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BaukunstBau-Lexikon 1881
Fig. 3065. Halle und Hof der Dschar Ibn Tulun in Kairo (876 ff.).
Fig. 3065. Halle und Hof der Dschar Ibn Tulun in Kairo (876 ff.).

Saracenesea, Saracina, f., lat., Richtung der mohammedanischen Kunst (s. d.), die durch die Bauten dieser Länder vertreten ist, die s. B. Schon in Aegypten giebt sich eine von dem reinen arabischen Stil etwas abweichende Richtung kund, die bald zu vollständigem Organismus sich ausbildete; namentlich in Kairoft zeigt sich an diesen Bauten zunächst ein geringeres Hervortreten byzantinischer Elemente, als an den asiatischen Zweigen des Stils, und ein größeres Streben nach Einheit des Totaleindrucks oder vielmehr geringere Störung dieser Einheit durch fremde Formen als da, wo die Islamiten schon auf höher ausgebildete Kunst stießen. Die meist angenommene Einwirkung von Syrien her muß mindestens bei den ersten Bauten in Aegypten in Zweifel gezogen werden, ebenso das aus den Gründungsdaten deduzirte, überaus frühe 29 Anen Raueseer Fig. 3063. Von der Moschee Ibn oder Mekhyas auf der Insel Rauda z. B. entstammen die Spitzbögen nicht dem ersten Bau 719, sondern einer der Wiederherstellungen in den Jahren 821, 855, 869, 1107;: der letzteren gehörte die 1799 von den Franzosen zerstörte Kuppel an. Die Moschéenbauten theilen sich hier, wie überall, in zwei Arten. Die Djammi's (Dome) bestehen auch hier nur aus luftigen Hallen, die in sehr großer Zahl neben einander gestellt sind. So die Moschee Amru zu Alt-HEIDOELBERG O Universitats sind, die in einigen Theilen Rundbögen, in anderen sehr stumpfe, unten leise hufeisenförmig eingezogene Spitzbögen Tulun. Fig. 3064. Außenarchitektur der Moschee Amru (979). tragen und durch Holzanker mit einander verbunden sind. Auch hier rühren die Spitzbögen nicht vom ersten Bau, sondern frühestens von einem Neubau nach dem Brand von 897, vermuthlich erst von der Bauperiode der Jahre 979 ummi Ibn Tulun in Kairo (876 ff.). oder 1009 her. Bei den Mesjids tritt hier ebenso wie anderwärts eine mehr geschlossene centrale Disposition auf. Die Anlage u. Flächeneintheilung ist massenhafter; die kräftigen Pfeiler sind meist aus Quadern aufgeführt. Zoraide, der Rose von Kudeida, geflüchtet hatte, nach welcher die Trümmer benannt werden. Sie bekunden noch vielf große Unbehülflichkeit in der Dekoration. An der Moschee lieni Ibn-Tulun, in den Jahren 876 885 angeblich von einem (135 christlichen Architekten gebaut, erscheint der Stil bereits der vollständig ausgebildet. Wir geben in Fig. 3065 einen den Blick in den Hof, in Fig. 3063 ein Fenster dieser Moschee. die 1 Die Gliederungen sind sehr schlicht u. einfach. Das Kapi⸗ ihren täl steht zwischen dem frühromanischen u. byzantinischen, völli Rücksicht auf die Technik sehr stumpf etwas keckeres Profil u. meist eine schräg ausladende Deck-Moschee Ibn-Tulun bildet den Minaret. Die Moschee El schon vollendet, hat niedere ähnliche Bögen wie die Moschee Aksah zu Jerusalem, so daß hier nun ein Einfluß der syrischen Bauweisels.d.) vermuthet werden kann. Der Thurm ist hier bereits zum Minaret ausgebildet. — Aus dem 11. Jahrh. stammen die Stadthore Bab-el-Nasr und Bab-el-Fotuh. Dann folgt die 1141 erbaute Moschee des Barkauk, eine Mesjid mit Grab, Pilgerherberge etc. Daran schließen sich die zahlreichen Grabmale der Fatimiten (bis 1171) und der Abujiden (bis um 1250) sowie der Mamelucken (1251-1517),die meist nur aus einem quadratischen Raum mit Kuppel bestehen, aber oft von einem Minaret begleitet sind. Die Kuppeln sitzen auf Pendentifs vvon konstruktiv sehr einfacher Form, d. h. nach Fig. 2791 gebildet, die aber reich durch Annäherung an ita-Formen. Die Moschee Hassan und 3067, entbehrt völlig besonders