FeedKarl I. (Eitel Friedrich Zephyrin)
GeschichteBrockhaus 1882

Karl I. (Eitel Friedrich Zephyrin), König von Rumänien, zweiter Sohn des Fürsten Karl Anton von Hohenzollern, geb. 20. April 1839, trat, nachdem er 1850—56 in Dresden durch Privatlehrer eine treffliche wissenschaftliche Vorbildung erhalten atte, 1857 in die preuß. Armee. Gelegentlich der Mobilmachung von 1859 rückte er in das Gardeartillerieregiment ein, machte später Reisen nach Frankreich, Belgien, England, Spanien, Portugal und Nordafrika, besuchte darauf die Universität zu Bonn und kam 1863 als Premierlieutenant in das 2. Gardedragonerregiment. Im Herbst desselben Jahres folgte er einer Einladung Napoleons III. nach Compiegne, machte dann in der unmittelbaren Umgebung des preuß. Kronprinzen den dän. Feldzug mit und wurde bei der Rückkehr aus Schleswig Rittmeister. Im Einverständnis der Leiter des gewaltsamen bukarester Thronwechsels vom 11/½23. Februar 1866 mit Napoleon III. durch ein Plebiscit zum Fürsten von Rumänien gewählt, begab er sich, als die Truppenbewegungen zwischen Preußen und Osterreich bereits begonnen hatten, nicht ohne Gefahr durch OÖsterreich und über die Donau nach Turnu-Severin und hielt am 22. Mai 1866 seinen Einzug in Bukarest. Am 12. Juli beschwor er die ihm vorgelegte Verfassung. Trotz großer Schwierigkeiten faßte er den Entschluß, der mit einer militärischen Intervention drohenden Türkei mit den Waffen entgegenzutreten, beschwichtigte das damals aufs höchste gestiegene Mißtrauen Osterreichs und Rußlands und regenerierte im Laufe der ersten zehn Regierungsjahre alle Zweige des Staatswesens, indem er, unter fortwährenden Kämpfen der Parteien, teils die linke, teils die rechte Seite der Volksvertretung heranziehend, den nationalen Emancipationsbestrebungen beider Rechnung trug und besonders durch Beförderung des Eisenbahnbaues die ökonomische Hebung des Landes bewirkte. Im Nov. 1869 vermählte er sich mit der Prinzessin Elisabeth (s. d.) von Wied und verlor, April 1874, die einzige Tochter aus dieser Ehe. Als am 22. März 1871 die Deutschen in Bukarest, gelegentlich der Feier des Geburtstags des Deutschen Kaisers, vom Pöbel insultiert wurden, war Fürst K. zur Abdankung entschlossen und nahm diesen Entschluß nur infolge dringender Vorstellungen seitens der Vertreter der auswärtigen Mächte und der hervorragendsten Konservativen zurück. Beim Ausbruch des Russisch— Türkischen Kriegs 1877 schloß er eine Konvention mit Rußland ab, eilte der hartbedrängten russ. Armee zu Hilfe und trug wesentlich zur Eroberung von Plewna und zur Gefangennehmung Osman Paschas bei. Nachdem am 21. Mai 1877 in Bukarest die Unabhängigkeit Rumäniens und am mißt, sind unter C aufzusuchen. Karl Emanuel J. (König v. Sardinien) 26. März 1881 die Erhebung desselben zum Königreiche proklamiert worden war, leistete König K. den Beschlüssen der Londoner Konferenz und speziell den absorbierenden Bestrebungen Ssterreichs in Betreff der Donaufrage lebhaften Widerstand, sodaß nach einem Besuche desselben an den Höfen von Berlin und Wien im Sommer 1883 die Lösung dieser wichtigen europ. Angelegenheit vertagt wurde. (S. Rumänien.)

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 120Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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