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HimmelskundeBrockhaus 1882

Kalender, mittellat. Calendarius oder Calendarium, vom altlat. Calendae, womit die Römer den ersten Tag jedes Monats bezeichneten. Da von den Bewegungen der Himmelskörper das Vorhandensein von Licht und Wärme abhängt, so führten diese Bewegungen von selbst sehr früh auf bestimmte Zeiteinteilung. Der Eintritt des Tags und der Nacht waren sicher die ersten Zeitabschnitte, ebenso die abwechselnden Gestalten des Mondes, woraus die 7tägige Woche und ein Monat von 29 oder 30 Tagen entstand. Die Wiederkehr der Jahreszeiten endlich, welche die natürlichen Lebensbeschäftigungen der Menschen, Ackerbau, Viehzucht u. s. w., bedingen, führte zu der entsprechenden Einteilung in Jahre, die sich nach der Sonne richtete. Da das Sonnenjahr aber 12 Mondmonate (ein Mondjahr) und noch etwa 11 Tage mehr hat, so entstand, um das Mondjahr mit dem Sonnenjahr in Übereinstimmung zu bringen, auch bald das System der Einschaltung. Diesem entsprechend lassen sich die K. sämtlicher Völker einteilen in solche mit dem reinen Mondjahr, mit dem reinen Sonnenjahr oder dem gebundenen Mondjahr. Von den Völkern des Altertums hatten jedoch die Agypter ein in Beziehung auf die Jahreszeiten bewegliches, mit dem Mondlaufe in keinem Zusammenhange stehendes Sonnenjahr von 365 Tagen, geteilt in 12 Monate von 30 Tagen, denen noch 5 Ergänzungstage folgten. Weil aber das Sonnenjahr um nahe ½ Tag länger ist, fiel dadurch der Jahresanfang nach und nach in alle Jahreszeiten, und erst nach einer auch den Agyptern bekannten Periode von 1461 Jahren kehrte dieselbe Zeit der Jahreszeit mit dem Jahresanfang wieder. Das Jahr der Juden, ein gebundenes Mondiahr, bestand schon in der ältesten Zeit aus 12 Mondmonaten, wurde aber von Zeit zu Zeit durch einen 13. mit der Sonne ausgeglichen; dasselbe war bei den Syrern, Macedoniern u. s. w. der Fall. Die Griechen rechneten in den ältesten Zeiten nach wahren Mondmonaten, deren 12 ein Jahr ausmachten; in Athen führte Solon etwa 600 3v. Chr. einen regelmäßigen Wechsel von 30⸗ und 29tägigen Monaten ein. Um das so entstehende rmißt, sind unter C aufzusuchen. bürgerliche Jahr von 354 Tagen mit dem Sonnenlaufe auszugleichen, wurde von Zeit zu Zeit ebenfalls ein Schaltmonat hinzugefügt. In Athen geschah dies anfangs so, daß man ein Jahr um das andere einen Monat von 30 Tagen einschaltete. Später wurde ein Zjähriger Scheltkreis eingeführt und in 8 Jahren dreimal ein Monat von 30 Tagen eingeschaltet, sodaß das mittlere Jahr 365 ½¼ Tage hatte. Einen 19jährigen Schaltkreis führte man ein, als der Athener Meton 432 v. Chr. die Entdeckung gemacht hatte, daß 235 Mondmonate fast genau 19 Sonnenjahre geben. Diese hatten 6940 Tage, welche Meton so in Monate einzuteilen wußte, daß sie während des Cyklus mit den Mondwechseln übereinstimmten und die Monatsanfänge mit den Neumonden oder vielmehr mit den Tagen, wo der Mond als schmale Sichel am Abendhimmel sichtbar zu werden anfing, zusammenfielen. Unter den 19 Jahren eines Schaltkreises waren 7 Schaltjahre. Noch gegenwärtig wird der Metonsche 19jährige Cyklus unter dem Namen Mondcirkel in der Chronologie