FeedZuchtwahl (Selectio)
TierreichBrockhaus 1882

Zuchtwahl (Selectio) heißt das Prinzip, nach welchem der Mensch (künstliche 3.,s. artificialis) mit bestimmter Absicht oder die Natur (natürliche Z., s. naturalis) unbewußt als Kampf ums Dasein verfährt, um unter Anwendung der Gesetze und Erscheinungen der Vererbung (s. unter Darwinismus) und Anpassung (s. d.) neugestaltete Organismen hervorzubringen. In der natürlichen 3. lassen sich noch eine Reihe von Unterkategorien aufstellen, wie die gesch echtliche oder sexuelle (s. unter Darwinismus), die nachahmende (oder Mimicry, s. d.), die gleichgestaltende, durch welche sehr verschiedene Geschöpfe durch Angleichfalls ähnlich werden (3. B. Walfisch, Ichthyosaurus, Fisch als Schwimmtiere, Kolibri und Abendschmetterling als fliegende Blumenbesucher u. siw.). Ein sehr merkwürdiges Resultat der natürlichen 3Z. sind die Schreck- oder Warnfarben. Nicht wenig Tiere sind nämlich bei langsamen Bewegungen sehr auffallend, sozusagen provozierend gefärbt, aber sie sind ungenießbar für andere Tiere, sei es, weil sie zu hart sind, oder einen schlechten Geschmack oder gar giftige Eigenschaften entwickeln können. Wären diese Geschöpfe von unscheinbarer Farbe, so würden sie von andern Raubtieren häufig gepackt und verletzt werden; zwar würden diese ihren Irrtum bald gewahren und ihre Opfer, aber meist schwer geschädigt, wieder frei lassen; in ihrer bunten Farbe erwuchs ihnen im Kampf ums Dasein ein Wahrzeichen, ein cnoli me tangerev, das ihnen, als Ungenießbaren, Feinde vom Leibe hielt. Das Gegenteil solcher Schreckfarben findet sich in den, meist mit Wohlgeruch und süßem Geschmack (auch Honig) verbundenen Lockfarben der Blumen und Früchte, erworben, um Tiere (Insekten durch Blumen) zur Bestäubung oder (Affen und Vögel) zur Verschleppung des reifen Samens anzulocken.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 16, S. 950Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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