Kannibalismus, soviel wie Menschenfresserei. Obgleich sich schon das natürliche Gefühl des Menschen gegen den Genuß von Menschenfleisch sträubt, kommen nicht nur Fälle vor, in denen enen durch Not oder krankhaften Appetit getrieben, Menschen töteten und verzehrten, sondern es zeigt auch die Völkerkunde eine lange Reihe von Völkerschaften auf, bei denen der Genuß von Menschenfleisch, wenn auch nur für gewisse Gelegenheiten und unter bestimmten Umständen, zur bleibenden lt, it das eworden ist. Überall, wo der K. auftritt, ist das Motiv in der Rachgier oder in religiösen Verirrungen, teilweise auch in beiden Ursachen zugleich, niemals aber im Mangel an Subsistenzmitteln zu suchen. Schon die Alten erwähnen mehrfach der Anthropophagen oder Androphagen (d. i. Menschen⸗ oder Männerfresser), wie namentlich unter den Skythen, in Indien, in verschiedenen Teilen Afrikas. Mit der Entdeckung von Amerika kam für die Anthropophagen die Bezeichnung Kannibalen auf. Letztere geht auf den Namen des Volks der Karaihen (. d.) zurück (aus Caribe oder Caribal bildeten die Spanier Cannibal), bei denen auf den westind. Inseln die Conquistadoren die Sitte, ihre getöteten Feinde zu verzehren, zuerst näher kennen lernten. Unter den Indianern Nordamerikas waren besonders die Stämme der Algonkin und Irokesen als Kannibalen berüchtigt. Bei den Azteken, welche bei ewissen Feierlichkeiten oft Hunderte und selbst Tausende von Gefangenen oder Sklaven auf ihren Teocallis schlachteten, um den Göttern Herz und Blut zu opfern, wurden die Leichname der Geopferten dem Volke zu festlichen Mahlzeiten überlassen. Die Tupis in Brasilien vergnügten und verpflegten ihre Kriegsgefangenen auf alle Weise, gaben ihnen selbst Weiber, erschlugen und fraßen sie aber später samt ihrer Nachkommenschaft. Auch auf mehrern Inselgruppen der Südsee war der K. bis auf die jüngste Zeit herab zu Hause. Bekannt als Kannibalen waren früher besonders die Maori auf Neuseeland und erst in neuester Zeit haben die Bewohner der Fidschi-Inseln, wo fast bei allen festlichen oder feierlichen Gelegenheiten Heen von Menschenkeith nicht fehlen durften, diesen Gebrauch aufgegeben. Bei den heidnischen Battak (auf Sumatra) wurden bis auf ihre Unterwerfung durch die Niederländer Ehebrecher, Landesverräter, Spione und andere todeswürdige Verbrecher unter bestimmten Formalitäten zur Strafe, insbesondere aber die Gefangenen aus Rache +. Auch bei einigen Völkern Afrikas, wie in Bonny, bei den Kaffern, finden sich Spuren von K., der bei den Riam-Niam allgemein ist.