gebraucht. (S. Cyklus, Goldene Zahl.) Genauer noch war die von dem Astronomen Kalippos eingeführte Schaltrechnung, welcher um 330 v. Chr. fand, daß Meton das Jahr um ½e Tag zu lang gerechnet hatte, und eine 76jährige Schaltperiode, bestehend aus 4 Metonschen Perioden weniger einen Tag, vorschlug, sodaß nun das mittlere Jahr wieder genau 365 /½ Tage hatte. Eine noch genauere Schaltrechnung, die Hipparch 130 v. Chr. vorschlug, scheint nicht in Gebrauch gekommen zu sein. Die Römer scheinen zuerst ein Jahr von 10 Monaten gehabt zu haben. Angeblich König Numa führte ein Mondjahr von 355 Tagen und 12 ungleichen Monaten ein, denen von Zeit zu Zeit ein 13. (Schaltmonat) hinzugefügt wurde. Mit der Zeit geriet die röm. Zeitrechnung durch die Unwissenheit und Willkür der Oberpriester, welche sie zu ordnen hatten, in die ärgste Verwirrung, von der sie erst 46 v. Chr. durch Julius Cäsar befreit wurde. Derselbe führte den nach ihm sogenannten Julianischen Kalender ein, wonach das gemeine Jahr 365 Tage hat, jedes vierte Jahr als Schaltjahr aber einen Tag mehr erhält und demnach die mittlere Länge des Jahres 365 ½ Tage beträgt. Cäsar gab den Monaten diejenige Zahl von Tagen, welche sie noch gegenwärtig haben, und setzte den Anfang seines ersten Jahres auf den Neumond nach der Wintersonnenwende (46 v. Chr.), den er als 1. Jan. bezeichnete. Statt der Monatsnamen Quintilis und Sextilis führte der röm. Senat, dem Julius Cäsar und dem Kaiser Augustus zu Ehren, die noch jetzt üblichen Namen Julius und Augustus ein. Den ersten Tag jedes Monats nannten die Römer die Calendae, ferner in den Monaten März, Mai, Juli, Oktober den 7. die Nonae, den 15. die dus, in den übrigen Monaten aber schon den 5. Nonae, den 13. Idus. Von diesen drei ausgezeichneten Monatstagen an wurde nun in der Weise rückwärts datiert, daß der ihnen unmittelbar vorausgehende Tag als solcher (z. B. pridie Calendas), der vorletzte Monatstag als dritter vor den Kalenden des nächsten Monats etc. bezeichnet wurde. Demnach hieß der 2. Jan. der IV. (ante) Nonas Januarii, der 8. März VIII. Idus Martias, der 20. Mai der XIII. Calendas Junias etc. Nachdem die Julianische Einschaltungsmethode, welche auch die Christen ohne Anderung annahmen, über 1600 Jahre beibehalten worden, führte Papst Gregor XIII., vom Tridentiner Konzilium hiermit beauftragt, eine genauere ein, welche die Grundlage des Gregorianischen Kalenders ist, in dem gegen die Julianische Schaltmethode die Abweichung besteht, daß die Jahrhunderte, mit Ausnahme der durch 4 teilbaren, keine Schaltjahre sind. So waren 1700, 1800 keine Schaltjahre, 1900 wird auch keins sein, wohl aber 2000, 2400, 2800 u. s. w. Die Weglassung von 10 Tagen im Okt. 1582 hatte den Zweck, die Frühlingsnachtleiche, welche zur Zeit der Kirchenversammlung zu Nicäa (325 n. Chr.) am 21. März eingetreten war, wieder auf diesen Tag zurückzuführen und bei demselben zu erhalten, was die kirchliche Festrechnung wünschenswert machte, da für das Osterfest die Regel befolgt wurde, es am ersten Sonntage nach dem auf die Frühlingsnachtgleiche folgenden Vollmond zu feiern. Die Frühlingsnachtgleiche wurde aber nicht asteononusch bestimmt, sondern