Kamtschatka, eine große Halbinsel im äußersten Nordosten Asiens, die 1696 durch Kosaken der russ. Krone unterworfen wurde, ist 270000 akm groß, 1350 km lang, 225 —450 km breit und im O. vom Berings⸗ oder Kamtschatkischen Meere, im W. vom Ochotskischen Meere umgeben. K. erstreckt sich von RNO. gegen SSW. Die südlichste Spitze der Halbinsel ist das Kap Lopatka unter nördl. Br. und 154˙ 22“ östl. L. K. ist von hohen Gebirgen durchzogen, deren höchste Spitzen sich zwischen dem 53. und 54.“ nördl. Br. befinden. Hier teilt sich der Gebirgsrücken in zwei Arme; der östliche läuft parallel mit dem Meeresufer nach Rorden und fällt in steilen Felsgruppen ins Beringsmeer; der westliche ist niedriger und nimmt gegen das Ochotskische Meer hin ab. In geognost. Hinsicht ist K. durch die vulkanische Thätigkeit seines Bodens bemerkenswert, die sich vom 62.5 nördl. Br. an durch das Hervortreten von 21 heißen Quellen äußert, in denen das Wasser nicht selten die Temperatur von 85 R. erreicht. Zwischen dem 58. und 57.“ finden sich die ersten, jetzt bereits erloschenen Vulkane; vom 57. nördl. Br. an bis zur Südspitze der Halbinsel ist das ganze östl. Ufer sehr reich an teils noch thätigen (12), teils erloschenen (26) Vulkanen. Unter den erstern sind die höchsten die Kljutschewskaja Sopka, 4804 müber dem Meeresspiegel, dessen letzte Eruption 1854 stattfand, und der Schiweljutsch, 3215 m hoch. Die Westseite der Halbinsel ist flacher und nur von niedrigen Berg- und Hügelreihen durchzogen. Unter den mineralischen Formationen sind die vulkanischen, wie Basalt, Mandelstein, Trachyt u. a., die vorwaltendsten. Auch Kupfer, Magneteisenstein, Braunkohle und Bernstein finden sich in großer Menge vor. Heftige Erdbeben sind häufig. K. ist von zahlreichen Flüssen durchströmt, von denen der bedeutendste, die Kamtschatka, welche die Halbinsel in einem großen Teile ihrer Länge durchfließt. An ihren Ufern liegen die fruchtbaren, für Ackerbau geeigneten Landstriche, wo man Hafer, Gerste, Roggen, Kartoffeln und Gemüse baut, während sich das übrige Land für die Bodenkultur nicht eignet. Das Klima ist strenger, als dies nach der Lage K.s zu erwarten wäre; der Winter währt neun Monate. Die mittlere Temperatur der drei Sommermonate übersteigt nicht 10“, während im Winter das Quecksilber häufig gefriert. Milder ist es nur in den Gebirgsthälern. Die Vegetation ist da überall sehr üppig, wo der Boden vulkanischer Natur ist. Die Berge und Ebenen sind mit Wäldern von Birken, Zürbelkiefern (Pinus cembra), Erlen, Cedern und Lärchenbäumen bestanden, welche letztern ein vortreffliches Schiffbauholz liefern. Im nördlichsten Teile der Halbinsel ist der Boden nur mit Renntiermoos bedeckt. Die Gewässer sind ungemein reich an Fischen, besonders Lachsen (Salmo Lycaoon), das Meer an Walen, Robben, Kabeljaus, Heringen und Wasservögeln. Von Säugetieren gibt es namentlich schwarze Bären, wilde Renntiere, Wölfe, Füchse, Ottern, Zobel, Hermeline, Hasen, Murmeltiere, wilde Schafe und eine ganz besondere Art von Hunden, die, wenig verschieden vom Wolfe, zum Ziehen der Schlitten gebraucht werden. Die eingeborene Bevölkerung sind die Kamtschadalen, die sich selbst Kroschscha, d. h. Menschen, nennen, die Korjäken und die Lamuten. Die Zahl derselben beträgt ungefähr 8000. Die Dörfer bestehen meistenteils nur aus einigen Gehöften. Die früher befestigten Plätze Tigiljsk, Boljscherjezt und Nischne-Kamtschatsk dienen jetzt als Aufenthaltsorte der Kosaken, die von hier aus die Abgaben (Jassal) eintreiben. Die herrschende Religion ist die griechisch-orthodoxre; nur einige Korjäken⸗ und Tschuktschenstämme huldigen noch dem Schamanendienste. Die Eingeborenen handeln von den Kaufleuten aus Petropawlowsk und Gishig Tabak, Thee, Zucker, Mehl, kupferne Kessel, Flinten und Pulver gegen Pelzwerk und Fische ein. Die Russen nahmen K. Ende des 17. Jahrh. in Besitz. Im J. 1696 gründete Wladimir Atlassow mit einer kleinen Schar von Kosaken aus Anadyr die Stadt Nischne-Kamtschatsk und Robelew 1704 Bolischerjezk. Seit 1760 wurde K. durch Marineoffiziere von Ochotsk aus verwaltet. Im J. 1803 wurde es zu einem besondern Administrationsbezirk erhoben, der 1812 dem Marineministerium untergeordnet wurde. Der Sitz der Regierung befand sich zuerst in Nischne-Kamtschatsk, dann in Bolischerjezk und zuletzt in Petropawlowsk (s. d.). Seit 1855 wurde K. dem Seedistrikt zugezählt, der in mißt, sind unter C aufzusuchen. Nikolajewsk seine Administration hat. Zu den bedeutendsten Reisen, die im 19. Jahrh. hierher gemacht wurden, gehören die von Krusenstern, Kotzebue, Lütke und Erman.