Zunder (Feuerschwamm), s. u. Polyporus. „Zünder, auch Geschoßzündungen, heißen diesenigen Zündungen, vermittelst deren die Ladungen in den Hohlgeschossen im geeigneten Moment zur Entzündung gebracht werden. Die Z. zerfallen in drei Kategorien: 1) Z., welche ihre Thätigkeit nur in dem Falle ausüben, daß das Geschoß in seiner Bahn einen plötzlichen Aufenthalt erfährt, namentlich also bei der Berührung des Ziels; 2) 3., welche die Geschoßladung nach Ablauf einer gewissen, mit der Flugzeit des Geschosses in Übereinstimmung zu setzenden Zeit zur Entzündung bringen, also von der Geschoßbahn unabhängig sind; 3) Z., deren Mechanismus nach Bedürfnis zur Ausübung beider Vorrichtungen befähigt. Z. unter 1) heißen Perkussionszünder, unter 2) Zeitzünder, unter 3) Doppelzünder (fusée à double erfet). Die Perkussionszünder enthalten einen Schlagbolzen, der, solange das Geschoß im Rohre sich befindet, an der selbständigen Bewegung gehindert ist, nach dem Verlassen der Mündung frei wird und bei einer plötzlichen Verringerung der Geschoßgeschwindigkeit im Geschoß für sich allein vorrückt. An seinem vordern Ende trägt der Schlagbolzen eine Nadel, welcher gegenüber, durch einen besondern Teil des Z. mit dem Geschoß fest verbunden, eine kleine Ladung fulminanten Satzes (Knallquecksilber, oder Mengung chlorsauren Kalis), gewöhnlich als Zündhütchen angebracht ist. Indem die Nadel des vorrückenden Schlagbolzens in dem gedachten Augenblick die Zündmasse trifft, fängt letztere Feuer und dieses tritt durch den Z. hindurch nach rückwärts in den Hohlraum des Geschosses und entzündet die Geschoßladung. Der Schlagbolzen kann auch das Zündhütchen tragen und die Nadel mit dem Körper des Z. fest verbunden sein. Um eine gesicherte Anwendung dieses Zünderprinzips zu ermöglichen, sind mancherlei Detailanordnungen nötig, welche bei den verschiedenen Konstruktionen dieser Z. sehr variieren. Die wichtigste Aufgabe bleibt es hierbei, Sorge zu tragen, daß beim Transport und bei der Handhabung des Geschosses, sowie während seiner Bewegung im Rohre die Gefahr einer Explosion vermieden und dabei doch eine einfache Bedienung erreicht wird. Erst neuerdings sind in dieser Beziehung hinreichend sichere Konstruktionen gefunden worden, da selbst bei einem getrennten Transport der Zündmasse noch beim Einsetzen des Geschosses in das Rohr jene Gefahr nicht ausgeschlossen war. Die Zeitzünder beruhen auf dem gleichmäßigen Abbrennen eines verdichteten Pulversatzes, dessen Feuer im geeigneten Moment zur Geschoßladung gelangen soll. Der Satz wird bereits im Rohre entzündet, entweder indem die Gase der verbrennenden Geschützladung vermöge des vorhandenen Spielraums zu dem im vordern Teil des Geschosses befestigten Z. gelangen, oder, wie bei den Hinterladegeschützen ohne Spielraum, durch eine besondere, dem Perkussionszünder ähnlich eingerichtete Zündvorrichtung. Ein guter Zeitzünder muß es ermöglichen, daß die Mitteilung des Feuers an die Geschoßladung in jedem beliebigen Augenblick der Gesamtbrennzeit des Satzes erfolgt. Bei den Doppelzündern sind beide Einrichtungen miteinander verbunden. Je nach Bedarf läßt man nur den Perkussionszünder thätig werden, z. B. beim Einschießen, oder der Perkussionszünder wirkt bei einem vorzeitigen Aufschlag des Geschosses, beziehungsweise beim Versagen des Zeitzünders. Die ältern weniger vollkommenen Zeitzünder beruhten auf einem in einem Holzfutter angebrachten Satzeylinder, und die verschiedenen Brennzeiten wurden durch entsprechendes Abschneiden oder Anbohren des Z. erreicht, Manipulationen, welche vor dem Einsetzen des Z. in das Geschoß zu erfolgen hatten. Der Z. konnte daher erst während des Schießens in letzterm angebracht werden. Nach der Form des Satzes führten diese 3. den Namen Säuenzünder. (S. Geschoß, Bd. VII, S. 878, Fig. 10.) Die neuern Konstruktionen von Zeitzündern sind gegliedert, d. h. sie haben ein drehbares Stück mit selbständiger Bewegung, durch dessen Einstellung mit Hilfe einer am Z. angebrachten Skala die Regelung der Brennzeit, das Tempieren, bewirkt wird. Bei dieser Anordnung können die rfehen bereits im Laboratorium mit dem Z. versehen werden, sodaß späterhin keine Erschwerung der Bedienung durch Einsetzen des Z. eintritt. Der Satz hat bei solchen Z. die Gestalt eines Ringes, die Z. selber führen den Namen Ringzünder, auch Rotationszünder. (Vgl. Geschoß, Textfig. 9: Geschütz, Tafel I, Fig. 10 u. 16, Tafel II, Fig. 15.) Der Ersatz der Zeit- und Perkussionszünder durch eine einheitliche Konstruktion, welche beide Verrichtungen übernimmt, den Universalzünder, bildet ein Problem, dessen Lösung auf lebensfähige Weise bis jetzt noch nicht in die Offentlichkeit getreten ist. Im allgemeinen gibt man bei den Granaten, deren eigentümliche Wirkung eine Sprengung des Geschosses am oder im Ziele bedingt, dem Perkussionszünder, bei Shrapnels, deren Wirkung sich am günstigsten gestaltet, wenn die Zerteilung des Geschosses kurz vor dem Ziele im absteigenden Aste der Flugbahn erfolgt, dem Zeitzünder oder dem Doppelzünder den Vorzug. Konstruktion von Perkussionszündern s. Tafel: Geschütze Fig. 9; Tafel II, Fig. 14. Wesentliche Verdienste um die Toran des Zünderwesens haben unter anderm Bormann (s. d.) als Erfinder des Satzrings (1835), Breithaupt (s. d.) als Schöpfer des Rotationszeitzünders (1854) und mehrerer neuerer Modifikationen desselben, von Neumann (s. d.) als Konstrukteur des ältern preuß. Perkussionszünders (4860), Richter, weiland preuß. Artilleriehauptmann, als Konstrukteur eines Zeitzünders .ö spielraumlose Geschütze (1864), Armstrong (f. d.) als Konstrukteur des ersten Doppelzünders etc. Gegenwärtig erstrebt man in den meisten Artillerien die Anwendung eines Doppelzünders für alle Geschoßarten, welche zugleich die Ausrüstung vereinfacht. n Frankreich ist ein solcher für die Feldartillerie ereits vor einiger Zeit angenommen worden. „Vgl. Breithaupt, Der Entwickelungsgang und die darauf gegründete Systematik des Zünderwesenso Gaff. 1868); Rutzky. Theorie und Praxis der Geschoß-und Zünderkonstrultionv (Wien 1871).