FeedZinkeisen (Joh. Wilh.)
ReligionBrockhaus 1882

Zinkeisen (Joh. Wilh.), Geschichtschreiber und Publizist, geb. 11. April 1803 zu Altenburg, widmete sich auf der Universität zu Jena erst der Theologie, dann histor. Studien. Nach seiner 1826 erfolgten Promotion lebte er einige Jahre in Göttingen, seit 1829 in Dresden. Von hier aus unternahm er eine größere Reise und ging sodann nach München, wo er den ersten Band einer „Geschichte Griechenlandso (Lpz. 1832) veröffentlichte. Im J. 1833 reiste er nach Paris, um sich daselbst Quellenstudien für die ihm von F. Perthes übertragene „Geschichte des Osmanischen Reichs in Europav (als Bestandteil der Sammlung von Heeren und Ukert) zu widmen. Im J. 1840 ging er nach Berlin, wo er die Redaction der «Preuß. Staatszeitunge übernahm, 1851 schied er aus dem preuß. Staatsdienst und nahm seine histor. Arbeiten wieder auf, namentlich die Fortsetzung der „Geschichte des Osmanischen Reichs in Europav(7 Bde., Gotha c1840—63). Außerdem veröffentlichte Z. eine Reihe verdienstvoller kleinerer Werke, wie «Geschichte der griech. Revolution (2 Bde., Lpz. 1840), Der Jakobinerklubo (2 Bde., Berl. 1852), Drei Denkschriften über die orient. Frages (Gotha 1854). Z. starb 5. Jan. 1863 zu Berlin. Zinkfahlerz oder Kupferblende, ein 9 Proz. Zink enthaltendes antimonfreies Arsenfahlerz aus der Grube «Prophet Jonaso bei Freiberg. Zinkgelb, s. unter Zink (⸗Verbindungen 7). inkgießerei, s. unter Metallguß. Zinkgrau, Nebenprodukt der Darstellung des Zinkweiß, wird als graue Anstrichfarbe verwendet. Zinkgref (Jul. Wilh.), auch Zinegref und Zinckgref, deutscher Dichter und Schriftsteller, geb. Z. Juni 1591 zu Heidelberg, studierte daselbst die Rechte unter der Leitung seines gelehrten Vaters. Nach dem Tode desselben machte er seit 1611 eine fünfjährige Reise durch die Schweiz, Frankreich, England und die Niederlande. Wahrend des Dreißigjährigen Kriegs bekleidete er verschiedene Amter in Heidelberg, Kreuznach und Alzei. Er starb 1. Nov. 1635 zu St. Goar an der Pest. Unter seinen wenigen Gedichten steht am höchsten Eine Vermanung zur Dapferkeite oder „Soldatenlobo eine freie Nachahmung des Tyrtäus, welches zuerst in der von ihm veranstalteten Ausgabe von Gedichten des M. Opitz (Straßb. 1624) erschien, der er Gedichte von sich selbst und von andern, B. P. Melissus, P. Denaisius, R. Weckherlin, als Anhang beigefügt hatte. Sein Hauptwerk sind «Der Teutschen scharpfsinnige kluge Sprüch, Apophthegmata genante (2 Bde., Straßb. 1626—31 u. öfter), eine Sammlung vom höchsten Werte für deutsche Sitten⸗ und Volksgeschichte; eine Auswahl aus denselben besorgte Guttenstein (Mannh. 1835). Eine Auswahl seiner Dichtungen befindet sich in W. Müllers „Bibliothek deutscher Dichter des 17. Jahrh.» (Bd. D). Vgl. Schnorr von Carolsfeld, Julius Wilhelm Z.s Leben und Schrifteno (im »Archiv für Litteraturgeschichtes, Bd. 8, Lpz. 1879). Zinkgrün, s. unter Kobaltl-Verbindungen la). Zinkguß, f. unter Retallguß, Bd. XI, S. 658d. Zinkit, soviel wie Rotzinkerz. Zinklegierungen, s. unter Zink und unter Legierungen. Ziukographie heißt die Anwendung des Zinks statt der Kupfer⸗, Stahl⸗ und Steinplatten zu verschiedenen Manieren des Stichs und der Lithographie oder zum Atzen (Chemiegraphie) für Tief⸗ oder Hochdruck (s. Kupferstechkunst und Hochätzkunst); der Erfinder H. W. Eberhard zeigte 1804 die ersten Versuche in Magdeburg,‚ 1815 die ersten Feder⸗ und Kreidezeichnungen auf Zink und wandte später in Stuart und Revett, Antiquities of Athensv, sowie in andern Werken dieses Verfahren an. Für Hochätzung werden Zeichnungen in Strichmanier direkt auf die Zinkplatte getragen oder auf Umdruckpapier hergestellte Zeichnungen in Strich- und Kreidemanier auf die Platte ubergedruckt und dann geätzt; letzteres geschieht auch bei Lithograei Stichen in Stahl oder Kupfer, wozu namentlich Stiche in Linienmanier oder Radierungen geeignet sind. Bei photographischer libertragung der Originale auf Zink behufs Atzung wird das Verfahren Bea genannt. (S. Photographie.) Zinkplatten werden auch zu autograph. Drucken von Cirkularen, Formularen etc. benutzt, oft auf besonders hierzu konstruierten Druckapparaten. Vgl. Eberhard, cüber 3.5 (Nürnb. 