für dieselbe der 21. März angenommen. Hinsichtlich der Einführung des Gregorianischen K. ist zu bemerken, daß derselbe an dem von der päpstl. Bulle dafür festgesetzten Tage nur in Italien, Spanien und Portugal wirklich eingeführt wurde. In Frankreich geschah dies erst zwei Monate später, in dem kath. Teile von Deutschland, den kath. Kantonen der Nelen n und den kath. Niederlanden 1583—85, in Polen 1586, in Ungarn 1587. Die evang. Stände Deutschlands nahmen den verbesserten K. nach langem Widerstreben erst 1700 an, wo sie elf Tage ausließen und vom 18. Febr. sogleich zum 1. März übergingen. Gleichzeitig thaten dies Dänemark und die Niederlande, im folgenden Jahre die evang. Kantone der Schweiz, welche das 18. Jahrh. gleich mit dem 12. Jan. 1701 anfingen. In England führte man den Gregorianischen K. erst 1752 ein, indem man von dem 2. auf den 14. Sept. überging; zugleich fing man dort von nun an das Jahr nicht mehr, wie bisher, am 25. März, sondern am 1. Jan. an. Das letzte Land, welches den verbesserten K. annahm, war Schweden, das 1753 nach dem 17. Febr. den 1. März zählte. Die Russen und überhaupt die Belenner der nicht unierten griech. Kirche sind bei dem Julianischen K. (Alter Stil) geblieben und daher hinter den übrigen Europäern seit 1700 um 11, seit 1800 um 12 Tage zurück, die sich 1900 auf 13, 2100 auf 14 Tage vermehren werden. Hinsichtlich der Bestimmung des Osterfestes bestand lange noch eine Verschiedenheit zwischen den Katholiken und Protestanten. Auch diese wurde 1775 auf Antrag Friedrichs II. von Preußen beseitigt, und der protestantische K. weicht seitdem von dem katholischen nur in den Benennungen der Sonntage und andern unwesentlichen Punkten ab. Vgl. Kaltenbrunner, «Die Vorgeschichte der Gregorian. Kalenderreformo (Wien 1876), Die Polemik über die Gregorian. Kalenderreformy (Wien 1877), »Beiträge zur Geschichte der Gregorian. Kalenderreformo (Wien 1880). Der jüdische Kalender ist sehr verwickelt. Der Monat der Juden ist, wie erwähnt, ein Mondmonat und entweder voll oder mangelhaft, je nachdem er 30 oder 29 Tage hat. Das gemeine Jahr — 12 Monate; die Namen derselben sind: Tischri, archesvan, Kislev, Tebeth, Schebat, Adar, Nisan, Jjar, Sivan, Thamuz, Ab und Elul. Um das Jahr mit der Sonne auszugleichen, wird von Zeit zu Zeit noch ein 13. Monat eingeschaltet, der mißt, sind unter C aufzusuchen. auf den Adar . Veadar, d. i. zweiter Adar, genannt wird. Der Schaltkreis umfaßt 19 Jahre, worunter 7, nämlich das 3., 6., 8., 11., 14., 17. und 19. Schaltjahre sind. Das mittlere oder regelmäßige Gemeinjahr hat 354 Tage; die ungera-i den Monate haben 30, die geraden 29 Tage. Das mittlere oder regelmäßige Schaltjahr hat 384 Tage; der lerste) Adar hat in demselben 30 Tage, der i Veadar nur 29. Ein überzähliges Gemein⸗ oder Schaltjahr hat einen Tag mehr, ein mangelhaftes einen Tag weniger als mittleres; in jenem hat der Marchesvan 30, in diesem der Kislev 29 Tage. Hiernach haben die Juden nicht weniger als sechs verschiedene Jahre von 353, 354, 355, 383, 384, 385 Tagen. Die Mohammedaner haben ein reines Mondjahr, das sich gar nicht nach dem Sonnenjahre richtet. Sie haben einen Cyklus von 30 Jahren, in denen 11, nämlich das 2., 5. 