FeedGuarani
TierreichBrockhaus 1882

Guarani, ein südamerik. Volksstamm, bildet mit den Tupis ein Volk, welches Brasilien und die daran stoßenden westl. und südl. Gebiete einnimmt; der nördl. Zweig wird mit dem Namen Tupi, der südliche als G. bezeichnet. Das Volk der Guarani-Tupi spielt in jenen Gegenden dieselbe Rolle wie das Volk der Karaiben im Norden, das Volk der Inkas im Westen Südamerikas und das Volk der Azteken auf dem Hochplateau von Mexiko. Es ist ein Eroberervolk, das in einer Art von militärischer Organisation lebt und seine Nachbarn unablässig befehdet; dem Kannibalismus ist es nicht aus Manel an Nahrung, sondern infolge der durch das Kriegshandwerk genährten Wildheit zugethan. Die G. treiben Landbau, der aber ausschließlich von den Weibern besorgt wird, sind mit der Schiffahrt vertraut, indem sie auf wohlgezimmerten Kähnen die vielen Ströme befahren, und infolge dessen auch gute Schwimmer. Die Sprache der Guarani-Tupi, die in ganz Brasilien als lingua geral gilt und vielfach auch von den andern Stämmen verstanden wird, ist wohlklingend; der Tupidialekt verhält sich zum Guarani ungefähr so wie das Portugiesische zum Spanischen. Vgl. Orbigny, L'homme américain (de 'Amérique méridionale)y (2 Bde., Par. 1839); Martius, «Beiträge zur Ethnographie und Sprachenkunde Amerikas, zumal Brasiliensv (2Bde., pz. 1867); Friedr. Müller, «Grundriß der Sprachwissenschafto (Bd. 2, Wien 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 8, S. 589Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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