am Portal zu persischen Formen hin, während Moschee (Djammi) el Moyed in der Form der Arkaden fast Moschee zurückgeht, durch Ueberladung, unorganische Formen etc. zeigt, welches für die türkische Bauweise charakteristisch ist. Die in Fig. 3071 dargestellte Grabmoschee des Kait-Bey in Kairo datirt aus den Jahren 1463—1490; besonders charakteristisch für diese Bauweise sind die zahlreichen Mameluckengräber, deren wir eins in Fig. 3069 geben. Neue Bauten nähern sich mehr und mehr der türkischen Version der sin B., die 1517 hier eingeführt wurde u. deren letzter großartiger Bau die um 1810 von Mohammed Ali erbaute Alabastermoschee ist, s. Figur 3070. Eine in Einzelheiten etwas abweichende Ausbildung fand die s. B. schon früh in den westlichen Theilen Afrika's. In Kairuan wurde die Moschee schon im 7.Jahrhundert von Okba gegründet, wich aber 837 einem glänzenden Neubau, an welchem die Außenmauern durch Blendbögen gegliedert sind, deren Schilder nur sehr wenig Vertiefung haben. Kairuan war es, von wo aus die Sarazenen im 9. Jahrh., von 827 bis 849, Sizilien unterwarfen, wo sie longobardische u. byzantinische Bauten vorfanden, von denen ihre Bauweise manches Element in sich aufnahm. 909 ging Sizilien aus dem Besitz der Aglabit en in den der Fatimiten über, d. h. stand fortan unter Aegypten, und Palermo blühte rasch empor. Von da an bis um 1070, wo sie von den Normannen wieder aus Sizilien vertrieben wurden, entstand eine Reihe von Bauten, von denen leider kein einziges Beispiel völlig, vielmehr nur einzelne Reste erhalten sind, so daß wir nur aus den an sie anschließenden frühesten Bauten der Normannen schließen können, daß wohl hauptsächlich Folgendes als abweichend vom grabischen Hauptstil auftrat. Die Mesjids waren als Centralbauten mit Kuppeln behandelt. Die Kuppeln waren auf ziemlich hohen Uebermauerungen der vier Hauptbogen mittels Pendentifs nach dem System Fig. 2790 aufgestellt. Das Aeußere der Kuppeln ist geradezu byzantinisch. Hier u. da find die Kuppeln innerlich etwas hufeisenförmig. Das Aeußere ist an Moschéen und an Wohnhäufern in Quaderrohbau mit hohen, durch alle Geschosse durchgehenden Spitzbogenblendarkaden ausgeführt, über die sich der wägrechte arabische Zinnensims legt. Weitere Züge hatten die sizilianischen mit den ägyptischen Moschéen gemein. Es kommen Kloster⸗ u Krenzgewölbe vor, Stalaktitengewölbe jedoch nur über Nischen, Fensterblenden u. an Pendentifs; am häufigsten ist eine Balkendecke mit Konsolen unter den Hauptbalken und hölzernen Stalaktitentheilchen in Zwickeln etc. Arkaden bestehen aus etwas überhobenen Spitzbogen auf Säulen, wie denn überhaupt ein einseitiges, fast übertriebenes Hochstreben, jedoch ohne gänzliches Aufgeben der Horizontalen, sich in allen Verhältnissen, innen u. außen, kund giebt; die Comarajia ist zwar in Aegypten vielfach angewendet, scheint aber in Sizilien fast nicht gekannt worden zu sein. Die Mosaikmuster ähneln vielmehr sehr den normannischen. SISLIortiEK HEIDELBERG Die Einrichtungen der Wohngebäude sind geschlossen, burgähnlicher als diemaurischen; Badegewölbe, Wasserleitungen u. Brücken sind im Spitzbogen ausgeführt, letztere mit sattelförmig ütber der Mitte des Flusses aufsteigendem Straßenzug, der oft so steil ist, daß er durch Pferde nicht benutzt werden kann.

Saracenesea
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Illustrirtes Bau-Lexikon. Praktisches Hülfs- und Nachschlagebuch im Gebiete des Hoch- und Flachbaues, Land- und Wasserbaues, Mühlen- und Bergbaues, der Schiffs- und KriegsbaukunstHrsg. von Oscar Mothes, 4. Aufl., Leipzig und Berlin: Otto Spamer 1881–1884 · Bd. 4, S. 100Scan: Universitätsbibliothek Heidelberg · gemeinfrei

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