FeedKarl Friedrich
GeschichteBrockhaus 1882

Karl Friedrich, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach w1828 53, geb. zu Weimar 2.Febr. 1783 als der ältere Sohn des Großherzogs Karl August (s. d.), genoß eine sorgfältige amdwun und vermählte sich 1804 mit Maria Paulowna (geb. 16. Febr. 1786), der Tochter Kaiser Pauls von Rußland. Während eines Aufenthalts in Petersburg traf 2201 die Nachricht von dem 14. Juni 1828 erfolgten Ableben seines Vaters, infolge dessen er die Regierung des Großherzogtums antrat. Er beschränkte sofort die Ausgaben für den Hofhalt und traf zweckmäßige Einrichtungen für die Bewirtschaftung der Waldungen. In beratendem Verein mit den Landständen sorgte er für die Vervollständigung der Gesetzgebung 1 den Bedürfnissen der Zeit, besonders auch für Kirche und Unterrichtswesen. Ferner suchte er Landbau, Handel und Gewerbe zu sördern und zu beleben und nahm lebhaften Anteil an dem Zustandekommen des Zollvereins. Die allgemeine deutsche Bewegung des J. 1848 berührte auch Weimar, indem sich hier namentlich das Verlangen nach der Vereinigung des Lermgene Kammer⸗ mit dem landschaftlichen Vermögen geltend machte. Der Großherzog wußte indessen teils dur erfolgreiches persönliches Auftreten gegenüber im Schloßhofe zu Weimar tumultuierenden Scharen, teils durch Einleitung umfassender Veränderungen in der Staatsverwaltung und Berufung des liberalen Staatsrats von Wydenbrugk in das Ministerium der Bewegung entgegenzutreten. Die Herstellung der Preßfreiheit, die Vereinigung des Kammer⸗ mit dem landschaftlichen Vermögen, die Reform der landständischen Vertretung und die 1850 publizierte Gemeindeordnung des Großherzogtums waren die Resultate der Bewegung von 1848 für Weimar. Der Großherzog K. starb 8. Juli 1853. Seine durch Wohlthun und hilfreiche Thätigkeit ausgezeichnete Gemahlin Maria Paulowna folgte ihm 23. Juni 1859. Aus ihrer Ehe entsprossen drei Kinder: der Sohn und rehun D Großherzog Karl Alexander (s. d.); Prinzessin Marie (geb. 3. Febr. 1808), vermählt seit 26. Mai 1827 mit dem Prinzen Karl von Preußen, gest. 18. Jan. 1877; Prinzessin Auguste (geb. 30. Sept. 1811), vermählt seit 11. Juni 1829 mit dem Prinzen Wilhelm von Preußen, dem spätern Deutschen Kaiser. darl Alexander, Großherzog von Sachsen-Weimar-Eisenach seit 1853, geb. zu Weimar 24. Juni 1818, der einzige Sohn des Großherzogs Karl Friedrich und der Großfürstin Maria Paulowna, wurde von dem hochgebildeten Legationsrate F. Soret (gest. 1865) aus Genf erzogen, widmete sich, nachdem er 1834 und 1835 Italien bereist, c1835—37 den Studien auf den Hochschulen von Jena und deich Scbot bereiste in den folgenden Jahren Ssterreich, Schottland, England und Holland. Nach einem mehrjährigen Aufenthalt in Breslau, woselbst er in einem preuß. Kürassierregiment Dienst that, begab er sich 1841 nach Petersburg an den ihm nahe verwandten russ. Hof, wohin er auch später öfters zurückkehrte. Am 8. Okt. 1842 vermählte er sich mit der Prinzessin Wilhelmine Marie Sophie Luise (geb. 8. April 1824), der Tochter König Wilhelms II. der Niederlande. Nachdem er Durch den Tod seines Vaters 8. Juli 1853 zur Regierung gelangt, bewies auch er sich in allen seinen Regentenhandlungen als ein echt konstitutioneller Fürst und wußte die Segnungen, welche die Regierung seiner Vorgänger dem Lande aer 8e durch eine auf Einführung neuer zeitgemäßer eformen gerichtete Politik im Innern wie durch eine streng nationale Haltung nach außen zu vermehren. Die Achtung und Liebe, welche er während seiner Regierung sich erworben, traten namentlich zu Tage bei der Feier des 50jährigen Bon rich der weimarischen Verfassung (Mai 1866). Von Liebe zu den Künsten und Wissenschaften beseelt, fördert er im Verein mit seiner glei gesinnten Gemahlin gern künstlerische und wissenschaftliche Bestrebungen und ist insbesondere stets darauf bedacht, daß seine Residenz Weimar und die Universität Jena ihre Bedeutung als Pflegstätten der Künste und Wissenschaften behaupten. Seiner Kunstliebe ist auch die Wiederherstellung der Wartburg zu verdanken. Aus seiner Ehe sind drei Kinder entsprossen: der Erbgroßherzog Karl August, geb. 31. ane 1844, vermählt seit 26. Aug. 1873 mit Pauline, Prinzessin von Sachsen-Weimar-Eisenach; Prinzessin Marie, geb. 20. Jan. 1849, vermählt seit 6. Febr. 1876 mit dem Prinzen Heinrich VII. Reuß: Prinzessin Elisabeth, geb. 28. Febr. 1854.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 131Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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