Kattun (zunächst aus dem ital. cotone gebildet, welches Wort, wie das frz. coton und das engl. cotton, vom arab. koten, d. i. Baumwolle, abstammt) ist, obwohl häufig auch auf andere glatte, etwas steif und glänzend appretierte Baumwollzeuge, wie Kittay, Nanking, Perkal ausgedehnt, die eigentliche Benennung für leinwandartig aus unefärbtem Baumwollgarn Nr. 16 —30 gewebte Zeuge, welche hauptsächlich für den Druck bestimmt sind, zum geringern Teil weiß als mfarbig Nessel und Futterleinwand, oder auch einfarbig gefärbt als Futterkattun, im letztern Fall mit besonders starker, glänzender Appretur, in den Handel kommen. Als die charakteristische Behandlungsweise der im engsten Sinn als K. zu bezeichnenden Gewebe, welche in Frankreich Indienne, in England Calico genannt werden, muß das Bedrucken gelten, obwohl noch heute in Ostindien, der Heimat des K., neben den bedruckten auch bemalte Stoffe dieser Art in den Handel gebracht werden. Über das Verfahren beim Kattundruck s. unter Zeugdruck. Durch ein besonderes Appreturverfahren, das Gaufrieren d.), erhält man die moirierten, geköperten und kleingemusterten Futter⸗ und Möbelkattune, sowie die mit allerlei Mustern versehenen, stark appretierten Buchbinderkattune. Feine K. mit fünf-oder mehrfarbigen Mustern auf weißem .Diel Heritelun Grund werden Zitz genannt. Die Herstellung bedruckter Kattune bildet trotz der Vorliebe unserer Zeit für wollene und gemischte Kleiderstoffe einen der wichtigsten Industriezweige in England, Deutschland, Frankreich und der Schweiz. Bis zum Ende des 18. Jahrh. hatten die ostindischen K. den unbestrittenen Vorzug durch die Lebhaftigkeit und Festigkeit ihrer Farben. Seit dem Ausgang des 17. Jahrh. bedruckten die Holländer die in Ostindien erzeugten weißen Gewebe, welches Verfahren zunächst in Hamburg und Augsburg, sowie in Sachsen und in der Schweiz nachgeahmt wurde. In der Folge fing man an, die K. selbst zu weben. Den gewaltigsten Aufschwung nahm durch die mit Hilfe der Maschinen ermöglichte Massenproduktion die Kattunfabrikation in England, sodaß in neuerer Zeit die englischen K. selbst in Indien die Erzeugnisse der dortigen Handarbeit verdrängt haben. Zur Zeit des ersten Kaiserreichs wurden in Frankreich, namentlich im Elsaß, zahlreiche Kattundruckereien gegründet, und bald erhielten die französischen K., besonders in den feinern Qualitäten, durch geschmackvolle Muster den Vorrang. Gegenwärtig ist auch die deutsche Kattunindustrie auf eine hohe Stufe der Entwickelung gelangt, sodaß hier engl. und franz. Ware kaum noch eingeführt wird. Hauptorte des Kattundrucks sind in Deutschland außer dem Elsaß Ber-Uin, Chemnitz, Eilenburg, Augsburg, Elberfeld, Hamburg, Breslau.