Cichorie, die Verzweiflung aller anständigen Kaffeetrinker, da sie sich nur gar zu oft im sträflichen Verkehr mit dem edlen Mocca betreffen läßt, wird aus den gerösteten und grob gepulverten, dann mit Wasser oder Syrup angemachten und in Formen gepreßten langen, weißen, möhrenförmigen Wurzeln der gemeinen Cichorie, Wegewarte, der Hindläufte hergestellt, die zu diesem scheußlichen Zwecke namentlich in Mitteldeutschland, aber auch in Böhmen, in Oesterreich und in Ungarn, in Holland, Belgien und England planmäßig angebaut wird. Wie die Menschheit eigentlich auf dies niederträchtigste aller Kaffee-Surrogate verfallen konnte, bleibt räthselhaft, da der bekannte und gefürchtete Aufguß, vulgo „Cichorienbrühe“, höchstens in der Farbe, sonst aber in absolut keinem Stücke auch nur die entfernteste Aehnlichkeit mit dem Kaffee hat und überdies bei fortgesetztem Genusse nicht blos die Zunge, sondern auch den Magen ruinirt. Als Kaffeeersatz im Großen hergestellt und angepriesen wurde die Cichorie zuerst 1763 durch den braunschweigischen Major v. Hein und den Kaufmann Chr. G. Förster, die die erste Cichorienfabrik in Braunschweig und 1770 eine zweite in Berlin errichteten, aber noch schlechte Geschäfte mit ihrem Fabricate machten. Erst die unselige Continentalsperre half der Cichorienindustrie auf die Beine, die seitdem in Deutschland, namentlich in Magdeburg (Dommerich & Co., J. G. Hauswaldt & Co.), ihren Mittelpunkt hat und 1890 bei einer Einfuhr von 13 000 q aus Frankreich und Belgien 26 000 c9 nach Dänemark, nach der Schweiz und namentlich nach Nordamerika ausführte. Oesterreich deckt seinen Bedarf an Cichorienkaffee selber und exportirt auch noch eine Kleinigkeit (etwa 100 g jährlich). Ein milderes Urtheil als das Kaffee-Surrogat verdient das Cichoriengemüse In Frankreich zieht man die Cichorie im Keller als Wintersalat und bringt die auf diese Weise gewonnenen bleichgrünen Blätter als „Kapuzinerbärte“ auf den Tisch. Eider (franz. eidre), der altdeutsche Name des gegohrenen Obstmostes, wird heute als gemeinschaftliche Bezeichnung der Obstweine gebraucht, die man in der Normandie und in Württemberg hauptsächlich aus Aepfeln („Frankfurter Apfelwein“), in Oberösterreich und Bayern vorzugsweise aus Birnen („Birnmost“) herstellt. Weniger alkoholhaltig und säurereicher als der Traubenwein bildet der Eider namentlich im Sommer ein recht angenehmes und zuträgliches Getränk, das auch Fieberkranken gereicht werden darf. In neuerer Zeit wird er, namentlich der säureärmere Birnmost, vielfach zu Schaumwein verarbeitet.