Karaiben, auch Cariben (engl. Caribs oder Caribbses) oder (wie namentlich bei den Franzosen) Galibi, ist der Name eines Indianerstammes, der zur Zeit der Entdeckung Amerikas das herrschende Volk auf der ganzen Nordküste des südamerik. Festlandes und in Guaiana sowie auf den Kleinen Antillen war. über letztere, teilweise auch nach Portorico und Haiti, hatten sie sich nicht lange vorher erst durch Eroberung verbreitet. Sie hatten die dort seßhaften Arowaken getötet und deren Weiber in ihre Mitte aufgenommen, wodurch zwei Redeweisen unter ihnen entstanden waren, nämlich die Sprache der Männer, welche mit der Sprache der K. des Festlandes zusammenhängt, und die Sprache der Weiber, die an das Arowaklische sich anschließt. Die K. waren ein gutgewachsenes, starkes und kriegerisches Volk, das dem Kannibalismus huldigte. Auf den Kleinen Antillen, welche nach ihnen von den ältern Geographen auch häufig Karaibische Inseln genannt wurden, zeigten sie sich auf Guadeloupe am mächtigsten. Sie widerstanden den Europäern lange Zeit kraftvoll, sodaß es den Franzosen erst 1660 gelang, sie auf Dominica und St.⸗Vincent zu beschränken. Auf diesen beiden Conversations-Lexikon. 13. Aufl. X. Inseln bildeten sich aus den K. durch Vermischung mit entlaufenen oder gestohlenen Negern die sog. Schwarzen Karaiben, die jedoch 1796 von den [Engländern nach der Insel Ruatan deportiert wur⸗ [den. Von hier aus gelangten sie mit Hilfe der I . auch an die Küste von Honduras, wo sie sich von Truxillo aus östlich bis zum Pakookfluß, westlich bis Balize verbreitet und bis auf 20000 Köpfe vermehrt haben. Geringe Reste der ehemaligen karaibischen Bevölkerung der Kleinen Antillen finden sich nur noch auf Trinidad, Dominica und St.⸗Vincent. Zahlreicher sind die K. auf dem Festlande, Von Raymond Breton wurde 1663—65 ein Katechismus und Wörterbuch in der Sprache der K. der Inseln gedruckt (neu herausg. von L. Adam und Leclere, Par. 1877). Vgl. F. Müller, Grundriß der Sprachwissenschafteé (Bd. 2, Wien 1876).