Kartätschgeschütze, für welche auch die Bezeichnungen Mitrailleusen, Repetiergeschütze, Infanteriekanonen (frz. canons à balles), Revolverkanonen, Kugelspritzen vorkommen, beruhen auf der Verbindung mehrerer Feuerrohre geringern Kalibers zu einem einheitlichen System mit gemeinsamer Ladevorrichtung, vermögen daher ein sehr schnelles Feuer abzugeben und bilden im übrigen ein Mittelding zwischen Geschützen und Handfeuerwaffen. Den erstern entsprechen sie durch die Einrichtung des Untergestells, welches je nach dem Gebrauchsort eine fahrbare Lafette sein kann, durch das Gesamtgewicht, wie durch die Art und Weise ihrer Bedienung und Handhabung, während sie in ihrer Wirkung sich mehr den Handfeuerwaffen anschließen, insofern sie Geschosse geringern Gewichts schießen, deren Wirkung in der Hauptsache auf lebende Ziele berechnet ist. K. schleudern vermöge ihrer mechan. Einrichtung in sehr kurzer Zeit eine sehr große Anzahl von Geschossen und konkurrieren daher bezüglich der Massenhaftigkeit der Wirkung auf lebende Ziele mit den Streugeschossen der Geschütze, den Kartätschen und Shrapnels, daher auch der Name K. Vermöge ihrer sichern Unterlage sind die K. den Handfeuerwaffen an Trefffähigkeit und Tragweite überlegen und gestatten bei der größern Freiheit in der Wahl des Kalibers mannigfaltigere Geschoßeinrichtungen, namentlich auch die Anwendung von Spreng-⸗ und von Kartätschgeschossen. Die K. vermögen die eigentlichen Geschütze wie auch die Handfeuerwaffen in besondern Fällen mit Vorteil zu ersetzen, namentlich wo es sich darum handelt, aus stabilen Positionen und von beschränkten Aufstellungsorten her ein massenhaftes Feuer zu entwickeln. Sie finden daher besonders Anwendung in Festungen als Flankengeschütze und auf der Flotte. Die Bestrebungen, die K. als Feldgeschütze zu verwenden, haben keinen dauernden Erfolg gehabt; in diesem Falle tragen jene alle schwachen Seiten der Geschütze, ohne deren Vorzüge zu vereinigen. Die ältesten Arten von K. sind die Orgelgeschütze und die Espingolen. (S. die Spezialartikel und Geschütz.) Dieselben waren bei der geringen Stufe, auf welcher sich die Technik der frühern Jahrhunderte befand, von sehr geringen Leistungen. Der Gegenwart mit ihren hoch ausgebildeten technischen Mitteln und ihrem rastlosen Streben nach Vervollkommnung auf allen Gebieten des Waffenwesens gelang es, den K. eine vollkommenere Gestalt zu verleihen. Hierher gehört zunächst die Gruppe der eigentlichen Revolverkanonen, bei welchen ein im Kreise gelagertes Rohrbündel von 4 bis 10 Läufen sich um eine gemeinsame Längenachse dreht, jeder Lauf einzeln mit Patronen gespeist wird und bezüglich der Stellung der Schloßteile u. s. w. in einem andern Stadium sich befindet, sodaß das einzelne K. ein ununterbrochen fortlaufendes Feuer auszuüben vermag. Den Gegensatz hierzu bilden diejenigen K., bei welchen das Feuer mehr lagenweise Ealeichzei wird, indem das K. mit so viel Patronen gleichzeitig gespeist wird, als der Rohrkörper Läufe besitzt, die hier auch in größerer Zahl vorkommen. Die Schüsse der einzelnen Lage werden in beliebigem Feuertempo nacheinander abgegeben, letzteres kann so beschleunigt werden, daß die Abgabe der Schüsse einer Salve ähnlich wird, nach der eine gewisse Ipendench eintritt. Man pflegt solche K. als Salvengeschütze zu bezeichnen. Eine dritte Gruppe wird durch diejenigen K. gebildet, bei welchen eine Anzahl Läufe neben-, eventuell auch übereinander liegen und keine Drehung haben, bei denen ferner jeder Lauf für sich gespeist wird und alle in gleichem Stadium sich befinden, ausgenommen das Abfeuern, was bei jedem Lauf einzeln, indes in beliebigem Tempo erfolgt. Sie vermeiden ebensowohl die Komplikationen des Drehmechanismus der Revolverkanonen, wie die Feuerpausen der Salvengeschütze, und vermögen mit einer viel geringern Anzahl von Läufen als die letztern auszukommen. Die ältesten Revolverkanonen sind die des Nordamerikaners Gatling (s. d.), auch Gatlingkanonen genannt, welche bereits im Secessionskriege (1860—65) seitens