FeedKarbunkel
HeilkundeBrockhaus 1882

Karbunkel (Karfunkel, Brandschwär, Carbunculus, Anthrax) ist, wie der Absceß (s. d.) oder die Eiterbeule, eine umschriebene Entzündung des Unterhautzellgewebes (s. Haut), bei welcher jedoch das Zellgewebe nicht eiterig zerfällt, sondern in geringerm oder größerm Umfang brandig wird. Die K., welche sich vom Furunkel (s. d.) hauptsächlich durch die tiefer greifende brandige Zerstörung der Haut und durch ihre Neigung, sich in die Fläche auszubreiten, unterscheiden, können auf der ganzen Haut auftreten, finden sich aber häufiger an Stellen, die mangelhaft gereinigt werden (am After, am Rücken, an den Schenkeln). Zuerst entsteht ein schmerzhaftes Knötchen, das rasch unter Fiebererscheinungen an eninn wächst, während die bedeckende Haut eine dunkelrote bis blaue Färbung annimmt und sich knotig verdickt und brennend heiß anfühlt. Nach mehrern Tagen erweicht der harte Knoten und bricht an mehrern Stellen auf, wodurch die Haut siebartig durchlöchert und das unter ihr liegende brandig abgestorbene Zellgewebe in der Form von gelbgrauen, übelriechenden Pfropfen erscheint. Erst nach dem Abstoßen dieser Zellgewebspfropfen bilden sich in dem zurückbleibenden Geschwür gesunde Fleischwärzchen, welche allmählich den Substanzverlust ausfüllen und darauf die lüberhäutung bewirken. Durch ihre Schmerzhaftigkeit und ihre Zahl können die K. sehr lästig, durch ihre Größe, mehr noch durch ihren Sitz in der Nachbarschaft edler Organe (z. B. im Nacken, an den Lipen) gefährlich werden. Ursache mag in vielen Fälen ungenügende Hautpflege und mangelhafte Ernährung sein; daher ihr häufiges Auftreten im Winter und bei geschwächten und erschöpften Personen. Die Schmerzen schwinden sofort, wenn der K. weit eingeschnitten und der brandige Zellgewebspfropf entfernt wird. Die übrige Behandlung ist die des gewöhnlichen Geschwürs. Wesentlich verschieden von dem gewöhnlichen K. ist der Milzbrand-Karbunkel (Carbunculus contagiosus, Pustula maligna), der nach der Ansteckung mit Milzbrand an den Stellen auftritt, an welchen das Milzbrandgift in die Haut gelangte und sich als ein schmutzig schwarzroter, in der Mitte verschorfender, rings von einem weiten blauroten Hofe umgebener Knoten von mehr oder minder großem Umfange darstellt. Dieser K. enthält die den Milzbrand (s. d.) verursachenden Pilze Gacillen) und ist unbedingt tödlich, wenn er nicht zeitig durch energische Mittel (Messer, Atzmittel und Glüheisen) gründlich mit seiner Umgebung zerstört wird. Diesem K. ähnlich ist die Pestbeule. (S. Pest.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 101Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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