Zieten (Hans Joachim von), nächst Seydlitz der vorzüglichste Reitergeneral Friedrichs d. Gr., geb. 14. Mai (nicht 18. Mai, wie oft irrtümlich angegeben wird) 1699 auf dem väterlichen Gute Wustrau in der Grafschaft Ruppin, begann seine militärische Laufbahn 1714 als Freikorporal beim Infanterieregiment Schwendy, war 1723 ältester Fähnrich, nahm aber schon 1724 seine Entlassung und zog sich auf sein väterliches Gut zurück. Erst 1726 trat er beim Dragonerregiment von Wuthenow als Premierlieutenant wieder in Dienst, wurde aber mit seinem Rittmeister in Händel verwickelt und infolge dessen mit Festungsarrest und später sogar mit Cassation bestraft. Auf Verwendung einiger Generale fand jedoch 1730 seine Einstellung bei der Leibhusarenkompagnie wieder statt, die der König in Berlin errichten ließ und aus welcher Zes nachmals so berühmt gewordenes Regiment entstand. Im J. 1731 zum Rittmeister befördert, machte er 1735 unter dem Befehl des österr. Generals Baronay als Volontär mit 100 Pferden den Feldzug gegen Frankreich mit und wurde auf dessen Empfehlung 1736 zum Major ernannt. Friedrich II. beförderte ihn zum Oberstlieutenant und nach dem Gefecht bei Rothschloß (17. Mai 1741) zum Obersten und Chef des nunmehr formierten Husarenregiments. Im Feldzuge von 1742 drang J. mit der Vorhut eines von Olmütz aus abgesendeten Korps bis Stockerau unfern Wien vor und deckte später den Rückzug des Prinzen Dietrich von Anhalt nach Schlesien. Im zweiten Schlesischen Kriege wurde er 5. Okt. 1744 mit erheblich vordatiertem Patent zum Generalmajor befördert und führte 20. Mai 1745 den berühmten Marsch durch die ganze feindliche Aufstellung in Oberschlesien aus, um dem Markgrafen Karl den Befehl des Königs zur Vereinigung mit ihm bei Frankenstein zu überbringen (Zietenritt). Als die Osterreicher endlich Verdacht schöpften, schlug sich Z. ohne großen Verlust vollends durch und erreichte glücklich Jägerndorf, wo der Markgraf lagerte. Ruhmvoll nahm er hierauf an der Schlacht bei Hohenfriedberg 4. Juni teil und gewann den Sieg bei Katholisch⸗-Hennersdorf (23. Nov.), wo er verwundet wurde. In der Zeit zwischen dem zweiten und dritten Schlesischen Kriege traf ihn viel Ungemach. Er verlor seine Gattin und seinen Sohn, und außerdem gelang es seinen Neidern und Feinden, ihm die Ungnade des Königs zuzuziehen, die erst 1755 zedurch eine persönliche Zusammenkunft beseitigt ikwurde. Z. wurde 1756 zum Generallieutenant befördert. Seinen Heldenruhm bewährte er hauptsächlich im Siebenjährigen Kriege. Er wohnte siegreich dem Gefecht bei Reichenberg, sowie der Schlacht bei Prag bei, befehligte in der Schlacht bei Kollin die Kavallerie des linken Flügels und warf dreimal die österr. Kavallerie, sodaß er das Schlachtfeld bis zum Abende behauptete und den Rückzug der Armee deckte. Bei Leuthen brach er durch das Zurückwerfen des Nadasdyschen Korps die Bahn zum Siege und verfolgte nach der Schlacht den Feind. Bei Liegnitz hielt er das österr. Hauptheer während der Schlacht vom Kampfe zurück, und in der Schlacht bei Torgau entschied er durch Erstürmung der Süptitzer Höhen den Sieg. Ruhmgekrönt und als General der Kavallerie kehrte Z. nach Beendigung des Kriegs in die Heimat zurück und verheiratete sich nochmals im 65. Jahre. Den Sohn, der ihm 1765 geboren wurde, hob Friedrich II. aus der Taufe und ernannte ihn in der Wiege zum Kornet. Überhaupt überhäufte der König von nun an 3. mit Beweisen seiner Gnade und Zuneigung, wovon einzelne Züge durch den Grabstichel verewigt sind. Strenge Pflichterfüllung in seinem Dienste, wahre Frömmigkeit und Wohlthätigkeit gegen Bedürftige ehrten Z. als Mensch. Seine Feldherrngaben wurden allgemein anerkannt. Er war der populärste von Friedrichs Feldherren. Von seinem Monarchen geehrt, von allen, die ihm näher standen, geliebt, vom Volke mit enthusiastischer Bewunderung verehrt, durchlebte er ein heiteres Greisenalter, bis er 26. Jan. 1786 zu Berlin starb. unn Heinrich ließ ihm 1790 zu Rheinsberg ein Denkma setzen, Friedrich Wilhelm II. 1794 eine von Schadow gearbeitete Bildsäule am Wilhelmsplate in Berlin errichten; auch am Denkmal König Friedrichs d. Gr. in Berlin befindet sich 3.8 Reiterbild. Der kleine Platz vor 3.8 Bildsäule heißt jetzt Zietenplatz: auch führt das preuß. 3. Husarenregiment und ein Torpedoschiff der deutschen Flotte seinen Namen. Sein Leben hat Luise Joh. Leop. von Blumenthal (Berl. 1800) herausgegeben. Vgl. Graf zur Lippe-Weißenfeld, aHusarenbuch' (Verl. 1863); Biographien lieferten ferner Hahn (5. Aufl., Berl. 1878), Graf zur Lippe-Weißenfeld (Berl. 1880) und Winter (2 Bde., Lpz. 1885). Wertvolle Nachrichten über Z. finden sich auch im „Militärischen Pantheono (2. Aufl., Bd. 4, Berl. 1797). Sein einziger Sohn, Friedrich Emil von Z., geb. 6. Okt. 1765, Rittmeister, später Landrat, wurde 1840 in den Grafenstand erhoben und starb unvermählt 29. Juni 1854 zu Wustrau.