FeedKarlVII.
GeschichteBrockhaus 1882

KarlVII., der Siegreiche, König von Frankreich, 1422—61, Sohn des Vorigen, geb. 22. Febr. 1403, mußte schon in den lehten Fahren garisVi f d.) sein Recht auf die Thronnachfolge mit bewaffneter Hand vertreten. Nach Karls VI. Tode erklärten die Engländer dem Vertrage von Troyes gemäß den jungen Sohn Heinrichs V. von England, Heinrich VI., 2 Paris zum König und setzten den Herzog von Bedford zum Regenten ein, während sich K. nach dem Rechte der Abstammung und des franz. Erbfolgegesetzes zu Melun zum König von Frankreich erklärte, obwohl er nur die südl. Provinzen innehatte. K. wurde 1423 von den Engländern bei Créêvant, 1424 bei Verneuil besiegt und mußte die Champagne, im folgenden Jahre Maineräumen. Indessen gewährten die Zerwürfnisse zwischen dem Herzog von Gloucester und dem Herzog von Burgund mißt, sind unter C aufzusuchen. dem König Aussicht, den mächtigen Burgunder vom engl. Bündnisse abzuziehen. Auch stimmte der Graf Richemont, den K. zum Connétable erhoben, seinen Bruder, den Herzog von Bretagne, für die Nationalsache. Der Graf Dunois schlug 1426 die Engländer zum ersten mal bei Montargis. Allein der Feind drang im folgenden Jahre bis an die Loire vor und schloß Orleans ein. Dunois verstärkte die Besatzung von Orleans und nahm im Febr. 1429 dem Feinde einen großen Zug von Lebensmitteln weg; aber die Engländer zogen ihre ganze Macht zusammen, sodaß sich K. bereits anschickte, in die Dauphiné zurückzugehen. In dieser Bedrängnis erschien Jeanne d'Are (s. d.) die Jungfrau von Orléans. Unter ihrer und Dunois' Leitung wurde Orléans im Mai 1429 von den Belagerern befreit und die Engländer mußten sich nach Paris zurückziehen. Das kleine franz. Heer, dessen Kern die schott. Bogenschützen bildeten, schlug nun, von der Jungfrau geführt, die Engländer bei Patay und nahm dann Rheims. Am 17. Juli wurde daselbst K. als König von Frankreich feierlich gekrönt. Nach einem mißlungenen Versuch gegen Paris zog er sich wieder, von Günstlingen umgeben, in Unthätigkeit nach Chinon zurück. Die Jungfrau aber warf sich mit Saintrailles nach Compiegne und wurde bei einem Ausfall gefangen. Mit Recht wirft man dem König und seinen Großen vor, daß sie nichts zur Befreiung der Jungfrau unternahmen, noch ihre Errettung vom Feuertode versuchten. Die Hoffnungen indes, welche die Engländer auf den Untergang der Jungfrau setzten, blieben unerfüllt. Das nationale Gefühl war in den Franzosen erweckt, und der ÜUbermut der Unterdrücker konnte es nur steigern. Nach der Einnahme von Chartres und dem Siege der Franzosen 1432 bei Gerberoi brachte überdies Richemont die Aussöhnung K.s mit dem Herzog von Burgund zu Stande. Der Friede wurde 21. Sept. 1435 zu Arras geschlossen. Richemont rückte nun vor Paris, das 13. April 1436 seine Thore öffnete. Nachdem der König vorher Montereau persönlich genommen, hielt er 12. Nov. 1437 seinen Einzug in die Hauptstadt. Der Krieg wurde seitdem von den erschöpften Parteien nur lässig geführt. Die Franzosen nahmen allmählich die festen Plätze bis auf Calais und rieben endlich 17. Juli 1452² die engl. Macht vollends in der Schlacht bei Castillon auf. Am Ende behielten die Engländer nur noch Calais und die normann. Inseln. Ohne Friedensschluß hatte hiermit der Kampf sein Ende erreicht. K. ordnete nun die Finanzen und richtete eine bessere Rechtspflege ein; schon w1433 hatte er die sog. Pragmatische Sanktion zu Stande gebracht, wodurch die Freiheiten der Gallikanischen Kirche dem päpstl. Stuhl gegenüber begründet wurden. Auf die Bildung eines kunstgeübten stehenden Heers verwendete er große Sorgfalt. Diese Neuerungen erregten besonders unter den Großen viele Unzufriedenheit. Ihr unter dem Namen der Praguerie bekannter Aufstand wurde jedoch vom Grafen Richemont unterdrückt, und der König verzieh den Schuldigen. K. vereinigte jetzt die das Land belästigenden Soldatenscharen und schickte unter dem Befehl des Dauphin dem Kaiser Friedrich III. ein Korps von mehr als 40000 Mann sog. Armagnaken gegen die Schweizer zu Hilfe. Nachdem der Dauphin einen Teil der Truppen durch die Schlacht unweit Basel 26. Aug. 1444 verloren, zog er sich mit den übrigen zurück und besetzte verschiedene Plätze im Elsaß, Breisgau und Sundgau. Der König selbst erschien hierauf mit einem andern Heere und belagerte Metz, angeblich, um es seinem Schwager, dem Herzog René von Lothringen, zu unterwerfen. Die Stadt erlegte jedoch eine bedeutende Geldsumme, und K. stellte diesen Krieg ein, indem er die sämtlichen Truppen entließ. Unter seiner milden Regierung hatte Frankreich Zeit, sich wieder zu erholen; unter ihm begann auch die Errichtung eines stehenden franz. Heeres (1445 Ordonnanzkompagnien, 1448 Freischützen). Den Lebensabend des Königs trübten die Anschläge seines Sohnes, Ludwigs XI. (s. d.), von dem er sogar vergiftet zu werden fürchtete. Er enthielt sich darum längere Zeit des Essens und führte so, wie man behauptet, 22. Juli 1461 zu Melun seinen Tod herbei. Vgl. außer der bei Karl VI. angeführten Litteratur: Histoire de Charles VII par Jean Chartier etc., mise en lumière par Godefroyo (Par. 1661); Vallet de Viriville, Histoire de Charles VIIo (3 Bde., Par. 1862—65); Clément, Jacques Cœur et Charles VIID (Par. 1874); Du Fresne de Beaucourt, Le caractère de Charles VIIy (2 Bde., Par. 1875); derselbe, Mlistoire de Charles VII. Tome II. Le roi de Bourges 1422—299 (Par. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 114Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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