der Unierten gebraucht wurden und seitdem eine ausgedehnte Verbreitung und Fortbildung erfahren haben. Die Gatlingkanonen als zehnläufige K. vom Kaliber der Infanteriegewehre fanden unter anderm in Rußland und England Annahme und seitens des erstern vor Plewna 1877, seitens des letztern im ägypt. Feldzug 1882 vorteilhafte Verwendung. Eine Fortbildung des Gatlingschen Prinzips zeigt die Hotchkißkanone, wie sie im Deutschen Reich für Marine und Festungen, außerdem in Frankreich und Rußland für die Marine zur Einführung gelangt ist. Dieselbe ist auf Tafel Geschütz II, Fig. 6 (Bd. VII, S. 891) zur Darstellung gebracht. Der Erfinder Hotchkiß vereinfachte den Mechanismus der Revolverkanone, indem er nur eine Lade- und eine Abfeuervorrichtung für sämtliche Läufe anbrachte, während bei Gatling jeder der letztern sein eigenes Schloß hat. Die auf der genannten Tafel abgebildete deutsche Hotchkißkanone, welche hier als Schiffsgeschütz funktioniert, ist fünfläufig, vom Kaliber 37 mm. Die Handhabung des Mechanismus geschieht durch die Kurbel, welche der Matrose in der rechten Hand hält. Das Bodenstück macht dabei (im Gegensatz zu Gatling) die Drehung der Läufe nicht mit. Mit der linken Hand gibt der Matrose dem K. die gehörige Höhen- und Seitenrichtung, wobei er, ähnlich wie beim Gewehr, den Bewegungen des Gegners mit dem Geschütz zu folgen nißt, sind unter C aufzusuchen. vermag. Das links hinten aus dem Rohre heraustretende Schulterstück gibt dem Geschütz Anlehnune an die Schulter des Schützen. Der jedesmal zu unterst befindliche Lauf ist schußbereit. Während des Abfeuerns stehen die Läufe selbstthätig still. Am Bodenstück befindet sich links der Ladetrichter, welcher, wie die Figur zeigt, die Patronenzuführung bewirkt. Das Gewicht ohne Rahmen ist 210 kg. Zu den Salvengeschützen gehört das von dem franz. Oberst Reffye (s. d.) erfundene, 1867 in die franz. Feldartillerie eingestellte Canon à balles mit 25 zu einem Körper vereinigten Läufen von 13 mm Kaliber, welches namentlich in der ersten Periode des Deutsch-Französischen Kriegs 1870 und 1871eine umfassende Verwendung gefunden hat, ohne indeß den gehegten großen Erwartungen zu entsprechen, jetzt aber veraltet ist, und der von den belg. Fabrikanten Montigny u. Christofle erfundene Mitrailleur mit 37 Läufen von 14 mm Kaliber. Im J. 1870 wurde derselbe als Mitrailleur Montigny in Osterreich-Ungarn angenommen, in Kaliber und bezüglich der Patrone mit dem Infanteriegewehr in übereinstimmung gesetzt. Die anfänglich beabsichtigte Einstellung in die Feldartillerie, namentlich der Honvédarmee, ließ man 1875 fallen, und findet dieses K. jetzt nur noch in Festungen Verwendung. Zu der dritten Gruppe, den eigentlichen Repetiergeschützen, zählen das K. von Palmkrantz-Winborg, welches in Schweden für Landheer und Flotte, in Rußland für die Flotte Annahme gefunden hat, mit 10 Läufen vom Kaliber 27 mm und die zahlreichen Konstruktionen von Nordenfelt, worunter eine vierläufige vom Kaliber 25,4 mm von der engl. Admiralität angenommen ist, in der Absicht, mittels der Stahlgranaten derselben die Wände des Schiffskessels feindlicher Torpedoboote zu durchbohren und damit ihre Angriffe abzuwehren. Was die Munition der K. betrifft, so verfeuern sie sämtlich Patronen mit gasdichten Hülsen, namentlich mit Messinghülsen und mit Centralzündung. Die Geschosse der kleinern Raliber (Gewehrkaliber) sind von Blei, der größern von Stahl. Die Bleigeschosse sind voll, die stählernen zum Sprengen eingerichtet. Die größern Kaliber haben auch Kartätschen. Bei der deutschen Hotchkißkanone existiert eine Granate mit Kupferführung und Perlussionszünder von 455 g Gewicht mit 23 Sprengladung, sowie eine Kartätsche mit 19 Hartbleikugeln und 3 Segmentstücken als Füllung. Die Pulverladung beträgt 77 g, die Anfangsgeschwindigkeit der Granate 402 m. Die (25, mm) Nord enfelt— Mitrailleuse hat eine Granate aus gehärtetem Stahl von 206 g Gewicht. „Kartätschgrauate (Granatkartätsche) soviel wie Shrapnel (s. d., vgl. Geschoß, Bd. VII, S. 878