Kanodsch, auch Kunnoj oder Kannaudsch, großartige Ruinenstadt, unter 27 3 nördl. Br. und 79˙ 59“ östl. L. von Greenwich, im Distrikt Farakabad der Division Agra der brit.⸗ind. Lieutenantgouverneurschaft der Nordwest-Provinzen, an dem Flusse Kali Naddi, der sich 5 Km unterhalb von K. in den Ganges ergießt. K. ist eine der ältesten. Städte in Indien. Die höchsten Verfall zeigenden Schutthaufen von frühern Bauwerken nehmen einen Raum ein, der so groß geschätzt wird als der, worauf London steht. Aus diesen Ruinen raler zwei verhältnismäßig wohl erhaltene Mausoeen mohammed. Herrscher hervor. Zur Zeit seiner höchsten Blüte, während der Regierungszeit von Chosroes Parviz, Königs von Persien um 590 n. Chr., sollen aus K. allein 30000 geharnischte Reiter, 300000 Mann Infanterie, 200000 Bogenschützen und eine große Schar Kriegselefanten in as Feld haben rücken können. K. zählt (1872) noch 17 093 E. in elenden Hütten. ter schmaler, langer Kahn wilder Völker. Kauon (grch.), d. i. Maßstab oder Richtschnur, Errer in der Kirchensprache die Sammlung heiiger Bücher, welche die Regel des christl. Glaubens und Lebens enthalten. Das Ansehen dieser Bücher gründete man darauf, daß man ihren Inhalt als von Gott eingegeben (s. Inspiration) betrachtete, im Gegensatze zu den Apokryphen (s. d.). Der ganze K. der Heiligen Schrift zerfällt in den K. des Alten Testaments und des Neuen Testaments. Nach der jüd. Tradition soll der K. des Alten Testaments kurz nach dem Babylonischen Eril durch Esra, mit Hilfe von 120 jüd. Gelehrten, die sich unter ihm in Jerusalem versammelt hatten (die große Synagoge), entstanden sein. Aber damals waren eine Reihe von Schriften des K. noch gar nicht geschrieben. Eingehendere Forschungen haben zu dem Ergebnis geführt, daß der K. des Alten Testaments sehr allmählich entstand und erst im makkabäischen Zeitalter seine gegenwärtige Gestalt erhielt. Der Prolog zum Buche Jesus Sirach (etwa 130 v. Chr.) führt ihn zuerst als abgeschlossen an. Das Ansehen einiger Schriften, wie des Predigers Salomo und des Buches Esther, blieb jedoch auch noch lange nachher bei den Rabbinen streitig. Was die Zahl der kanonischen Bücher betrifft, so belief sie sich ursprünglich auf 22 Schriften, die man später in 24 zerlegte; daher nennen auch die Diech den K. des Alten Testaments: die 24 Bücher. Christen zählen indessen etwas anders, nämlich 31 besondere Werke, von denen einzelne noch in me Bücher zerfallen. Die ersten christl. Lehrer nahmen den Kanon des Alten Testaments so an, wie sie ihn bei den Juden vorgefunden. Da sie sich aber an die griech. Übersetzung (die Septuaginta) hielten, in welcher noch eine Reihe im hebräischen K. fehlender, meist ursprünglich griechisch verfaßter Bücher Eingang gefunden hatten, so war namentlich über das Ansehen der letztern Streit. Melito von Sardes schließt sie aus, ebenso wie das Buch Esther. Origenes, welcher 22 kanonische Bücher zählt, nahm nur die griech. Zusätze zu den im hebräischen K. enthaltenen Schriften (Buch Baruch, Brief des Jeremias, Stücke in Esther und Stücke in Daniel) an, benutzte aber auch die übrigen Apokryphen. Dieselben Grundsätze blieben in der griech. Kirche herrschend und erhielten auf dem Konzil zu Laodicea (363) öffentliche Sanktion. Man nahm also nur die im hebräischen K. enthaltenen Bücher an, aber in der Textgestalt, welche sie in der Septuaginta haben, also mit den griech. Zusätzen, doch mit Ausschluß der übrigen Apokryphen. Dagegen war die lat. Kirche zu der Anerkennung der letztern frühzeitig geneigt. Nachdem man auf dem Konzil zu Hippo (393) das Lesen derselben empfohlen hatte, suchte man auf dem Konzil zu Karthago (397) den Unterschied zwischen beiden Teilen ganz aufzuheben und stellte selbst die Bücher der Weisheit, Sirach, Tobiä, Judith und der Malkabäer in den K. Darauf führte ein abermaliges Konzil zu Karthago (419) alle Apokryphen als kanonische Bücher auf. Nur Hieronymus hielt den Unterschied zwischen beiden Teilen fest und bestimmte die Zahl der kanonischen Bücher, als bibliotheca divina, auf 22. Auch in der folgenden Zeit und das ganze Mittelalter hindurch regten sich gelegentliche Bedenken gegen die Gleichstellung der Apokryphen mit den übrigen kanonischen Büchern. Während aber dann die prot. Kirche nur die hebräisch geschriebenen Schriften als kanonische anerkannte, bezeichnete das Konzil von Trient in der vierten Sitzung auch die Apokryphen als kanonische Bücher. Spätere kath. Gelehrte suchten diese Bestimmung mißt, sind unter C aufzusuchen. dadurch zu mildern, daß sie einen doppelten K. des Alten Testaments annahmen. Den einen bezeichneten sie mit dem Ausdrucke: protokanonische Bücher, d. h. die wirklich und allgemein als echt anerkannten Bücher, den andern mit dem Ausdrucke: deuterokanonische Bücher, die man nicht allgemein als echt anerkannte und jenen an Wert und Ansehen nachstellte. Zu diesem Teile zählten sie