Lothar I., röm. Kaiser, 840—855, ältester Sohn Ludwigs I. des Frommen, geb. 795, wurde durch das Reichsgesetz von 817 zum Nachfolger im Kaisertum bestimmt, welches dadurch zu einer bleibenden Institution gemacht werden sollte; die Brüder sollten mit Aquitanien und Bayern ihm untergeordnet sein. Als aber Ludwig zu Gunsten des nachgeborenen Karl diese Ordnung selbst umstieß, kam es zu wiederholter Empörung der Brüder. L. verlor die ihm schon eingeräumte Mitregentschaft, aber nach des Vaters Tode wollte er als Kaiser die ganze Monarchie in Besitz nehmen. Da verbanden sich die beiden Brüder Ludwig und Karl, und bei Fontenai in Burgund kam es 25. Juli 841 zur Schlacht, in der L. geschlagen wurde. Nach längern Kämpfen und Verhandlungen erhielt er durch den Vertrag von Verdun 11. Aug. 843 außer der Kaiserwürde Italien, welches er seit 822 verwaltete, nebst einem Landstrich, welcher von Rhöne, Saöne, Maas, Alpen und Rhein begrenzt wurde, und der auch die Wesermündung mit Friesland inbegriff. Diesen im Norden gegen die Normannen, im Süden gegen die Araber zu verteidigen, war er außer Stande. Die großen Vasallen hatten im Bürgerkrieg die Erblichkeit ihrer Lehne und weitgehende Selbständigkeit, der Klerus einen großen Einfluß auf die Regierung erlangt. Nach 12 Jahren einer schwachen Regierung verteilte L. sein Reich an seine Söhne und starb als Mönch im Kloster Prüm 28. Sept. 855. Sein ältester Sohn, Ludwig II. (s. d.), erhielt Italien, der mittlere, Lothar II. (s. d.), den nördl. Teil, welcher nach ihm Lothringen genannt wurde, und der jüngste, Karl, die Provence mit Lyon. Lothar II., Sohn des vorigen, wurde nach dessen Tod 855 König von Lothringen und 863 nach dem Tode seines Bruders Karl von der Provence auch König von Burgund. Als er 857 seine Gemahlin Thietberga verstieß, durch die Erzbischöfe von Köln und Trier seine Che trennen ließ und 862 seine Geliebte Waldrade heiratete, wurde er vom Papst Nikolaus I., welcher die Erzbischöfe absetzte, für unwürdig der Krone erklärt und von dem Erzbischof Hinkmar von Rheims 865 zur Wiedernahme Thietbergas gezwungen. Er starb 8. Aug. 869 und sein Land wurde nun der Zankapfel zwischen Deutschland und Frankreich, die es im Vertrage zu Meersen 9. Aug. 870 etwa nach der Sprachgrenze teilten. Doch hatte diese Teilung nicht lange Bestand. Ein Sohn L.s, Hugo, war in den Streitigkeiten nach dem Tode des Vaters geblendet worden und starb 885 als Mönch in Prüm.