1831); Krüger, «Die Zinkogravurd (Wien 1878); Bocke, «Die Zinkographie in der Buchdruckerkunsto (Lpz. 1885). Zinkoxyd, s. unter Zink (Verbindungen 1). Zinkröhren werden entweder aus hohl gegossenen Stäben durch Walzen über Dornen, oder aus Blech durch Zusammenlöten und Zichen oder Zusammenfalzen hergestellt. Zinksalze (Zinkverbindungen), s. unter Zink. Ziuthpato ist Kieselgalmei, s. unter Galmei. inkspat oder Edler Galmei, s. u. Galmei. Ziurstau, Mineral, s. Gahnit. inkstaub, fein verteiltes metallisches Zink, welches als Nebenprodukt bei der Gewinnung des Zinks erhalten wird. Er dient im chem. Laboratorium als wichtiges Reduktionsmittel. Zinksulfat, s. unter Zink (⸗Verbindungen 6). Zinkverbindungen, s. unter Zink. Zinkvitriol, s. unter Zink (Verbindungen 6). Zinkweiß, wichtige weiße Malerfarbe, besteht aus fein verteiltem Zinkoryd. Es hat vor dem Bleiweiß den wesentlichen Vorteil, daß es nicht giftig ist und daß seine Fabrikation nicht mit Gefahren für die Gesundheit der Arbeiter verknüpft ist. Die Fabrikation geschieht entweder aus Zinkerzen durch reduzierendes und oxydierendes Rösten, oder aus metallischem Zink. Das letztere Verfahren ist das einfachere und sichert zugleich eine vorzügliche Qualität des Produkts. Hierbei wird Z. in thönernen Tiegeln, Retorten oder Muffeln verdampft. Die Dämpfe treten in einen sämtlichen Verdampfungsapparaten gemeinsamen Oxydationsraum ein, in welchem sie mit heißer, mindestens 300 C. warmer Luft gemischt werden. Hier erfolgt die Verbrennung des Zinks. Das gebildete leichte Zinkoryd wird von dem Luftzug in Kühlröhren und von da in geräumige Kammern geführt, in welchen das Z. sich absetzt. Im Orydationsraum sammelt sich mit der Zeit eine größere Menge eines aus unvollständig verbranntem Zink bestehenden Nebenprodukts an. Dieses wird durch Schlämmen mit Wasser in ein Gemenge von Zinkstaub und Zinkoxyd, welches als Zinkgrau in den Handel kommt, und in reinen Zinkstaub, der wieder zur Destillation gebracht wird, zerlegt. Zinn (lat. stannum, frz. étain, engl. tin, chem. Zeichen 8u, Atomgewicht⸗ 118), ein seit uralter Zeit bekanntes, fast silberweißes, sehr weiches, hämmer- und streckbares, beim Biegen knirschendes, bei 228 C. schmelzendes, erst in sehr hohen Hitzegraden flüchtiges, an der Luft langsam anlaufendes Metall von 7,28 spezifischem Gewicht, kommt in der Natur nie rein, sondern stets in der Form des krystallisierten Oxyds (Zinnstein oder Zinngraupen) vor, welches sich, meist in deutlichen Zwillingskrystallen (Zwittern) in granitischen Gesteinen stockförmig (daher Zwitterstock) eingelagert, im sächs. böhm. Erzgebirge, in Cornwallis und in Ostindien (Malakka und Banka) vorfindet. Das reinste Z. ist das Banka⸗- und Malakkazinn; das englische Z. ist meist eisenhaltig, das sächsische wismuthaltig. Für die metallurgische Gewinnung hat unter allen zinnführenden Mineralien nur der Zinnstein Zinnerz, Zwitter, chemisch Zinnsäureanhydrid mit 78,8 Proz. Z.) Wichtigkeit. Nach Vorkommen und Gewinnung des allgemein Zinnerz genannten Zinnsteins unterscheidet man Seifenzinnerz (Waschzinnerz, Zinnsand, Barilla) oder Bergzinnerz. Ersteres wird auf sekundären Lagerstätten (Seifen), die durch die zerstörende

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 922Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 3

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Religion 6