FeedKarl III.
GeschichteBrockhaus 1882

Karl III., der Dicke, röm. Kaiser und König des Ostfränkischen oder Deutschen Reichs, geb. 839, erhielt schon 865 von seinem Vater Ludwig dem Deutschen Alamannien als Erbteil zugewiesen, während von den ältern Brüdern Karlmann Bayern, Ludwig III. Sachsen bekam. Trotzdem stand er wiederholt gegen den Vater in Waffen, bis 873 schwere Krankheitsanfälle, welche ihn nie wieder verließen, sein Gewissen weckten. Von Karl dem Kahlen, welchem er im Auftrage des Vaters Italien streitig machen sollte, besiegt, mußte er dort Karlmann weichen, welcher nach dem Tode des Vaters 876 auch das Kaisertum beanspruchte. Indessen trat dieser bald seine ital. Ansprüche an K. ab, welcher nach Karls des Kahlen Tode und, als die Bedrängnis durch die Mohammedaner dem Papste einen Halt wünschenswert machte, in der That Febr. 881 zum Kaiser gekrönt wurde. Inzwischen war H durch den Tod Karlmanns auch Bayern zugefallen; der Tod Ludwigs von Sachsen brachte ihm 882 auch Sachsen und das den Westfranken entrissene Lothringen; Deutschland und Italien waren so unter ihm vereinigt. An der 15 eines mächtigen Heeres, welches gegen die das Rheinland verheerenden Normannen aufgeboten war, erkaufte er den Abzug der Feinde unter den schmählichsten Bedingungen. Den Einfällen der Mähren blieb der Osten offen und ebenso wenig wußte K. in Italien als Kaiser zu walten. Neue Aufgaben fielen ihm durch den Hinzutritt Frankreichs zu seinen Herrschaften zu. Denn da dort das Geschlecht Karls des Kahlen bis auf ein kleines Kind, Karl den Einfältigen, ausgestorben war, huldigten die Franzosen 885 K., in der Hoffnung, von ihm gegen die Normannen geschützt zu werden. Als K. aber im Sept. 886 mit großer Übermacht zur Befreiung des bedrängten Paris herbeikam, zahlte er den Normannen Tribut und gestattete die Aus—⸗ plünderung Burgunds. Während sich infolge dessen die Franzosen nicht weiter um ihn, der das Reich Karls d. Gr. noch einmal, wenigstens dem Namen nach, vereinigt hatte, kümmerten, regte sich auch in Deutschland der Abfall. Sein 0 Arnulf (s. d.) von Kärnten, ein unehelicher Sohn Karlmanns, wurde erst von den Bayern, dann auch von andern Stämmen zum Könige erhoben, und K. wagte keinen Widerstand. Auf dem Reichstage zu Tribur Nov. 887 dankte er ab, um schon 13. Jan. 888 in Neidingen an der Donau zu sterben. Das Kloster Reichenau wurde seine Grabstätte. Vgl. Dümmler, (Geschichte des Ostfränkischen Reichso (2 Bde., Berl. 1863—65).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 108Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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