FeedKarschin (Anna Luise)
Literatur & SpracheBrockhaus 1882

Karschin (Anna Luise), eigentlich Karsch, be280 deutsche Dichterin, geb. 1. Dez. 1722 auf einer eierei unweit Schwiebus an der schles. Grenze, nißt, sind unter EC aufzusuchen. wurde nach dem frühzeitigen Tode ihres Vaters,2 eines Schenkwirths, Namens Dürbach, bei ihrem t Oheim, einem Amtmann, erzogen. Ihre Mutter brachte sie in einen Dienst, wo sie die Kühe hüten st mußte, zugleich aber die Bekanntschaft eines Hirten-e knaben machte, welcher sie mit Büchern versorgte. i So entstanden während ihres dreijährigen Dienstes t ihre ersten, durch jene Lektüre angeregten Gedichte.f Nachdem sie noch eine Zeit lang als Kinderwärterin r gedient, heiratete sie in ihrem 17. Jahre einen k Tuchmacher, Namens Hirsekorn, zu Schwiebus, mit f dem sie eine qualvolle Ehe führte. Von ihm ge-t schieden, verheiratete sie sich dann mit einem Schneider Karsch in Fraustadt, der jedoch, dem Trunke ergeben, sein Vermögen und auch all das Geld verschwendete, welches sie durch Gelegenheits-Hd dichtungen verdiente. Nachdem sie mit ihrem Manne sich nach Großglogau begeben, wurde sie durch den Baron von Kottwitz 1760 nach Berlin gezogen, wo; die glänzendste Zeit ihres Lebens und ihrer Dichterlaufbahn begann. Man zog sie in die ersten Gesellschaften und ergötzte sich an ihrer Fertigkeit zu improvisieren und Gedichte sogleich niederzuschreiben. Ramler, Mendelssohn, Gleim u. a. unterstützten sie. Gleim gab eine Sammlung ihrer «Auserlesenen Gedichte (Berl. 1764) heraus und verschaffte ihr dadurch 2000 Thlr. Der Graf von Stolberg⸗-⸗Wernigerode und andere bewilligten ihr Jahrgelder allein dies alles reichte nicht zu, sie selbst, ihre zwei Kinder und ihren Bruder zu ernähren. Friedrich II., an den sie sich mehrmals gewendet hatte, zeigte ihr wenig Teilnahme; sein Nachfolger, Friedrich Wilhelm II., schenkte ihr in Berlin ein kleines Haus. Sie starb daselbst 12. Okt. 1791. Zwar ist keins ihrer Gedichte vollkommen rein und tadellos; aber Natürlichkeit des Gefühls, Feuer der Empfindung und Kraft des Ausdrucks lassen sich in tes Liedern nicht verkennen. Die Energie ihres Geistes bekundet sich darin, daß sie sich selbst an die polit. Poesie wagte, Schlachtlieder dichtete und Friedrichs II. und Preußens Größe in patriotischen Oden feierte; aber unter Gleims und Ramlers Einfluß sank ihre naive Naturdichtung zu einer wässerigkorrekten Kunstdichtung herab. Durch ihren zweiten Gatten wurde sie Mutter der Karoline Luise von Klenke (geb. 21. Juni 1754 zu Fraustadt, gest. 21. Sept. 1812 zu Berlin), die außer mehrern eigenen Schauspielen, Gedichten und andern Schriften auch die 4Gedichter ihrer Mutter nebst deren Lebenslauf (Berl. 1792; 2. Aufl. 1797) herausgab, und Großmutter der Schriftstellerin Helmina von Chezy. Vgl. Heinze, «Anna Luise K. »(Anklam 1866).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 152Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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