Dorothea, Kurfürstin von Brandenburg, die zweite Gemahlin des Großen Kurfürsten, geb. 28. Sept. 1636 als Tochter Herzogs Philipp von Holstein-Glücksburg, heiratete 17jährig den Herzog Christian Ludwig von Lüneburg, der, ohne Kinder zu hinterlassen, 1665 starb. Drei Jahre darauf vermählte sie sich mit Kurfürst Friedrich Wilhelm, der an R eine kluge und treu hingebende Genossin seiner Mühen und Feldzüge und eifrige Pflegerin in den Jahren des Alters und seiner Leiden erwarb. — acht Jahren gebar sie dem Fürsten noch vier öhne und drei Töchter, für die sie eine mütterliche rsorge bewies, während sie mit den Kindern iedrich Wilhelms aus dessen erster Ehe in Zerwürfnisse geriet. Dieselben steigerten sich so, daß die Skandalsucht der Zeit den plötzlichen Tod des Kurprinzen Ludwig (April 1687) der verbrecherischen Hand seiner Stiefmutter zuschrieb und den munmehrigen Erben Friedrich zur Entfernung vom Hof na Dannover veranlaßte, von wo ihn erst der energische Befehl des Vaters zurückbrachte. Jedenalls ist die Wahrheit dieses Verdachtes ebenso in rede zu stellen wie die Nachrede, daß D. den Großen Kurfürsten zu dem angeblichen Testament bewogen habe, in welchem er zu Gunsten ihrer Söhne den Staat zerstückelt und die Souveränetät zerteilt haben soll. In Wirklichkeit wahrt dies Testament von 1686, obschon es den Kindern Dis wertvolle Gebiete ausschneidet, doch die Einheit des Staats. Da es von dem Nachfolger Friedrich III. nach seinem Regierungsantritt sofort kassiert wurde, so waren auch diese Hoffnungen der Fürstin vergeblich. Im Genuß einer reichen Witwenpension überlebte sie den Tod ihres Gemahls nur ein Jahr. Auf einer Badereise starb sie in Karlsbad 6. Aug. 1689. Vgl. Droysen, «Das Testament des Großen Kurfürsteno (in den Abhandlungen der Sächsischen Gesellschaft der Wissenschaftene, Lpz. 1866).