Karmeliter heißt der Mönchsorden, den wahrscheinlich Berthold aus Calabrien um 1156 als Eremitenverein am Eliasbrunnen auf dem Berge Karmel (s. d.) stiftete, und der durch den zweiten Ordenssuperior Brocard vom Patriarchen Albrecht zu Jerusalem, zu dessen Sprengel der Berg Karmel gehörte, eine mit der alten Basilianischen meist übereinstimmende Regel erhielt (1209), die Papst Honorius III. 1224 bestätigte. Von den Sarazenen verdrängt, siedelten die K. zwischen 1238—44 nach Europa über und ließen sich auf Cypern, in Sicilien, Italien, England, Frankreich, Spanien nieder. Im J. 1247 gab Innocenz IV. ihnen eine veränderte Regel, wodurch die Strenge des Lebens gemildert und der Orden zum Bettelorden gemacht wurde. Der Generalprior Simon Stock stellte den Orden in den besondern Schutz der Jungfrau Maria, weshalb die K. sich seit 1245 Brüder der seligen Jungfrau Maria nannten. Als Zeichen dieses Schutzes galt das Skapulier, bestehend aus zwei Streifen grauen Tuchs, die auf der Brust oder dem Rücken getragen und auf den Schultern miteinander befestigt werden. Von Maria selbst vom Himmel herabgebracht, macht es jeden selig, der es im Leben trägt oder wenigstens darin stirbt, indem Maria jeden Samstag alle damit Bekleideten aus dem Fegfeuer erlöst. Die Milderungen in der Ordensregel führten zu Streitigkeiten und Spaltungen, sodaß sich der Orden allmählich in drei voneinander unabhängige Körperschaften trennte: 1) in die Observanten oder Karmeliterbarfüßer, auch unbeschuhte K. genannt, welche bei der Strenge der ersten Regel ten: 2) in die Konventualen oder beschuhten K., welche nach den von Eugen IV. 1431 und von Pius II. 1459 gemilderten Regeln leben; 3) in die Tertiarier, die anfangs der Regel der Observanten folgten, durch ihren General Stratius unter Papst Urban VIII. aber eine eigene Regel erhielten (1635), welche unter Innocenz XI. verbessert wurde. Außerdem bildeten sich in dem Orden noch mehrere besondere Kongregationen mit eigenen Regeln und Generalen, die unmittelbar unter dem Papste stehen. Die Karmeliterbarfüßer in Italien (Kongregation von Mantua, seit 1433) trennten sich 1600 von denen in Spanien und hatten im 18. Jahrh. 17. Provinzen in Italien, Frankreich, Deutschland, Flandern, Polen und in Asien. Da die Lebensart der K. jede gemeinnützige Thätigkeit ausschloß, wurde ihnen bei den Maßregeln der Regierungen gegen die müßigen Orden die Annahme von Novizen untersagt, und nur in Spanien und Portugal haben sie sich ununterbrochen bis in die neuere Zeit erhalten. Auch in Belgien, Frankreich und Bayern wurden wieder Karmeliterklöster eingerichtet, doch wurden die K. aus Frankreich 1880 vertrieben. Der von Heinrich IV. in Frankreich errichtete Ritterorden Unserer Lieben Frauen vom Berge Karmel hat mit dem Mönchsorden nichts als den Namen gemein. Die Karmeliterinnen sind zuerst in Frankreich durch den Ordensgeneral Soreth 1452 nach der strengen Regel gestiftet und von Papst Nikolaus V. bestätigt worden. Sie verbreiteten sich rasch. Doch unterlagen sie auch den Streitigkeiten und Spaltungen, die durch die Milderung der Regel im Orden hervorgetreten waren. In Spanien reformierte Therese von Cepeda in Altcastilien durch die Stiftung von Nonnenklöstern in Avila und Medina del Campo ihre Ordensschwestern. In Italien nennen sich die Karmeliterinnen auch die Kongregation vom heil. Elias. Die Karmeliterinnen erteilen Unterricht und verfolgen verschiedene Wohlthätigkeitszwecke.