FeedKaradschitsch (Wuk Stephanowitsch)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Karadschitsch (Wuk Stephanowitsch), der Wiedererwecker der serb. Nationalität und der Begründer der heutigen serb. Schriftsprache und Litteratur, geb. 7. Nov. 1787 im Dorfe Trschitsch in Serbien, erlangte seine Elementarbildung als Autodidakt und auf Schulen in Syrmien, kehrte 1807 nach Serbien zurück, bekleidete von 1810bis 1813 verschiedene Amter, flüchtete 1813 nach dem unglücklichen Ausgange des Aufstandes nach Ssterreich und ließ sich in Wien nieder, wo seine geniale Begabung für die Auffassung von Volksart und Volkssprache unter Anregung von Kopitar sich offenbarte. Er verwarf die bis dahin übliche serb. Schriftsprache, ein Gemisch von Russisch und Kirchenslawisch mit der serb. Volkssprache, und setzte die reine Volkssprache an die Stelle mit einfacher, verständlicher Orthographie. Sein erstes Buch der Art war cMala prostonarodnja slaveno-srbska pjesmaricas (Wien 1814), eine Sammlung serb. Volkslieder; sein erster Versuch einer Grammatik «Pismenica srbskoga jezika⸗ (Wien 1814). Namentlich aber wirkte sein «Serb.⸗ deutsch-lat. Wörterbuchb (Wien 1818; als Einleitung dient eine verbesserte Auflage der Grammatik, die 1824 von J. Grimm ins Deutsche übersetzt wurde; in erweiterter Gestalt, 2. Aufl., Wien 1852). Am meisten aber nützte K. seinem Volke durch die musterhafte Sammlung der Volkspoesie (Narodne srpske pjesmey, 4 Tle., Lpz. und Wien 1823—33; zweite sehr vermehrte Ausgabe in 5 Bdn., Wien 1841—65; dazu «Srpske pjesme iz Hercegovines, Wien 1866), die in viele europ. Sprachen übersetzt ward (deutsch von Talvj, 2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1853; von Kapper, «Gesänge der Serbeno, 2 Bde., Lpz. 1852 u. a.). Außerdem sammelte K. die Volksmärchen (Srpske narodne pripovijetke„, Wien 1853; ins Deutsche übersetzt von seiner Tochter Wilhelmine) und manches andere Volkstümliche, Sprichwörter (Srpslce narodne poslovicev, 2. Aufl., Wien 1849) u. a., auch in dem von ihm herausgegebenen Almanach Danicap (1826—34). lüber die Ereignisse von 1813 bis 1817 schrieb er in Milos Obrenovié (Ofen 1828), und lieferteüberdies Ranke Material zu dessen Werke Die serb. Revolution⸗ (Berl. 1829). Eine mustergültige Probe der volkstümlichen Schriftsprache gab er noch in seiner serb. Übersetzung des Neuen Testaments (Wien 1847). Vom Fürsten Milosch wurde er 1827 zur Ausarbeitung eines Gesetzbuchs herangezogen, entzweite sich aber mit dem Fürsten und ging wieder nach Wien. Die Frucht seiner Reise nach Montenegro ist das Buch Montenegro und die Montenegrinero (1837). Er starb in Wien am 26. Jan. 1864. Seine Reformen sind jetzt allgemein angenommen.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 96Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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