Karratschi, Karantschi, engl. Currachee, befestigte Seestadt in der Präsidentschaft Bombay und Hauptort eines gleichnamigen Kollektorats der Division Sindh, unter 24 51 nördl. Br. und 67 21 östl. L. von Greenwich gelegen, der westlichste Ort des Indobritischen Reichs, mit Kotri auf dem rechten Indusufer gegenüber von Hyderabad (s. d.) durch Eisenbahn, durch regelmäßige Dampfschiffahrt mit Maskat, Bombay u. s. w., sowie seit 1864 durch einen 2400 km langen Telegraphenkabel mit Bassora verbunden, hat in neuester Zeit in politischer, merkantilischer und militärischer Hinsicht eine große, zunehmende Bedeutung erlangt. Der eigentliche Hafenplatz Kiamari liegt 7, EKm im S. der Stadt an einer Meeresbucht von beträchtlicher Tiefe und sicherm Ankergrunde. Der Hafen wird durch das Fort Manora geschützt und ist der größte und sicherste an der ganzen Küste zwischen Bombay und der Westgrenze. Bei Kiamari befinden sich die Eisenbahnstation, das Zollhaus, große Warenlager und einige Dock-Hards zur Ausbesserung der Dampfboote der British India Steam Navigation Company, sowie zur Zusammensetzung neuer, in einzelnen Stücken aus England hierher gebrachter Boote. Vom Hafenplatz führt die Bander⸗ oder Hafenstraße nach K., angelegt von Sir Charles Napier, dem Eroberer von Sindh. Durch die Sindh-Eisenbahn von Kiamari nach Kotri hat K. eine ungemeine kommerzielle Wichtigkeit gewonnen. Es ist jetzt der natürliche Ausgangspunkt des ganzen Indusbeckens und der angrenzenden Länder. Das eigentliche K., die alte Stadt der Eingeborenen, dicht an der See auf sanft ansteigendem Grunde, besteht aus engen, krummen und schmutzigen Straßen mit Lehmhäusern und einem dürftigen Bazar für den Detailverkauf. Gegenüber dieser alten Stadt mit ihrer Sindhibevölkerung bilden die in neuerer Zeit nach der Nordseite und besonders gegen die frequente Hafenstraße hin angelegten stattlichen Häuser, meistens von Parsis und reichen Banianen bewohnt, einen auffallenden Kontrast. Hier befinden sich auch mehrere von der brit. Regierung aufgeführte Gebäude und Anlagen, sowie der geräumige, nach europ. Geschmack erbaute Neue Markt, eine prächtige Schule, sowie an der Hafenstraße das einem Fort ähnliche Zuchthaus. An der Nordseite der Stadt liegt am linken Ufer des Liari der Gouvernementsgarten zum Anbau von Gemüsen für die in K. stationierten Truppen. Von der Stadt selbst führt die etwa 2 kKm lange Hafenstraße in nordöstl. Richtung nach dem Englischen Lager, wo sich eine starke Garnison brit. und eingeborener Truppen befindet. Es ist dies eine neue, für die Truppen, die Offiziere und deren Familien, sowie für die Civilbeamten bestimmte und mit breiten, luftigen und gut chaussierten Straßen regelmäßig angelegte europ. Stadt. Hier befinden sich die Regierungsgebäude, das Museum, eine nicht unbeträchtliche Bibliothek, das Arsenal, die Kasernen für Artillerie und Infanterie, die Baracken für die Sipahis, die Exerzierplätze und eine sehr schöne prot. Kirche, deren hoher Turm zugleich den Schiffen als Wahrzeichen dient. Die Durchschnittstemperatur von K. ist 29· C. Die Hitze, im heißesten Sommer 35, selten 38˙ C., wird durch Seewinde sehr gemildert, und im ganzen gilt das Klima von K. für gesund, obgleich nicht selten Fieber und Dysenterie vorkommen. Die Engländer haben daher als Gesundheitsstation 2 kEm im O. der Stadt auf höherm Meeresufer die kleine Kolonie Clifton angelegt. K. zählte 1853 mit den Vorstädten 22227 E., 1872 bereits 53526 und 1881 etwa 58 000. Den Hauptbestandteil der Bevölkerung bilden die Sindhi, neben denen sich, des Handels und der Schiffahrt wegen, viele Eingeborene aus Katschh und Gudscherat niedergelassen. Die Afghanen nehmen ein eigenes Stadtviertel ein und sind neben den Balutschen der unruhigste Teil der Einwohnerschaft. Gegen Anfang der kühlen Jahreszeit (November) kommen große Karawanen von Mekran, Kelat und andern Teilen Balutschistans, sowie aus Afghanistan, besonders aus Kandahar an, welche Ghi (geschmolzene Butter), Häute, Schafwolle, Asa foetida, besonders aber Pferde auf den Markt bringen und dagegen engl. Baumwollzeuge, kurze Waren, Zucker u. s. w. einkaufen. Die Ausfuhr besteht hauptsächlich in Kamelen, Pferden, Salpeter, Salz, Reis, Getreide, Ghi, Häuten, Talg, Öl, Fischen, Gerberrinde, Indigo und andern Färbestoffen, Baumwolle, Wolle, Seide, Kaschmirshawls und Edelsteinen. Nach Vollendung der bereits in Angriff genommenen Eisenbahn von K. nach Multan und Lahore und Peschawer wird K. sich ohne Zweifel in kurzer Zeit zu einem der ersten Handelsplätze Asiens erheben. mißt, sind unter C aufzusuchen.