Karlstadt (eigentlich Andreas Rudolf Bodenstein), Vorkämpfer der deutschen Reformation, um 1480 zu Karlstadt in Franken geboren, studierte auf ital. Universitäten, ward 1504 an die Universität Wittenberg berufen, wo er anfangs in der philos. Fakultät lehrte, aber 1510 Doktor der Theologie, 1508 Kanonikus am Allerheiligenstift, 1513 Archidiakonus an der Stiftskirche wurde. Seine Schriften zeigen große Gelehrsamkeit und dialekti1ue Gewandtheit, aber zugleich große Eitelkeit. Als trenger Thomist trater Luthers Bekämpfung derAristotelischen Philosophie entschieden entgegen, stellte sich aber später auf Luthers Seite und veröffentlichte schon 26. April 1517 152 Thesen gegen die Scholastiker. Diese führten zu der leipziger Disputation (27. Juni 1519) mit Eck, wo Luther zuerst entschiedener hervortrat. In den nächsten Jahren trat K. mit aller Entschiedenheit für die Sache Luthers ein. Bald aber kam er auf eigentümliche mystische Gedanken und erstrebte in Verbindung mit den Zwickauer Propheten und Thomas Münzer eine raschere Reform des äußern Kultus. Als Luther auf der Wartburg weilte, versuchte K. in Wittenberg die Feier des Abendmahls unter beiderlei Gestalt und die Beseitigung der Bilder durchzusetzen. Luthers Rückkehr verhinderte dies. Die Wissenschaft verachtend, weigerte sich K. 1523 akademische Grade auszuteilen, stellte seine Lehrthätigkeit ein und begab sich auf seine Pfarrei Orlamünde. Seine radikalen Neuerungen veranlaßten, daß er 1524 des Landes verwiesen wurde. Auf Luthers Verwendung ward ihm jedoch 1525, nachdem er seine Irrlehren, besonders vom Abendmahl, widerrufen hatte, die Rückkehr nach Wittenberg gestattet. K. lebte hier jedoch unter steter Aufsicht und durfte nichts drucken lassen. Im J. 1526 ließ er sich in dem Städtchen Kemberg nieder und nährte sich von einem kleinen Handel. Als 1527 der Abendmahlsstreit zwischen Luther und den Schweizern wieder ausbrach, schrieb K. gegen Luther, nahm seinen Widerruf zurück und verließ 1528 Sachsen. Nach kurzem Aufenthalt in Holstein, in Ostfriesland, in Straßburg, kam er in die Schweiz, wurde 1530 Diakonus am Spital in Zürich, 1531 Pfarrer in Altstätten im Rheinthale, 1532 Pfarrer in Zürich, 1534 Pfarrer und Professor der Theologie in Basel, wo er im Dez. 1541 an der Pest starb. Vgl. Jaeger, (Andreas Bodenstein von K.y (Stuttg. 1856).