FeedKarl II.
GeschichteBrockhaus 1882

Karl II., der Kahle, röm. Kaiser und erster König des aus dem großen Frankenreich (s. d.) durch den Vertrag von Verdun ausgeschiedenen Frankreich, war 13. hn d 823 in Frankfurt a. M. geboren, jüngster Sohn des Kaisers Ludwig des Frommen von seiner zweiten Gemahlin Judith. eren Streben, ihm gleich seinen viel ältern Brüdern Lothar, Ludwig und Pipin schon bei Lebzeiten des Vaters die Anwartschaft auf einen Teil des Erbes zu sichern, war die Ursache der hendie Kriege und Aufstände der Söhne, welche die Regierung des Kaisers Ludwig erfüllten und den Grund zur Auflösung des Frankenreichs legten. War ihm zuletzt auf Kosten der Söhne Pipins Aquitanien zugewiesen worden, so suchte Lothar nach dem Tode des Vaters 840 ihm auch dieses zu verkürzen und seine Oberhoheit als Kaiser aufzuzwingen. K. versöhnte sich deshalb mit seinem in gleicher Weise bedrohten Bruder Ludwig dem Deutschen und gewann gemeinschaftlich mit ihm 25. Juni 841 die Schlacht bei Fontenoy gegen Lothar. Das so bewährte Bündnis wurde im Febr. 842 zu Straßburg mit feierlichen Eiden in deutscher und franz. Sprache erneuert, die noch erhalten sind, und erzwang die Zustimmung Lothars zur Teilung des Reichs, welche im Aug. 843 zu Verdun (s. d.) vollendet wurde. K. 2 * dabei alles Land westlich der obern Schelde, der Maas, Sabne und des Rhöne, Gebiete, in welchen, abgesehen von dem niederdeutschen Flandern, nur Romanen wohnten, in voller Selbständigkeit. Reich begabt, aber launisch, willkürlich und wechselnden Einflüssen zugänglich, vermochte er jedoch das ihm Zugefallene kaum zusammenzuhalten. Aquitanien und Bretagne gingen ihre eigenen Wege, die Küsten wurden von Normannen und Mauren verheert und die Königsmacht schwand durch die Schenkungen und Zugeständnisse, welche er dem Heerbann für die Dienste machen mußte, die er nicht erzwingen konnte. Als Lothars Sohn, Lothar II., 869, starb, wollte K. mit Hilfe des Erzbischofs Hinkmar von Rheims Lothringen (das ganze Land zwischen Maas und Rhein) an sich reißen, mußte aber schließlich im Vertrage zu Meersen Aug. 870 die östl. Hälfte desselben Ludwig dem Deutschen überlassen. Besser ging es ihm anfangs in Italien, als dort 875 Lothars I. ältester Sohn, der Kaiser Ludwig II., starb. K. bemächtigte sich dort des Königtums, obwohl Ludwig der Deutsche als der ältere Erbberechtigte seine Söhne Karl den Dicken und Karlmann über die Alpen geschickt hatte, und wurde 25. Dez. 875 in Rom zum Kaiser gekrönt. Der Tod auch Ludwigs des Deutschen 876 gab ihm den Mut, den Kampf um Lothringen zu erneuern; K. wurde indessen 8. Okt. bei Andernach vollkommen geschlagen und, als er dann, um einen Aufstand in Italien zu dämpfen, dorthin eilte, brachen auch in Frankreich Aufstände aus. Auf dem Rückwege aus Italien starb er 6. Okt. 877 in mißt, sind unter C aufzusuchen. einer Alphütte. Ihm folgte in Frankreich sein Sohn Ludwig der Stammler (gest. 879), unter welchem nun das ganze Lothringen an Deutschland fiel.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 107Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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