Kaninchen (Lepus cuniculus), ein zur Gattung der Hasen gehöriges Nagetier, welches sich von dem Hasen, dem es im wilden Zustande in der Färbung sehr ähnlich, dadurch unterscheidet, daß die Hinterbeine weniger lang und die Ohren kürzer als der Kopf und ohne schwarze Spitze sind. Das K. lebt sehr gesellig in zahlreichen Kolonien und gräbt in sandigen oder lehmigen Abhängen Höhlen oder Baue mit mehrern langen Zugängen. Es findet sich in Süd⸗ und Westeuropa und verwildert in sehr vielen Gegenden Süd- und Mitteleuropas, auch auf Madeira, Jamaica und auf Falkland; an den drei letzten Lokalitäten hat es neue stabile, von der Stammart sehr abweichende Rassen gebildet. Häufig wird es gezähmt gehalten, und dann ist seine Fruchtbarkeit außerordentlich groß; denn das Weibchen, schon mit dem sechsten Monat ausgewachsen, wirft (setzt) in einem Sommer vier- oder fünfmal vier bis sechs Junge. Als Wildbret und seines Pelzes wegen, sowie wegen des Schadens, den es durch Graben und Benagen wirtschaftlicher Pflanzungen anrichtet, wird es gejagt. Eine besondere Art der Kaninchenjagd ist die mit dem Frett 6 d.). Das zahme K. kommt in mancherlei Farden, auch weiß mit roten Augen vor. Eine Abart ist das angorische K. oder der Seidenhase, mit langem Seidenhaar, von dem es eine Varietät mit langen hängenden Ohren, das lappohrige K., gibt. Das zahme K. läßt sich auch mästen, und obwohl sein Fleisch weichlich ist, so liefert doch allein Ostende jährlich viele hunderttausend Stück nach London. Die Haare des zahmen K. werden besonders von den Hutmachern benutzt. Durch Kreuzung mit dem Hasen hat man neuerdings eine eigene Bastardrasse erzeugt, die man Leporiden genannt. Die Züchtung des K. hat sich jetzt von Frankreich aus stets weiter verbreitet.