Kaffeeproduktion hat seit dem ersten Drittel des 19. Jahrh. außerordentlich zugenommen und sich mehr als verfünffacht. Während 1832 ungefähr 1, Mill. Ctr. produziert wurden, belief sich die Produktion 1844 —-55 jährlich auf 6,6 Mill. Ctr., 1865 auf 8,5 Mill. Ctr., 1878 auf 9,8 Mill. Ctr., 1882 über 11 Mill. Ctr. Zur Benutzung des Kaffees werden die Bohnen in einem verschlossenen Hohlcylinder (Kaffeetrommel) über schwachem Feuer möglichst gleichmäßig geröstet, bis sie dunkelbraun geworden sind. Beim Rösten verlieren die Kaffeebohnen je nach der Stärke des Erhitzens 15—20 Proz. ihres Gewichts, nehmen aber durch Aufblähen etwa 30 Proz. ihres Volumens zu. Der geröstete Kaffee verliert sein Aroma ziemlich schnell, darf daher nicht lange aufbewahrt werden. Vor dem Kochen wird der geröstete Kaffee zerkleinert (gemahlen). Bei dem Kochen des Kaffees ist eine wesentliche Hauptbedingung, daß das Wasser, womit er übergossen wird, auch wirklich die Siedetemperatur (100 C.) hat und nur kurze Zeit mit dem Kaffeepulver in Berührung bleibt. In Arabien und im Orient bereitet man den Kaffee nicht immer auf die in Europa gebräuchliche Art als Getränk. Häufig wird dort eine Abkochung ungerösteter Samen getrunken, und zu dem Kaffee à la Sultane, den man dem aus Bohnen bereiteten vorzieht, werden die Samendecken und das an diese angetrocknete Fleisch geröstet verwendet. Der Kaffee als Getränk wirkt erregend auf das Nervensystem und befördert die Verdauung; doch bringt er auch bei reizbaren Personen Blutwallung hervor und wird Veranlassung zu Hämorrhoidalleiden und krampfartigen Beschwerden im Magen. Ein vorzügliches Erfrischungs- und Stärkungsmittel gibt der Kaffee für ermüdete Reisende ab. Rohen Kaffee wendet man als Heilmittel bei Wechselfieber, Gicht u. s. w. mit Erfolg an. Eine der wichtigsten Eigenschaften, welche ohne Zweifel mächtig dazu beigetragen hat, den Kaffee allgemein zu verbreiten und denselben zu einem unentbehrlichen Genußmittel für Millionen Menschen zu machen, ist sein scheinbares Sättigungsvermögen und die geistige Thätigkeit des Menschen zu erhöhen, Wirkungen, die nicht allein durch den Caffeingehalt, sondern sicher auch durch andere, zum Teil beim Rösten erst sich bildende Bestandteile der Bohnen bedingt werden. lüber die Substanz der Kaffeebohne und ihren Wert als Nahrungsmittel s. Caffein. Vielfacher Verbrauch, mißratene Ernten und die hohen Preise des Kaffees haben die Bereitung zahlreicher Kaffeesur rogate (s. d.) veranlaßt. Außer dem Coffein enthalten die Kaffeebohnen eine eigentümliche Säure, die Kaffeegerbsäure oder Coffeinsäure; ferner ziemlich viel Kali und Phosphorsäure. „Geschichtliches. Der Gebrauch des Kaffees ist jedenfalls sehr alt. Wenn auch die vielfach verbreitete Notiz, daß bereits um 875 n. Chr. in Persien das Kaffeetrinken Sitte gewesen sei, nicht verbürgt ist, so läßt sich doch immerhin mit Sicherheit behaupten, daß wenigstens in Abessinien der Kaffee öt, sind unter C aufzusuchen. schon um diese Zeit bekannt gewesen ist; denn nach einem arab. Manustript in der pariser Bibliothek, verfaßt von Shehabeddin Ben im 15. Jahrh., ist dieses Getränk schon seit undenklicher Zeit in Abessinien bekannt. Ob jedoch der K. schon ebensolange als Kulturpflanze gebaut wurde, ist sehr zweifelhaft, es ist vielmehr wahrscheinlich, daß eine beträchtliche Zeit hindurch nur die Samen von wildwachsenden Pflanzen benutzt wurden. Nach Arabien soll die Sitte des Kaffeetrinkens durch einen Mufti aus Aden, welcher bei einer Reise nach Persien dieselbe kennen gelernt hatte, im 15. Jahrh. eingeführt worden sein. Im J. 1517 soll zum ersten mal der Kafsee nach Konstantinopel gebracht worden sein und zwar durch Sultan Selim nach der Eroberung von Agypten, 1551 wurde in dieser Stadt bereits das erste öffentliche Kaffeehaus eingerichtet. Nach Deutschland brachte die erste Nachricht von der Benutzung des Kaffees ein deutscher Arzt, Leonhard Rauwolf, in der Beschreibung seiner Reise nach dem Orient, welche 1583 gedruckt wurde. Jedoch erst ein Jahrhundert später, 1679, entstand das erste Kaffeehaus in Hamburg, gegründet von einem engl. Kaufmann. In andern Ländern