7., 10., 13., 15., 18., 21., 24., 26. und 29., Schaltjahre zu 355 Tagen, die andern Gemeinjahre zu 354 Tagen sind. Ihre 12 Monate heißen: Moharrem, Safer, Rebi-ul-ewel, Rebi-ul-achir, Dschemasi⸗ ul-ewel, Dschemasi-ul-achir, Redscheb, Schaban, Ramadan, Schewal, Silkide und Silhidsche. Von diesen haben die ungeraden 29, die geraden 30 Tage, nur in Schaltjahren hat der letzte Monat 30 Tage. Die Epoche der mohammed. ÄAra, Ära der Hedschra (Hegira), ist nach den arab. Astronomen der Abend des 15., nach dem bürgerlichen Gebrauch der 16. Juli des J. 622 n. Chr. Der französisch-republikanische Kalender, den der Nationalkonvent durch Dekret vom 5. Okt. 1793 einführte, nahm als Grenze oder Epoche der neuen Jahresrechnung die Herbstnachtgleiche des J. 1792, genauer die Mitternacht, mit welcher dieser Tag anfing. Jedes folgende Jahr sollte gleichfalls mit der der wahren Herbstnachtgleiche vorausgehenden Mitternacht beginnen. Das Jahr bestand im Anschluß an den altägyptischen K. aus 12 Monaten, jeder zu 30 Tagen; zur Ergänzung desselben hing man am Ende 5 und in den Schaltjahren 6 Tage an. Statt der Wochen wurde jeder Monat in drei Teile oder Dekaden zu 10 Tagen eingeteilt. Die Namen der Monate wurden so gewählt, daß sie durch ihre Ableitung die Jahreszeit bezeichneten. Sie waren für den Herbst, vom 22. Sept. bis 22. Dez.: Vendémiaire (Weinlesemonat), Brumaire (Rebelmonat) und Erimaire (Reifmonat); für den Winter, vom 21. Dez. bis 20. März: Nivôse (Schneemonat), Pluviose (Regenmonat) und Ventöse (Windmonat); für den Frühling, vom 21. März bis 18. Juni: Germinal Geimmonat), Floréêal (Blütenmonat) und Prairial (Wiesenmonat); für den Sommer, vom 19. Juni bis 17. Sept.: Messidor (Erntemonat), Thermidor (Hitzemonat) und Eructidor (Fruchtmonat). Hieran schlossen sich die Ergänzungstage (ours complémentaires oder sansculottides), von denen der erste (17. Sept.) la féte du génie, der zweite la feté du travail, der dritte la féte des actions, der vierte la fete des rcompenses und der fünfte (20. Sept.) la féte de Lopinion hieß. Die 10 Tage jeder Dekade hießen: Primidi, Duodi, Tridi, Quar. tidi, Quintidi, Sextidi, Septidi, Octidi, Nonidi und Decadi, der Ruhetag. übrigens hatte jeder Tag im Jahre seinen besondern Namen, der aber nicht von einem Heiligen, sondern von der Okonomie hergenommen und der Zeit, in welche der Tag fiel, angemessen war. Auf Befehl Napoleons und durch ein Senatsdekret vom 9. Sept. 1805 wurde dieser republikanische K. aufgehoben und 1. Jan. 1806 wieder der Gregorianische in ganz Frankreich eingeführt. über die Zeichen, welche in den K. vorzukommen pflegen, s. Astronomische Zeichen, Tierkreis und Aspekten. liber die Zeitrechnung der alten Völker ist noch immer Idelers Handbuch der mathem. und technischen Chronologie (2 Bde., Berl. 1825; neuer Abdruck, Bresl. 1883) das beste Werk; über die Zeitrechnung der Hellenen, Römer u. s. w. haben Böckh, Mommsen, Hartmann u. a. gute Werke geschrieben. (S. Chronologie.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 21Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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