FeedKamenez-Podolski
ErdkundeBrockhaus 1882

Kamenez-Podolski, Hauptstadt des russ. Gouvernements Podolien, mit (1882) 22611 C., zerfällt in die Ober⸗ und die Unterstadt. Erstere liegt höchst malerisch auf einer steilen, von dem Flüßchen Smotritsch gebildeten Halbinsel und enthält das alte Schloß und die übrigen, zur frühern Festung gehörigen Gebäude, die indes meist demoliert sind; letztere im Thale an beiden Ufern des Smotritsch, der sich unfern von hier mit dem Dnjestr verbindet. Nur die untere Stadt enthält einige freundliche Straßen; die obere Stadt dagegen ist eng und winkelig gebaut. Die Bevölkerung ist sehr gemischt. Neben Bekennern der russ. Kirche befinden sich hier viele Katholiken, Armenier, einige Cvangelische und eine große Anzahl Juden, die fast die Hälfte der ganzen Bevölkerung ausmachen. K. ist Sitz eines Civilgouverneurs, des griech. Erzbischofs von Podolien und Brazlaw und eines kath. Bischofs, früher auch eines armenischen. Es hat ein Gymnasium, ein griech.⸗orthodoxes und ein kath. Seminar, eine Pfarrschule, zwei jüd. Kreisschulen, ein Theater, ein Mönchskloster und zwei Nonnenklöster, 73 russ., 5 kath. und eine armen. Kirche, eine Synagoge und 16 Fabriken. K. war ehemals eine Hauptfestung Polens und wird von den russ. Chroniken schon am Ende des 12. Jahrh. erwähnt. Vergebens belagerten es 1621 die Türken, mit denen hier die Polen 17. Dez. 1653 Frieden schlossen. Durch Nikolai Potocky wurde es 1672 an Mohammed IV. übergeben und blieb nun bis 1699 in der Gewalt der Türken, während welcher Zeit es mehrmals von den Polen belagert wurde. K. kam 17⁰⁵ an Rußland und wurde zur Hauptstadt der Podolischen Statthalterschaft, 1796 zur Gouvernementsstadt erhoben.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 49Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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