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ErdkundeBrockhaus 1882

Krim oder Krym eine Halbinsel Südrußlands, die den wichtigsten Teil des Gouvernements Taurien (s. d.) bildet und auch als Halbinsel Taurien bezeichnet wird. Die K. hängt nur durch die sehr schmale Landenge von Perekop zwischen dem Schwarzen und Asowschen Meere, welche beiden Meere durch die Straße von Kertsch in Verbindung stehen, mit dem übrigen Festlande zusammen. Bei einem Areal von 25 726,7 qkm beträgt ihre Küstenlänge 1050 km, sodaß die K. noch die griech. Halbinsel Morea an Küstenentwickelung übertrifft. An der Meerenge von Kertsch, gegenüber den äußersten Vorhöhen des Kaukasus, erhebt sich das Taurische Bergland, welches unter dem Namen Jailä, d. h. Alpengebirge, steil aus dem Meere aufsteigt, die ganze Südküste umwallt und sich nordwärts in mehrern reichbewaldeten und durch anmutige Thäler getrennten Parallelketten verbreitet, bis es sich mit sanften Vorhöhen in den einförmigen Steppenflächen verliert, welche den bei weitem größten Teil der Halbinsel einnehmen. Die südlichste Kette ist die höchste und hat ihren Kulminationspunkt in dem 1523 m hohen Tschadyrdagh, d. h. der Zeltberg (Mons Trapezus der Alten). Dem gebirgigen Süden verdankt die K. den Ruf eines der schönsten und pittoreskesten Länder der Erde. Reichlichen Ertrag gibt die Bestellung der Acker an Getreide, Hirse und Tabak, sowie die Kultur der Weinreben, die namentlich bei Sudak und Koos vortrefflichen Wein, überall die köstlichsten Tafeltrauben liefern. In den Gärten zieht man Apfel, Birnen, Pflaumen, Aprikosen, Pfirsiche, Melonen, Arbusen, die feinsten Gemüse, Feigen, Mandeln, Granaten und selbst Orangen, die Blumen aller Zonen, Myrten und Cypressen, wie man sie selbst in Andalusien nicht findet. Nuß⸗ und Maulbeerbäume sind sehr gewöhnlich. Neben diesem Acker⸗, Garten⸗, Wein⸗ und Obstbau, verbunden mit dem reichlichen Gewinn von Honig, Wachs und Seide, ist auch die Rindvieh⸗, Pferde⸗ und Schafzucht ereblich, und namentlich verdienen die sehr beliebten rausen Lämmerfelle von glänzend grauer und schwarzer Farbe Erwähnung, welche unter dem Namen der Merluschki oder krimschen Baranken im Handel bekannt sind. 2194 Der nördl. Teil der K. ist eine öde und traurige Steppenlandschaft, eine Fortsetzung der Nogaischen Steppe, wasser⸗ und holzarm, größtenteils mit magerm, zum Ackerbau untauglichem Boden und zahlreichen Salzgründen und Salzseen, die durch ihre Ausdünstung die Luft verderben. Letzteres gilt namentlich auch von dem sog. Faulen Meere oder Siwasch, einem Teile des Asowschen Meers. Die Hauptstadt der K. ist Simferopol (s.d.). Die ältesten Bewohner der K. waren die Taurier. Im 6. Jahrh. v. Chr. siedelten die Griechen Kolonien auf der Südküste an (in Pantikapäum und Theodosia). Das von Pharnaces gebildete Bosporanische Königreich stand unter röm. Oberhoheit und kam bei der Teilung des Römischen Reichs zum oström. Kaiserreich. In byzant. Zeit bildeten die Besitzungen der Gothia an der Südküste das Thema Cherson oder Gothia (nach den tetraxitischen Goten im Gebirge), während das innere Steppenland im 5. und 6. Jahrh. von den hunnischen Stämmen der Cuturguri und Ultziagiri, seit dem 7. Jahrh. von den Chasaren besetzt war. Im 13. Jahrh. wurde Taurien von den Tataren erobert, unter denen die K. bis 1441 zum Chanat Kiptschak (s. d.) gehörte; 966 1441 bildete das Land den Hauptbestandteil es Chanats der K., welches Sultan Mohammed II. 1475 unter die Oberhoheit der Pforte brachte. Im 13. Jahrh. gründeten hier die Genuesen viele Handelsniederlassungen, deren Mittelpunkt Kaffa (seit 1266) war. Im J. 1783 wurde die K. vollständig den Russen unterworfen und 1784 daraus das Taurische Gebiet gebildet, das 1802 in das Taurische Gouvernement umgewandelt wurde. Vgl. Remy, «Die K. in ethnogr., landwirtschaftlicher und hygienischer Beziehung » (Lpz. 1872); Telfer, KThe Crimea and Transcaucasiao (2 Bde., Lond. 1876); Ssonogoroff, «Führer durch die K.» (russisch, 2. Aufl., Odessa 1880). — über den sog. Krimkrieg s. Orientkrieg.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 619Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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