Karamsin (Nikolai Michailowitsch), der berühm teste russ. Geschichtschreiber, geb. 12. Dez. 1765 im Dorfe Michailowka (Gouvernement Orenburg), erhielt seine höhere wissenschaftliche Ausbildung in der Pension des Professors Schaden in Moskau. Später widmete er sich mit Eifer litterarischen Beschäftigungen und übersetzte Shakspeares Julius Cäsarv (1787) und Lessings Emilia Galottiv (1788) ins Russische. Im J. 1789 unternahm er eine Reise durch Deutschland, die Schweiz und Frankreich, kehrte 1791 nach Moskau zurück, wo er zunächst das Moskauer Journalb (1791 — 92) begründete, dann die Aglajap (2 Tle. 1794; deutsch von Biedenfeld, Lpz. 1819), eine Sammlung romantischer und histor. Erzählungen, und außer andern Arbeiten die Briefe eines reisenden Russeno (6 Bde., Mosk. 1797—1800; deutsch von Richter, 6 Bde., Lpz. 1802) veröffentlichte. Diese Briefe übten eine unerhörte Wirkung. Vom Geiste des ebildeten Europa angeweht, warf K. darin die Fesseln der pseudoklassischen Schule, welche bis dahin Rußland beherrschte, von sich und zwang in wenigen Corach selbst seine entschiedensten Gegner, seine prache und seinen Stil anzunebmen. Sein eifrigster Mitkämpfer auf dieser Bahn war der Dichter Dmitriew (s. d.). Durch beider Einfluß nahm die russ. Diktion eine andere Gestalt an, und es entstand erst jetzt eine wirklich russ. Litteratur. Später veröffentlichte er unter anderm eine „Histor. Lobrede auf Katharina II.v (Mosk. 1802), mehrere Biographien historisch merkwürdiger Personen in dem von ihm herausgegebenen „Europ. Boteno und eine lebendige Darstellung der völligen Unterwerfung Nowgorods unter das Scepter des moskauer Herrschers (Mosk. 1808). Im Okt. 1803 zum eichshistoriographen und Hofrat mit einem Jahresgehalt von 2000 Rubeln ernannt, arbeitete er seitdem an seiner Geschichte des Russischen Reichsv (Bd. 1—11, Petersb. 1816—24; Bd. 12, vollendet von Bludow, 1829; 5. Aufl., 3 Bde. 1842 —43; dazu Register von Strojew, Petersb. 1836; 2. Aufl. 1844). Die beste übersetzung ist die französische von Saint-Thomas und Jouffret (8 Bde., Par. 1819 —20); ins Deutsche wurde das Werk übertragen von Hauenschild (Bd. 1—3, Riga 1820—23), Oldekop (Bd. 4—6, Riga 1823.—24), Ortel (Bd. 7, Riga 1825) und Goldhammer (Bd. 8, Riga 1826, und Bd. 9—11, Lpz. 1826—33). K.s Werk selbst reicht nur bis 1611. Seine histor. Richtung ist eine streng konservative, eine geschichtliche Rechtfertigung und Verherrlichung der Autokratie. In eben diesem konservativen Geiste ist auch sein Memoire über das alte und neue Rußlando verfaßt. Schon seit 1823 kränkelnd, starb er 3. Juni 1826. Eine Ausgabe seiner kleinern Schriften und Üübersetzungen erschien 1835 in 18 Bänden zu Petersburg, wozu 1862 noch Mitteilungen aus seinem Nachlasse und aus seiner Korrespondenz kamen. Eine vollständige, panegyristische „Rosr 5e K.s von M. P. Pogodin ist 1865 (2 Bde., Mosk.) erschienen.