die Apokryphen. Der Kanon des Neuen Testaments schloß sich allmählich von dem Ende des 2. bis zum 4. Jahrh. ab; doch blieben die Ansichten über Wert und Ansehen einzelner Bücher auch nachmals geteilt. Die erste Sammlung, von der wir Kunde haben, die des Gnostikers Marcion umfaßte eine eigentümliche Bearbeitung des Lukas-Cvangeliums und 10 Paulinische Briefe. Die Einteilung des Marcion in Euangelion und Apostolos blieb auch nachmals üblich, als man mehrere Evangelienschriften und Briefe mehrerer Apostel anerkannte. Bis um die Mitte des 2. Jahrh. fehlte der Begriff eines neutestamentlichen K. noch ganz, daher auch die in kirchlichem Gebrauche befindlichen Schriften, namentlich die Evangelien, ziemlich frei benutzt und mannigfaltig überarbeitet, zum Teil sogar überhaupt erst unter apostolischem Namen verfaßt und in Umlauf gesetzt wurden. Das Bedürfnis einer kirchlich anerkannten Sammlung neutestamentlicher Schriften stellte sich erst in der Zeit heraus, als im Gegensatz zu den gnostischen Parteien der Begriff der kath. Kirche sich bildete und eine Fixierung der kath. Tradition gegenüber den Häretikern notwendig wurde. Aufnahme in den K. fanden außer den Evangelien, welche adie Worte des Herrno enthielten, nur Schriften die man für apostolische hielt. Um 180 stand dem Irenäus (s. d.) die Vierzahl der Evangelien bereits fest. Von den Briefen waren zu Ende des 2. Jahrh. 13 Paulinische, der erste Brief Petri und der erste Brief des Johannes und außerdem die mit dem Lukas-Evangelium als ein Werk Lanmt. Cusebius Apostelgeschichte allgemein anerannt. Eusebius bezeichnet daher in seiner um 325 eschriebenen Kirchengeschichte diese Schriften (einshließlich der vier Evangelien) als Homologumena, d. h. allgemein angenommene. Dagegen rechnet er die übrigen sog. Katholischen Briefe (s. d.), nämlich den zweiten Brief Petri, den zweiten und dritten des Johannes, den des Judas und den des Jakobus, unter die Antilegomena, d. h. nicht in allen Kirchen angenommenen. Auch die Apokalyypse gehörte im Morgenlande zu den Antilegomenen, woegen im Abendlande die kirchliche Anerkennung des Hebräerbriefs streitig blieb. Doch gab das Abendland seit dem 4. Jahrh. seinen Widerspruch gegen den Hebräerbrief auf, und auch die morgenländ. Kirche nahm gegen Ende des 4. Jahrh. zuerst die Katholischen Briefe, danach allmählich auch die Apokalypse an. Die kath. Kirche bestätigte den K. des Neuen Testaments in der erwähnten vierten Sitzung zu Trient. Die Reformationszeit nahm jedoch die Unterscheidung der Homologumena und Antilegomena wieder auf. Luther verwies die letztern in seiner Bibelübersetzung in den Anhang, und die ältern luth. Dogmatiker bestimmten, daß man auf sie wegen ihrer streitigen Echtheit kein Dogma gründen dürfe. Indessen verstummten diese Zweifel sehr bald, und die ausgebildete Orthodoxie des 17. Jahrh. betrachtete alle neutestamentlichen Schriften als gleich echt und inspiriert. Erst die neuere Kritik hat seit Semler und Eichhorn di Untersuchungen über den meumeameuilichen K. wit umfassendern Mitteln wieder aufgenommen. Nachdem man zuerst die alten Zweifel an den Antilegomenen wieder erneut und namentlich die apostolische Abfassung des zweiten Briefs Petri, des Hebräerbriefs und der Apokalypse bestritten hatte, begann man auch die Homologumenen in den Kreis der kritischen Forschungen zu ziehen und gegen die apostolische Verfasserschaft des Matthäus-Evangeliums, des Epheserbriefs, der Briefe an Timotheus und Titus und des ersten Petrus-Briefs Bedenken zu äußern. Während die frühere Kritik überwiegend von dogmatischen Voraussetzungen beherrscht war, führte jetzt die angebahnte rein geschichtliche Forschung zu Resultaten, welche nicht nur die bisherige Tradition vielfach des Irrtums überführten, sondern überhaupt die ganze altkirchliche Vorstellung vom K. auflösten. Das Hauptverdienst um die geschichtliche Erforschung des K. und der Entstehung der neutestamentlichen Schriften hat sich in der neuesten Zeit Ferdinand Christian Baur und die sog. Tübinger Schule erworben. (S. Bibel.) Vgl. Credner, Geschichte des neutestamentlichen K.y (herausg. von Volkmar, Berl. 1860); Hilgenfeld, „Der K. und die Kritik des Neuen Testamentso (Halle 1863); Overbeck, (Zur Geschichte des K.v (1880); Schmiedels Artikel Kanono in Ersch und Grubers (Allgemeiner Encyklopädies (Sect. II, Bd. 32). Das Wort Kanon bezeichnet übrigens in der Kirchensprache nicht bloß eine kirchliche Vorschrift, sondern auch den Beschluß einer allgemeinen Kirchenversammlung, der als Kirchengesetz gilt und dessen Nichtbeachtung mit dem Banne bedroht wird. Ein solches Gesetz wird für den kirchlichen Glauben wie für das kirchliche Leben gegeben. Ferner bezeichnet K. die Gebete, die der kath. Priester kurz vor, bei und nach Weihung der Hostie verrichtet; endlich auch das Verzeichnis der Heiligen oder Kanonisierten, in den K. der Heiligen Aufgenommenen.