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ErdkundeBrockhaus 1882

Crivoscie (spr. Kriwöschije) heißt das nördlich in den Bocche di Cattaro zwischen Montenegro und der Suttorina gelegene, wilde und von 3700 Seelen bewohnte Bergland des südl. Dalmatien (. d.), dessen größte Längenausdehnung von SW. nach NSO. 24 km beträgt. Der ganze Raum ist von den Ausläufern der Dinarischen Alpen erfüllt, von einer breiten urschrosse mit steil abfallenden Rändern, welche mit schroffen, fast unersteigbaren Felswänden ur Küste abstürzt. Die C. ist unwegsam, auch fehlt sast allenthalben Holz und Wasser, und nur auf einzelnen, gegen die rauhen Winde geschützten Stellen der sonst mit Steingeröll erfüllten Felsthäler findet sich organisches Leben. Die Schluchten sind kurz und durch tiefe Kessel unterbrochen, die Hochflächen kahl und zerklüftet. Nur wenige für Saumtiere brauchbare Pfade verbinden die einzelnen Dörfer; im westl. Teile, zunächst der herzegowin. Grenze fehlen solche gänzlich. Eine einzige, aber ebenfalls fehr beschweriche Militärstraße führt jetzt von Risano über die befestigten Posten von Ledenice und Erkvice nach Fort Dragalj. Das Land ist arm an Erzeugnissen, der magere Boden und die fast immer trockene Luft machen den Getreidebau wenig ergiebig, der Mangel an Wiesen verbietet die Zucht von Rindvieh, doch werden Schafe und Ziegen gehalten. Im Winter ermißt, sind unter K aufzusuchen. gibt es auf den Gebirgen viel Schnee und Eis, auch machen alsdann heftige Stürme und Sciroccalregen den Aufenthalt im Freien unerträglich für Menschen und Tiere, ebenso fehlt es allenthalben an Holz. Im Sommer sind die Nächte kühl, die Tage tropisch heiß und Niederschläge selten; dann herrscht sast stets empfindlicher Wassermangel. Die Bewohner sind montenegrin. Stammes und durchaus unbotmäßig; sie widersetzten sich 1869 gewaltsam der von der österr. Regierung angeordneten Aushebung, weil dies gegen die bei 3 Priviheoit der C. (1814) von Österreich garantierten Privilegien war, und konnten damals nicht durch Waffengewalt unterworfen werden. Der Aufstand wurde nur durch ein Kompromiß beendet, nachdem man sich überzeugt hatte, daß die militärische Besetzung der C. wegen der geschilderten Naturverhältnisse nur mit unverhältnismäßig großen Opfern an Geld und Menschen erreicht werden könne. Im Dez. 1881 brach, veranlaßt durch den erneuten Versuch, die Bewohner der C. zum Dienste in der Landwehr heranzuziehen, abermals ein Aufstand aus, welcher sich schnell nach der Herzegowina und Bosnien verbreitete, jedoch, allerdings erst nach mehrmonatlichen Kämpfen und der Aufbietung einer sehr bedeutenden Truppenmacht, von Feldmarschalllieutenant Baron Jovanovieé unterdrückt wurde, nachdem die von Risano aus anrückenden Truppen sich kämpfend die obenerwähnte Militärstraße nach Dragalj gebaut. Die Truppen hatten außerordentliche Strapazen zu ertragen; doch waren alle Vorbereitungen für ihre Ausrüstung und Verpflegung diesmal so umsichtig getroffen, daß ihre Verluste nur gering waren. Die Führung vermied es geschickt, die von den Aufständischen besetzten Engpässe in der Front anzugreifen, sondern bemächtigte sich derselben durch Nebenkolonnen, welche dann mehrfach sehr überraschend im Rücken der sich sicher wähnenden Banden erschienen. Gegen Ende des Januar 1882 war das im Aufstande begriffene Gebiet der C., Suttorina, Herzegowina und des