FeedAlbrecht (Friedr. Rud.)
GeschichteBrockhaus 1882

Albrecht (Friedr. Rud.), Erzherzog von Ssterreich, ältester Sohn des 3. 8. 18 arl, des Siegers von Aspern, geb. 3. Aug. 1817 zu Wien, genoß eine militärische Erziehung, deren theoretischen Teil sein Vater leitete. Ende 1836 begann A. den praktischen Kriegsdienst in Gratz, im 13. Infanterieregiment, als Kommandant eines Bataillons, bis er als Oberstlieutenant des 4. Kürassierregiments (Baron Mengen) 1839 in Ungarn stationiert wurde. Anfang 1839 begleitete er seinen Vater nach Neapel und im folgenden Sommer hatte er zwei Missionen, in Berlin und in Petersburg, ausdert⸗ nal Im J. 1840 zum Generalmajor beförert, nahm er Anteil an den Manövern, welche Radetzky in Italien leitete, und besuchte 1843 das Lager der deutschen Bundestruppen zu Lüneburg. Zurückgekehrt, wurde er zum Feldmarschalllieutenant und ad latus Kommandanten von Mähren ernannt und leitete daselbst wie seit 1845 in Österreich die großen Manöver. Durch die Märzereignisse 1848 in Wien veranlaßt, vom Militärgouvernement zurückzutreten, begab sich der Erzherzog nach Italien und machte als Volontär den ersten Feldzug Radetzkys gegen Karl Albert mit, besonders sich bei Sta.Lucia hervorthuend. Im Dez. 1848 erhielt er das Kommando einer Division der Avantgarde, mit welcher er bei Mortara (21. März 1849) der großen übermacht des Feindes standhielt und zwei Tage sheid bei Novara wesentlich zur siegreichen Entscheidung des Kampfes beitrug. Seine Haltung an diesen beiden Schlachttagen brachte ihm die höchste militärische Auszeichnung, das aria-Theresienkreuz, ein. An der Spitze seiner Division rückte er in Toscana ein, nahm dort teil an der Einnahme von Livorno und erhielt dann auf kurze Zeit die Stellung eines Gouverneurs der Bundesfestung Mainz. Ende 1850 übernahm er zur Zeit des österr.⸗preuß. Konflikts den Oberbefehl über ein an der Grenze von Nordböhmen vereinigtes Korps, welches jedoch durch den Olmützer Vertrag nicht dazu gelangte, in Aktion zu treten. Im Sept. 1851 wurde er Kommandant der Dritten Armee und Generalgouverneur Ungarns. Während des Italienischen Kriegs von 1859 hatte A. die Bestimmung, für den Fall einer Beteiligung des Bundes an dem Kriege gegen Frankreich die Operationen der deutschen Truppen am Rheine mit einem österr. Korps zu unterstützen. In demselben Jahre wurde der Erzherzog zu diplomatischen Missionen nach Berlin und Warschau verwendet. Im 1860, als das absolutistische Staatsregiment in ngarn gestürzt wurde, verließ A. Ungarn und seine Gouverneurstelle und wurde nach Vicenza als Korpsbefehlshaber unter Benedek entsendet. Bald darauf wurde er zum Präsidenten des Marschallsrats und zum Generalinspektor der Armee ernannt und 1863 zum Feldmarschall. Während des Kriegs von 1866 erfocht der Erzherzog als Oberkommandant der Südarmee 24. Juni den glänzenden Sieg bei Custozza (s. d.). Er wurde 10. Juli zum Kommandanten aller operierenden Truppen OÖsterreichs und 22. Sept. 1866 zum Generalinspektor sämtlicher Truppen ernannt. Als solcher erwarb er sich große Verdienste um die Reform des Wehrsystems und die Reorganisation des österr. Heeres. Am 18. April 1877 feierte die Armee sein 50jähriges Dienstjubiläum. A. leitete in diesem und in den folgenden Jahren die großen Manöver in Mähren, Böhmen, Ungarn und (1880) Galizien, als deren Resultat der Beschluß, die galiz.⸗russ. Grenzfestungen sofort zu erbauen, zu betrachten ist. Im Spätherbst und Winter lebt A. in Südtirol, in Arco, wo er sich ein Schloß erbaut und einen werkthätigen Anteil an der Schöpfung dieses klimatischen Kurortes genommen hat. Der Erzherzog ist auch als militärischer Schriftsteller aufgetreten mit Wie soll Gsterreichs Heer organisiert sein? Allen Patrioten Gesamt-Osterreichs gewidmetv (Wien 1868) und «über die Verantwortlichkeit im Kriegeß (Wien 1869; englisch von Wyatt, Lond. 1869; französisch von L. Dufour, Wien 1869). Erzherzog A. gehört zu den reichsten Großgrundbesitzern von Psterreich und Ungarn; sein Erbe wird sein ältester Neffe, der Erzherzog Friedrich (geb. 4. Juni 1856, Erche des Csaberd⸗ Karl Ferdinand und der Erzherzogin Elisabeth, k. k. Oberst des 13. Linien-⸗Infanterieregiments, vermählt seit 8. Okt. 1878 mit Isabella, Tochter des Herzogs Rudolf von Croy, geb. 27. Febr. 1856). In seinem Palaste in Wien befindet sich die berühmte Sammlung von Handzeichnungen und Kupferstichen, «Albertinav genannt nach ihrem Gründer, dem Gemahl der Erzherzogin Maria Christina, Albrecht von Sachsen-Teschen (s. d.). A. war vermählt seit 1. Mai 1844 mit Hildegard, einer Tochter des Königs Ludwig I. von Bayern, und ist seit 2. April 1864 Witwer; aus dieser Ehe 19. Keal. 1 ein Sohn: Karl, geb. 3. Jan. 1847, gest. 19. Juli 1848, und zwei Töchter: Maria Theresia, geb. 15. Juli 1845, vermählt mit Hund Mathilde von Württemberg 18. Jan. 1865, und Mathilde, geb. 25. Jan. 1849, gest. 6. Juni 1867 an Brandwunden, die sie 23. Mai durch zufällige Entzündung ihrer Kleider erhalten hatte.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 1, S. 345Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

Auf derselben Druckseite 1

Ähnliche Artikel 6

Mehr aus Geschichte 6