um danach die andern Meßinstrumente, Pendel, Uhren u. s. w. einzurichten. Der Umstand jedoch, daß auch die Fortpflanzung des Lichts Z. in Anspruch nimmt, macht für die Beobachtungen der Astronomie den Unterschied zwischen wirklicher und astronomischer Z3., weiterhin zwischen Sonnenzeit (s. d.) und Sternzeit (s. d.) nötig. Die philos. Schwierigkeiten in der Behandlung des Begriffs der Z. sind namentlich in der neuern Philosophie hervorgehoben und dadurch vermehrt worden, daß Kant die Z. als Anschauungsform des innern Sinnes in Parallele mit dem Raum als der Anschauungsform des äußern Sinnes behandelte. Vgl. Baumann, Die Lehre von Raum und Z. in der neuern Philosophiev (2 Bde., Berl. 1868—69); Eyfferth, aüber die 3. Philos. Untersuchunge (Berl. 1871).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 854Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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