FeedKatechetik
ReligionBrockhaus 1882

Katechetik (grch.) heißt Alchres wfr der Unterricht in der christl. Glaubenslehre, wird aber jetzt speziell auf den Jugendunterricht bezogen, für welchen man in neuerer Zeit eine eigene Hrutterne aufstellte. Daher heißt K. jetzt eben diese Kunstlehre selbst, der ihr gemäß erteilte Unterricht aber Katechisation. Die bei solchem Unterricht notwendige Methode des Fragens und Antwortens heißt die katechetische oder die katechisierende im Unterschied von dem zusammenhängenden Vortrag (der akroamatischen Methode). In der alten Kirche waren die Katechumenen Erwachsene, und auf ihre Airchenlere zwecken verschiedene Schriften der Kirchenlehrer, wie des Cyrill von Jerusalem, des Augustinus u. a., ab. Die Katechetenschule zu Alexandria, welche in der Mitte des 3. Jahrh. blühte, war eine theol. Lehranstalt für künftige Geistliche. Ein religiöser Jugendunterricht wurde erst im Mittelalter eingeführt. Derselbe bestand jedoch 105 nur darin, daß man den Glauben, das Vaterunser, die Zehn Gebote und das Ave Maria auswendig lernen ließ. Die Reformation gab durch ihre Katechismen auch dem katechetischen Unterricht einen neuen Anstoß. Aber bei der überwiegend dogmatisch-polemischen Richtung des Zeitalters bestand derselbe vorzugsweise nur in einer genauen überlieferung der orthodoxen Lehrbestimmungen, insbesondere der Lehrunterschiede der luth. Kirche von der katholischen und reformierten. Die kirchlichen Katechisationen gerieten dabei suit ganz in Vergessenheit. Spener und Francke wirkten für Wiederherstellung derselben und zugleich für eine lebendigere, auf religiöse Erweckung abzweckende Behandlung des katechetischen Unterrichts überhaupt. Der Rationalismus sucht die Kunst des Katecheten darin, daß er die Begriffe aus der Seele des Lernenden gleichsam hervorzulocken und zu entwickeln verstehe. Diese katechetische Unterrichtsform, deren sich schon Sokrates bediente, hat man die Sokratische Methode oder Sokratik genannt. Das Ungenügende derselben lag aber darin, daß dabei gerade der eigentliche Hauptzweck des Religionsunterrichts. die religiöse Gemütsbildung, fast ganz hinter bloßen Verstandesübungen zurücktrat. Um nichts besser war freilich das von der restaurierten Orthodoxie an die Stelle gesetzte äußerliche Überliefern und Einprägen fertiger Dogmen auf kirchliche oder biblische Autorität hin. Die richtige katechetische Methode zu finden, ist äußerst schwer und sebt die Fähigkeit voraus, in den Anschauungs- und Vorstellungskreis der Jugend einzugehen, um denselben allmählich zu erweitern, zu bilden und zu reinigen. Einen neuerdings wieder mit Vorliebe gepflegten Teil der K. machen die Kirchenkatechi-Deronf aus, deren Zweck es Eatoten ist, für ie konfirmierte Jugend den Religionsunterricht der Schule fortzusetzen und zu befestigen. Vgl. Daub, «Lehrbuch der K.y (Frankf. 1801); Schwarz, 4Katechetik (2. Aufl., Gieß. 1819), Palmer, «Evangelische K.» (Stuttg. 1844; 4. Aufl. 1856); von Zezschwitz, «System der christl.⸗kirchlichen K.y (2. Aufl., 2 Bde., Lpz. 1872—74).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 180Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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