FeedZittel (Karl)
ReligionBrockhaus 1882

Zittel (Karl), freisinniger evang. Geistlicher und Kanzelredner, geb. 21. Juni 1802 zu Schmieheim im bad. Oberlande, trat 1823 in den geistlichen Stand und war zuerst als Vikar in mehrern oberländischen Gemeinden, dann als Diakonus und zweiter Lehrer am Pädagogium (1829 -32) in Lörrach thätig. Seit 1834 war er Pfarrer in Bahlingen am Kaiserstuhl. Im J. 1842 wurde er in die bad. Zweite Kammer gewählt, in welcher seine Motion auf Religionsfreiheit zu Gunsten der Deutschkatholiken weithin Aufsehen erregte, aber 9. Febr. 1846 die Auflösung der Kammer zur Folge hatte. Im J. 1848 wurde er als Vertreter des Stadt- und Landbezirks Karlsruhe in die Konstituierende Deutsche Nationalversammlung nach Frankfurt a. M. gewählt, zugleich zum Pfarrer an der zweiten Pfarrei zu St. Peter und Providenz in Heidelberg ernannt. Er saß noch 1850 im Staatenhause zu Erfurt, zog sich aber seit jener Zeit gänzlich vom polit. Schauplatze zurück. In seiner Schrift „Der Bekenntnisstreit der prot. Kirches (Mannh. 1852) verteidigte er gegen Hundeshagen die Gewissensfreiheit in der unierten Kirche Badens, half das mit Rom bereits abgeschlossene Konkordat hintertreiben, wirkte an einer freisinnigen Kirchenverfassung mit (1861) und nahm 1863 an der Gründung des Protestantenvereins hervorragenden Anteil. Nachdem er 1867 an die erste geistliche Stelle in Heidelberg vorgerückt war, wählte die Diöcesangeistlichkeit ihn zu ihrem Dekan. Er starb 28. Aug. 1871.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 931Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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