Kapitol (lat. Capitolium), die Burg der Stadt Rom und als solche, sowie als Platz des röm. Nationalheiligtums, des Tempels der kapitolinischen Göttertrias (Jupiter, Juno, Minerva) der religiöspolitische Mittelpunkt des ganzen Römischen Reichs, lag auf dem kapitolinischen Hügel (mons Capitolinus), der sich nordwestlich vom Palatin, westlich und nordwestlich von der Niederung des Forums zu einer Höhe von 46 m über dem Meere erhebt. Er ist mit circa 1000 m Umfang der kleinste unter den sieben Hügeln Roms und gliedert sich in zwei durch eine Erhebung (intermontium) geschiedene Höhen, deren nördliche jetzt von der Kirche Sta. Maria in Araceli, die südliche vom Palast Caffarelli (jetzt deutsche Botschaft) eingenommen ist. Schon in frühester Zeit war der nach allen Seiten schroff abfallende und im ganzen Altertum nur durch einen fahrbaren Weg (den clivus Capitolinus auf der Südostseite nach dem Forum hin) zugängliche Berg befestigt. Dem König Servius Tullius schreibt die Sage den Mauerring zu, von dessen Substruktionen an der Nordwestseite noch Reste zu sehen sind. Der südliche Gipfel, das Capitolium im engern Sinne, trug den Tempel des Jupiter. König Tarquinius Priscus begann den Bau, der, von etrurischen Baumeistern geleitet, von dem letzten König, Tarquinius Superbus, vollendet ward. Mehrmals durch Feuer zerstört, wurde er im J. 69 v. Chr. durch Quintus Lutatius Catulus, im J. 70 n. Chr. von Vespasian, endlich zehn Jahre später von Domitian wiederhergestellt, immer unter Beibehaltung des alten Grundplans (der fast genau ein Quadrat von 53 m Seite bildete), aber in größerer Höhe und immer prachtvollerer Ausstattung. Der Tempel stand bis ins 12. Jahrh.: dann fiel er einer so gründlichen Zerstörung anheim, daß die moderne Forschung 200 Jahre lang darüber gestritten hat, ob er an der Stelle von Araceli oder Palast Caffarelli gestanden habe. Ausgrabungen in den Jahren 1871 und 1875 haben die Frage im letztern Sinne entschieden; außer den mächtigen Substruktionen aus Tuffquadern sind unbedeutende, aber sicher dem Tempel angehörende Architekturfragmente aus Marmor gefunden. Der Platz um den Tempel (area Capitolina) enthielt zahlreiche kleinere Heiligtümer, Denkmäler und Weihgeschenke. Außerhalb dieses mit einer Mauer umschlossenen geweihten Raums lag am westl. Abhange der Felsvorsprung, von dem in älterer Zeit die Staatsverbrecher hinuntergestürzt wurden (saxum Tarpeium). Die nördliche Höhe (49 m), in frühester Zeit der am stärksten befestigte Punkt (die eigentliche arx), trug seit 344 v. Chr. den Tempel der ratenden Juno (Juno moneta), mit dem später das Münzamt verbunden wurde. Die zwischen beiden Gipfeln liegende Niederung (intermontium) gilt der röm. Tradition als die Stelle des von Romulus bei Gründung der Stadt eingerichteten Asyls. Nach der Forumsseite zu war der Platz begrenzt durch den gewaltigen, von Lutatius Catulus errichteten Bau des Tabulariums, welcher das Staatsarchiv enthielt. Noch jetzt ist die Substruktion aus Peperinquadern und, in das Untergeschoß des Senatorenpalastes verbaut, beträchtliche Reste des Tabulariums selbst erhalten. An der Westfront des Tabulariums entlang führte der Clivus Capitolinus hinab auf das Forum. Im frühern Mittelalter trug der kapitolinische Hügel nur ein monumentales Gebäude, die Kirche Sta.⸗Maria in Araceli auf dem nördl. Gipfel. Seit der Wiederherstellung des Senats im J. 1143 gewinnt das K. von neuem eine Stellung als ö ideeller und administrativer Mittelpunkt der Stadt; der Kapitolplatz dient lange Zeit als Hauptmarkt, über den Trümmern des Tabulariums erhebt sich der Senatorenpalast; von einschneidender Wichtigkeit ist die Anlage eines Hauptaufgangs von Norden her, der großen Treppe von Argceli (1348). Um 1560 erhielt das K. seine jetzige Gestalt nach einem Entwurf Michel Angelos. Das ietzige Campidoglio nimmt im wesentlichen den Raum zwischen den beiden Gipfeln, das sog. intermontium, ein. Auf einer prächtigen Treppe, deren Wangen am Fuße mit zwei ägypt. Löwen aus Basalt, oben mit den kolossalen Marmorstatuen der Dioskuren mit ihren Rossen geschmückt sind, steigt man von Nordwesten her auf einen geräumigen Platz, die Piazza del Campidoglio, dessen Mitte die bronzene Reiterstatue des Kaisers M. Aurelius einnimmt; vor sich sieht man den Palast der Senatoren (Palazzo Senatorio), der auf den Fundamenten des alten Tabulariums erbaut ist, zur Linken den Palast des kapitolinischen Museums, in welchem die bedeutendste Sammlung antiker Bildwerke in Rom nächst der vatikanischen, das Museo Capitolino, aufgestellt ist; zur Rechten endlich den Palast der Konservatoren, der außer mehrern zerstreuten antiken Bildwerken und Inschriften (darunter die Konsularfasten), einer Anzahl etrusk. Antiquitäten und einem kleinen Bronzenmuseum (darin z. B. die berühmte Wölfin und der Dornauszieher) auch eine reiche Sammlung von Büsten berühmter Männer der Wissenschaft und Kunst (Protomoteca) und eine Gemäldegalerie enthält. Zur Topographie des K. vgl. Jordan, Kapitol, Forum und Sacra Via» (Berl. 1881); C. Re und G. B. de Rossi im Bullettino della commissione archeologica comunale di Romas (Bd. 10, 1882). über das moderne K.: Righetti, KDescrizione del Campidoglioo (2 Bde., Rom 1338—36).