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ErdkundeBrockhaus 1882

Karien, Küstenlandschaft des südwestl. Kleinasien, im N. durch das Messogisgebirge von Lydien, im O. durch das Kadmos- und Salbakosgebirge von Phrygien und Pisidien (Kabalia), im So. durch die nördl. Verzweigungen des Kragos und Antikragos von Lykien getrennt, im S. und W. vom Karpathischen und Agäischen Meere bespült. Von der Westküste strecken sich mehrere sehr bedeutende Vorgebirge als stattliche Halbinseln ins Meer hinaus (Mykale, der Chersones von Milet, der von Halikarnassos und der von Knidos), zwischen denen sich tiefe und sichere Buchten (der Latmische, Jassische und Keramische Meerbusen) öffnen. Der Hauptgebirgszug des innern Landes ist der Latmos; der bedeutendste Fluß der in den Latmischen Meerbusen mündende Mäander, dessen breites Thal den reichsten und besten Teil der übrigens fast durchgängig sehr fruchtbaren Landschaft bildet. Ihren Namen erhielt dieselbe von den Kares, einem Stamme, der, von Osten her eindringend, die ältere Bevölkerung, die Leleger, teils vertrieb, teils unterwarf. Die Karer standen als treulose Söldner und Piraten bei den Griechen in ziemlich übelm Rufe. nn Rlle gründeten griech. Ansiedler im nördlichsten Teile der Westküste die ion. Städte Milet (s. d.) und Magnesia (am Mäander), im südlichsten die dorischen Halikarnassos (s.d.) und Knidos (. d.). Die Landschaft wurde durch Krösus dem Lydischen, durch Cyrus dem Persischen Reiche einverleibt, trennte sich von diesem infolge der Siege der Griechen über die Perser und trat dem athenischen Seebunde bei, fiel aber nach der Auflösung desselben wieder unter die Herrschaft Persiens zurück; doch war diese mehr eine nominelle als faktische, indem einheimische Dynasten, ähnlich wie schon früher, dem Namen nach als pers. Satrapen, in der That als selbständige Herrscher regierten. Der Sitz dieser Dynasten, unter denen Maussollos der berühmteste ist, war Halikarnassos. Nach dem Tode Alexanders kam die Landschaft nacheinander in Besitz des Kassandros, des Antigonos und des Lysimachos, wurde dann dem Seleueidenreiche einverleibt, von den Römern nach der Besiegung des Königs Antiochos von Syrien (189 v. Chr.) den Rhodiern, ihren treuen Alliierten, geschenkt. Dieses Geschenk wurde zwar während des dritten Macedonischen Kriegs wieder zurückgenommen, indem der röm. Senat die Städte K.s für frei erklärte, d. h. unmittelbar unter die röm. Oberherrschaft stellte, doch verblieben wenigstens einige Städte, wie z. B. Kaunos, im Besitze der Rhodier bis in die röm. Kaiserzeit. Jetzt bildet die Landschaft einen Teil des asiat.⸗türk. Vilajets Aidin.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 104Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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