FeedKanöpus oder Kanobus
ErdkundeBrockhaus 1882

Kanöpus oder Kanobus, eine Küstenstadt des alten Agypten, von welcher die Kanobische Nilmündung benannt wurde, 120 Stadien östlich von Alexandrig, etwa in der Nähe des heutigen Abukir gelegen. Sie sollte nach Plinius und andern ihren Namen von Kanopos, dem Steuermann des hierher verschlagenen Menelaos, erhalten haben, der daselbst sein Leben verlor. Agyptisch hieß sie Peguat. Es scheint, daß die Kanobische Nilmündung früher der einzige Zugang für fremde Schiffe war, und schon Herodot erzählt, daß Paris mit der Helena in diese Mündung eingelaufen sei. Hier habe ein Tempel des Herakles gestanden, der für jeden, welcher sich in ihn flüchtete, eine sichere Freistätte gewährte. Die Stadt besaß einen berühmten Serapistempel und bildete zu Strabos Zeit den beliebtesten Vergnügungsort für Alexandrien, mit dem es durch einen Kanal in Verbindung stand. 20n versammelten sich auch 238 v. Chr. die Priester Agyptens, um das sog. Dekret von K.v zu Ehren des Ptolemäus Euergetes zu erlassen; es wurde hieroglyphisch, demotisch und Rellt ausgefertigt und in allen Tempeln aufgestellt. Lepsius' Entdeckung eines Exemplars dieser dreisprachigen Inschrift auf dem Trümmerfelde von Tanis (1867) brachte den Agyptologen die Bestätigung ihrer Entzifferungen; seither sind noch zwei andere Exemplare bekannt geworden. Einen ägypt. Gott Kano pus hat es nicht gegeben. Ebenso irrig ist die Meinung, daß gewisse ägypt. Vasen Kanopen genannt worden wären. Die häufig in den Gräbern gefundenen Vasen mit Köpfen auf den Deckeln, die man auch jetzt noch häufig Kanoben nennt, dienten zur Aufbewahrung von mumisierten innern Körperteilen, wie Herz, Leber, Lunge, und tragen die Köpfe der vier Osirissöhne, die über die Eingeweide der Toten wachen: Amset mit Menschenkopf, Hapi mit Kynokephaloskopf, Duamutef mit Schakalskopf und Keb hsenuf mit Sperberkopf.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 69Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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