FeedKantakuzenos
GeschichteBrockhaus 1882

Kantakuzenos, eine herühmte griech. Familie, die in der Geschichte des Byzantinischen Reichs im 14. Jahrh. hervortritt. Zu ihr gehört vor allen Johannes K., der unter den byzant. Kaisern Andronikos II. und III. als Feldherr und Staatsmann großen Einfluß ausübte. Andronikos III. hinterließ bei seinem Tode (1341) einen nur erst neunjährigen Sohn, Kaiser Johannes V. Paläologos. Intriguen der verwitweten Kaiserin-Regentin Anna und des Finanzministers Apokaukos trieben K. dahin, noch 1341als Kaiser Johannes VI. aufzutreten. lber erst nach einem mehrjährigen, für das ohnehin durch Angriffe der Serben, Bulgaren und Osmanen allseitig erschütterte Reich höchst schädlichen Bürgerkriege erlangte K. das Ubergewicht, derart daß er 1347 auf zehn Jahre als Alleinherrscher anerkannt wurde; dann aber sollte er dem jungen, 29. Mai 1347 mit seiner Tochter Helena vermählten Johannes V. seinen Anteil an der Herrschaft abgeben. Namentlich von Serbien her schwer bedrängt, Fein se K. eine wenig glückliche Regierung, bis ihn sein seit 1351 völlig verfeindeter kaiserl. Schwiegersohn zu Ende Dez. 1354 mit genues. Hilfe in Konstantinopel überrumpelte und zur Abdankung nötigte. Der alte K. wurde nun Mönch im Kloster Mangana und schrieb die Geschichte seiner Zeit (1320—57), welches Werk von Schopen (3 Bde., Bonn 1828 —32) kritisch herausgegeben wurde. Auch verfaßte er einen Kommentar zur Ethikv des Aristoteles, schrieb gegen die Juden, gegen Mohammed und den Koran. K. starb 15. Juni 1383 im Peloponnes und wurde zu Misithra begraben. Sein Sohn, Matthäos K., der 1353 durch den Vater vertragswidrig zum Mitregenten ernannt war und nach des Vaters Abdankung sich mit den Waffen zu behaupten suchte, vermochte sich nur bis 1357 zu halten. Unter der Türkenherrschaft gehörten die K. zu den vornehmsten Fanariotenfamilien in Konstantinopel und gaben als solche der Moldau und Walachei mehrere Hospodare. Später ließ sich ein Zweig dieser Familie in Rußland nieder. Kautalupen, s. unter Melone.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 73Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 8

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6