Europas war der Kaffee schon mechas bekannt geworden, 1645 wurde das erste Kaffeehaus in Venedig errichtet, nachdem bereits durch Prospero Alpino im J. 1592 die erste Nachricht von der Wirkung des Kaffees als Arznei nach Italien gelangt war. Alpino hatte auf seiner Reise in Agypten den Kaffeestrauch und die Sitte des Kaffeetrinkens kennen gelernt und brachte die Kaffeebohne als Arznei nach Venedig. In London wurde das erste Kaffeehaus 1652 durch den Diener eines nach der Levante handelnden Kaufmanns Edwards, den dieser aus Griechenland mitgebracht hatte, in Newmans Court in Cornhill errichtet. In Frankreich entstanden zuerst um 18 sching 1659 in Marseille Kaffeehäuser, in Paris schlug zuerst in der Vorstadt St.Germain ein Armenier,‚ Namens Pascal, in den siebziger Jahren des 17. Jahrh. eine Kaffeebude auf. Das erste eigentliche Kaffeehaus daselbst war aber das um 1725 von dem Sicilier Procopio gegründete Café Procope, welches von den berühmtesten Gelehrten Frankreichs bei ihrem Aufenthalte in Paris besucht wurde und dadurch wesentlich in Mode kam. In Wien erhielt ein Pole, der sich bei der Belagerung durch die Türken 1683 große Verdienste um die Stadt erworben hatte, das erste Privilegium zur Anlegung eines Kaffeehauses. Von Frankreich aus scheint sich der Gebrauch des Kaffees um das 1670 nach Deutschland verbreitet zu haben. Im J. 1675 kannte man ihn bereits am Hofe des Großen Kurfürsten von Brandenburg. In Berlin entstand das erste Kaffeehaus 1721. Friedrich II., ein entschiedener Gegner des Kaffees, ließ Staatskaffeebrennereien errichten, wo man den Kaffee sechsmal teurer bezahlen mußte als beim Kaufmann, und machte 1781 den Kaffeehandel Iöne Monopol. Nur der Adel, die Geistlichen und höhern Beamten erielten Brennscheine, d. h. sie durften ihren Kaffee Febit brennen. In Leipzig soll das erste Kaffeehaus 1694 entstanden sein, in Stuttgart 1712, der berüchtigte Jude Süß machte 1736 in Württemberg das Recht, Kaffeehäuser zu halten, zu einem Monopol und verpachtete es wie andere Gewerbszweige an den Meistbietenden. Die erste has lInd Aabt des K. in Kolonien außerhalb Afrikas und Arabiens geschah durch den lahmndess von Batavia, von Hoorn, auf Veranssung des Bürgermeisters von Amsterdam, Nicolas Witsen, im J. 1690 auf Java; die dort verwendeten Pflamzen waren aus Arabien dahin gebracht worden. Von diesen Plantagen gelangten 1710 mehrere Cremplare nach Europa und wurden hier in botan. Gärten, z. B. in Amsterdam, mit gutem Erfolg kultiviert, sodaß Antoine de Jussieu im J. 1713 der pariser Akademie eine genaue Beschreibung einer Pflanze aus dem amsterdamer bot. Garten geben konnte. Der ersten Anpflanzung in Java folgten bald mehrere Versuche, den K. auch in andern Ländern zu kultivieren; so brachten die Holländer im J. 1718 denselben nach Surinam, die Franzosen 1725 nach Cayenne, 1720 oder 1723 nach Martinique, 1730 nach Guadeloupe und gegen Ende des 18. Jahrh. gehörte der K. schon zu den verbreitetsten Kulturpflanzen innerhalb der Tropen. Der Name Kaffee soll nach Ritter nicht von einem arab. Worte, sondern von dem Namen eines in Ostafrika südlich von Abessinien gelegenen Landes Kaffav (. d.) herkommen, da in dieser Gegend der K. in großen Mengen wild vorkommt. Die Bezeichnung der Samen als „Bohnenv stammt von dem arab. Worte Bunno, nicht von dem deutschen Worte Bohne; in den ersten Beschreibungen wird der Strauch „Bonv und die Samen desselben (Bunay genannt, und in Abessinien heißen sie heute noch (Bouno. Seit neuester Zeit ist neben der Coffea arabica eine andere Art, Coffea liberica Hiern., von England aus zur Kultur empfohlen worden. Vom botan. Garten in Kew sind Pflanzen dieser Art an die engl. Kolonien versandt worden. Die Kultur derselben hat gute Resultate ergeben, die Bohnen sind bedeutend größer als die des gewöhnlichen K. und sollen ein gutes Getränk liefern. Für den Handel hat diese Sorte noch keine große Bedeutung. Die Pflanze ist einheimisch in Liberia, Angola und einigen andern Gegenden der Westküste Afrikas. Litteratur. John Ellis, An historical account of coffeen (Lond. 1774); H. Welter, EEssai sur Thistoire du cafés (Pav. 1868).