Karl VIII., König von Frankreich, 1483—98, geb. 30. Juni 1470 zu Amboise, bestieg 1483 nach dem Tode seines Vaters, Ludwigs XI. C. d.), den Thron unter der Obhut seiner ältesten Schwester, Anna von Beaujeu, welche für ihn die Staatsgeschäfte verwaltete. Der Herzog von Orléans, der sich dadurch zurückgesetzt sah, verband sich mit den übrigen Prinzen, dem Herzog Franz von Bretagne und mehrern mißvergnügten Großen und begann gegen den Hof einen förmlichen Krieg. La Trimouille schlug jedoch die Aufrührer 28. Juli 1486 bei St.Aubin und nahm den Herzog von Orléans gefangen. Einige Monate darauf starb der Herzog von Bretagne und hinterließ das Land seiner Tochter Anna, die sich 1490 mit dem röm. König Maximilian durch Prokuration verheiratete. K. aber, obschon bereits mit Margareta, der Tochter Maximilians, verlobt, bestimmte, um die Bretagne mit seiner Krone zu vereinigen, die Herzogin, daß sie sich mit ihm im Dez. 1491 vermählte. Diese Treulosigkeit versetzte ganz Europa in Bewegung. Als Bundesgenosse Maximilians fiel Heinrich VII. von England mit einem Heere in Frankreich ein, ließ sich aber im Nov. 1492 den Frieden (zu Estaples) abkaufen. Auch mit Maximilian, dem es an Mitteln fehlte, kam 23. Mai 1493 zu Senlis der Friede zu Stande. Margaretas Mitgift, die Franche-Comte, Artois und Charolais, wurde unter Vorbehalt der franz. Oberlehnsherrlichkeit an Maximilian zurückgegeben; über die Auslieferung des Herzogtums Burgund kam es zu keiner Entscheidung. Hierauf ging K. an die Ausführung des lang gehegten Plans, das Königreich Neapel, auf welches er noch vom Herzog von Anjou her Anspruch zu haben glaubte, zu erobern. Der eroberungssüchtige Herzog Ludwig Sforza von Mailand, genannt Morus, hatte ihn dazu bewogen. Im Aug. 1494 überstieg K. mit einem zahlreichen Heere die Alpen, durchzog Mailand, Toscana, Florenz und rückte 31. Dez. in Rom ein, wo ihn der Papst Alexander VI. mit Neapel belehnen und eine Menge Sicherheitsplätze ausliefern mußte. Bei seiner Annäherung ans Neapolitanische dankte der durch Grausamkeit verhaßte König Alfons II. zu Gunsten seines Sohnes, Ferdinands II., mißt, sind unter C aufzusuchen. 8* ab, und die Franzosen zogen 21. Febr. 1495 ohne Schwertschlag in Neapel ein. Alle Provinzen, bis auf wenige Plätze, erkannten K. als Oberherrn. Im März 1495 traten indes alle ital. Staaten und die Könige Maximilian und Ferdinand von Aragonien zusammen, um die Franzosen aus Italien zu vertreiben. K., der einer solchen Macht nicht gewachsen war, ließ den Herzog von Montpensier in Neapel mit einem starken Korps einrücken, durcheilte mitseinen übrigen Truppen Italien und konnte den Durchzug durch die Lombardei nur nach heftigem Kampfe mit den Verbündeten bei Fornuovo 6. Juli 1495 erlangen. Kaum war er in Frankreich angelangt, so vernahm er auch, daß sich der König von Neapel mit Hilfe der Spanier seines Reichs wieder bemächtigt habe. Er starb 7. April 1498 zu Amboise. Sein Nachfolger war Ludwig XII. (s. d.). Vgl. Histoire de Charles VIII par Guill. de Jaligny etc., recueillie par N. Godefroys (Par. 1684); Ségur, Histoire de Charles VIIIo (2 Bde., Par. 1835); Cherrier, Histoire de Charles VIIIo (2 Bde., Par. 1868).