FeedZiegenhaare
ErdkundeBrockhaus 1882

Ziegenhaare, in der Wolle soviel wie Hundsaare. Ziegenhain, alte Kreisstadt im Regierungsbezirk Kassel der preuß. rovinz Hessen-Nassau, an der Schwalm/ 48 km füdwestlich von Kassel, ist Station der Linie Treysa-Leinefelde der Preußischen Staatsbahnen, Sitz eines Amtsgerichts und Landratsamts und besteht aus der ein Viereck bildenden sog. Festung auf einer be der Reiurn der Vorstadt Weichhaus. Die Wälle der Festung sind jetzt geschleift. Der Ort hat (1885) 1922 C., welche Handel, Gewerbe und Landwirtschaft betreiben, eine evang. Pfarrkirche und ein altertümliches Schloß, in welchem früher das hess. Hausarchiv und zugleich Staatsgefangene untergebracht waren, das aber jetzt als Zuchthaus für männliche Sträflinge dient. Derselben Verwaltung ist seit 1883 auch eine Strafanstalt für weibliche Gefangene, welche in einem umgebauten Fruchthaus der ehemaligen Festung untergebracht sind, unterstellt worden. Z. war früher der Sitz mächtiger Grafen, deren erster, Friedrich, dritter Sohn des Landgrafen Ludwig IV., die Grafschaft Z. 1173 erhielt. Der letzte Besitzer, Graf Johann der Starke von Z., starb 1450. Wegen der Erbschaft entstand ein langer Streit zwischen den Grafen von Hohenlohe und den Landgrafen von Hessen, den erst Kaiser Maximilian I. auf dem Reichstag zu Worms 1495 zu Gunsten Hessens entschied. Landgraf Philipp der Großmütige baute die Festung, welche sich durch ihre Stärke auszeichnete, sodaß man sagte afest wie Z.5. Dieselbe wurde von Philipps treuem Hans von Lüder gegen die Kaiserlichen behauptet, doch mußte der Landgraf 1547 die Geschütze ausliefern. Im Dreißigjährigen Kriege diente sie der Landgräfin Amalie Elisabeth als Zufluchtsort, im Siebenjährigen Kriege den Franzosen seit 1757 als Stützpunkt; sie wurde seit 23. Aug. 1759 bis 2. Nov. 1762 viermal belagert und erobert und 1807 geschleift. — Der Kreis Ziegenhain zählt (1885) auf 584 qkm 33078 E.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 906Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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