südl. Bosnien von jeglicher Verbindung mit dalmatinischen Küstenplätzen abgeschnitten und die Straße von Ragusa nach Trebinje im gesicherten Besitze der österr. Truppen; sonst waren außerhalb der mit Garnisonen belegten Orte alle Bande der Zucht und Ordnung gelöst. Die Hauptmasse der Aufständischen stand in der C. bei Ubli und Ledenice, in der Herzegowina bei Foca; deren Kühnheit war gewachsen und täglich fanden Gefechte statt, so namentlich 2. bis 4. Febr. bei Foka. Baron Jovanovie eröffnete deshalb am 9. Febr. die Operationen in der C. und am 14. Febr. in der Heregowina, den Insurgenten fehlte eine einheitliche FJührung, überdies war ihre Zahl eine beschränkte. Um Mitte Februar standen 1200 Aufständische unter Tungus und Salkoforta bei Ulok im obern Narentathale, 300 unweit der bosn. Grenze auf der Krbliina, 300 gegen Mostar auf dem Zimje Polje, 600 unter Stojan Kovacevié bei Foka und 200 bei Korito. In der C. waren 700 Aufständische. Gegen Ledenice und Oraovac wurde 9. Febr. ein kräftiger Schlag geführt. Drei Bataillone nebst einigen Berggeschhen erstiegen von Risano und Liuta Arie unterstützt durch das ond uohmen dreier nund Ora die Felshänge und nahmen Ledenice und Oraovac, wobei die Aufständischen 58 Mann verloren. Das Gewonnene wurde besestigt und besetzt. Dann arbeiteten die österr. Truppen während des Februar an der Verbesserung der Wege und Anlage befestigter Posten. Am 9. März 1882 begann der Vormarsch mehrerer Kolonnen, welche unter beständigem Gesecht von Ledenice gegen Crkvice und von Morinje gegen Ubli vordrangen. Das Schwerste, die Forcierung der Engpässe von Napoda und Lupoglav stand noch bevor, als General Kober unerwartet die Entscheidung brachte, indem er eine Brigade von Trebinje aus über den schneebedeckten Orijen klettern ließ, und auf diese Art auf dem Hochplateau von Dragalj im Rücken der Insurgenten erschien. Dragali war von den Aufständischen gleich zu Beginn der Empörung in Besitz genommen und als Depotplatz für Munition und Verpflegung eingerichtet worden. Am 10. März wurde es von den österr. Truppen kampflos besetzt und gesprengt; die Aufständischen, 430 Mann, setzten sich in der unzugänglichen Matija Stopa fest. Die Truppen erbauten befestigte Posten und richteten den Sicherheitsdienst an der Grenze ein. Nach Niederwerfung des Aufstandes in der Herzegowina zogen sich die Crivosijaner nach Montenegro zurück. Sie sollen in den Distrikten Kolasin undPodgorica angesiedelt werden. Ernagora (serb., spr. Zrn—, russ. COernagora, d. i. der schwarze Berg), der einheimische, serbische Name des Fürstentums Montenegro. Crnogorze „serb. Crnogorac), ein Montenegriner. Ernojevié (spr. Zrnojewitsch, Arsenije), serb. Patriarch zu Ipek im 17. Jahrh., geb. in Montenegro, unterstützte mit Georg Brankovié Ssterreich in seinen Kriegen gegen die Türken und siedelte, um türk. Repressalien zu entgehen, 1690 auf Veranlassung Kaiser Leopolds I. mit 40000 serb. Familien in das Gebiet zwischen Donau und Theiß über, wo die Einwanderer nationale Rechte und Privilegien 1 Wepdli und den Grund zu der jetzigen serbischen Bevölkerung in Südungarn legten. C. starb 1706 in Wien; sein Leichnam wurde ins Kloster Kruschedol in Syrmien übergeführt.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 4, S. 679Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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