FeedKaukasus
ErdkundeBrockhaus 1882

Kaukasus, geographisch und ethnographisch eins der merkwürdigsten Hochgebirge der Erde, breitet sich auf der Grenze von Europa und Asien, seiner ganzen Natur nach aber zu letzterm gehörig, auf dem Isthmus zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meere aus, im N. begrenzt vom untern Laufe des Kuban und Terek, im S. vom Rion und der Kura. Seine Länge in der Hauptrichtung von OSO. gegen WNW., von der Halbinsel Apscheron oder von Baku am Kaspischen bis zur Halbinsel Taman am Schwarzen Meere beträgt 1125 km, seine von O. gegen W. abnehmende Breite mit den Vorbergen 225 km, der von ihm bedeckte Flächenraum nach Humboldts Berechnung 83 695 qkm. Das Kaukasische Alpenland, aus mehrern in der Hauptrichtung des Ganzen streichenden Parallelketten bestehend, von N. gegen S. durchschnittlich 110 km breit, am breitesten ebenfalls im O., ist eine Gebirgsmasse von ganz eigentümlicher, plateauartiger Bildung. Der mittlern, eigentlichen Hauptkette nämlich, welche einen aus Trachytmassen bestehenden, zusammenhängenden, steilen, 3000—3600 m hohen und nur von sehr wenigen Paßeinschnitten durchsetzten Kamm bildet und in ihrem mittlern Drittel die höchsten Gipfel des ganzen Gebirges trägt (den Kasbek 5043, den Dy chtau 5160, den Kaschtantau 5219 und den Elborus (s. d. 5652 m hoch), liegen terrassenförmige Hochflächen von 1300—1600 m mittlerer Höhe an, die durch schmale, tief eingerissene, von Steilwänden eingeschlossene und von wilden Gebirgswassern durchrauschte Thalspalten fast bis auf den Grund durchfurcht sind. Deshalb bieten auch hier die Thäler im allgemeinen nicht, wie in andern Hochgebirgen, Kulturcentra, nicht Förderungsmittel, sondern Hindernisse des Verkehrs, dessen Hauptstraßen fast immer über diese Hochflächen hinziehen. Dieselbe Terrainbildung wiederholt sich zu beiden Seiten der niedrigern sekundären Parallelketten; daher die Beschwerlichkeit des Eindringens und der Schutz, den das Hochgebirge seinen kräftigen, freiheitliebenden Völkerstämmen verleiht. Nur im mittlern Drittel, im Bereich der höchsten Gipfelerhebung, gibt es breitere Thäler. Eben hier befindet sich auch die sog. Militär⸗ oder Tiflisstraße der Russen, welche von Mosdok an im Thale des Terek aufwärts durch den in der Nähe des Kasbek bis zu 2300 m aufsteigenden Paß von Wladikawkas, dann südwärts hinab in das Thal des Aragwi und so nach Tiflis an der Kura führt, von den Russen die große Grusinische Heeresstraße genannt. Außer dieser, zum Teil durch den Fels gesprengten, durch mehrere Festungswerke gedeckten Hauptpassage, wahrscheinlich der kaukas. Pfort. mißt, sind unter E aufzusuchen. (Caucasiae pylae) der Alten, dient jetzt nur noch eine Straße zur Verbindung der Nord⸗ und Südseite, die östl. Küstenstraße längs dem Kaspischen Meere durch den Paß von Derbent, die Porta Caspia oder Albania der Alten, nach Baku. Die kaukas. Vorberge der Nord⸗ und Südseite, aus tertiärem Kalk, Mergelschiefer und Molasse bestehend, sind im Verhältnis zu der riesenhaften Masse des hohen K. sehr niedrig. Die einzige Ausnahme macht im N. der Beschtau zwischen dem Terek und Kuban, eine isolierte Trachyt-Porphyrmasse, die mit steilen, zackigen Felsgipseln bis zur Höhe von 1400 m aufsteigt, eine wahre Voralp, welche aber durch eine nur 400 m hohe Plateaufläche von dem Hochgebirge getrennt ist. Im W. und O. des Beschtau breiten sich zwischen dem Fuße des hohen K. und dem mittlern Laufe des Terek und Kuban klippige, von Felsschluchten durchsurchte, mit Wald und Weiden bedeckte Hochflächen aus, die Kabarden genannt, und zwar die große Kabarda zwischen dem obern Kuban und dem Terek, die kleine rechts vom obern Terek. Die südl. Vorberge sind niedere, breitere und minder steile Vorstufen, welche das Land Georgien (s. d.) einnehmen und sanft in fruchtbare Thäler abfallen, im W. der Kuraquelle durch die Parallelketten der Meschijskischen Berge (Hauptgipfel Mozecha, 2660 m) mit dem Nordabfalle Armeniens in Verbindung stehen, im O. dagegen durch das tief eingeschnittene, von breiten Steppenflächen umgebene Thal der Kura von demselben geschieden werden. Der K. ist zwar ohne eigentliche Vulkane, aber reich an vulkanischen Erscheinungen aller Art. Schlammvulkane finden sich an seinen äußersten Enden, an der Kubanmündung auf der Halbinsel Taman, an der Kuramündung und auf der Halbinsel Apscheron (s. d.). Unter den sehr zählreichen kalten und heißen Mineralquellen des K., meist Schwefel⸗ und Eisenwässern, sind die sog. Kaukasischen Bäder oder die von Pjätigorsk in der Nähe des Beschtau die bekanntesten. Der mineralische Reichtum des K. besteht hauptsächlich aus Metallen, wie Kupfer, Eisen, Gold (in geringer Menge), Silber und Steinsalz. Die nördl. Ausläufer des Elborus und Kasbek im westl. Teil des Terskischen K. sind reich an silberhaltigem Blei; auch hat man reiche Lager von randschiefer und Lignit aufgefunden. Die untere Grenze des ewigen Schnees liegt im westlichen K. 3347, im östlichen 3670 m hoch; die Masse desselben ist sowie die Ausdehnung der Gletscher verhältnismäßig nur gering. Deshalb ist der K. auch arm an Bewässerung durch bedeutendere Flüsse. Die namhaftesten Bergwasser vereinigen sich fast sämtlich in den fünf Hauptflüssen Kuban und Rion (Phasis der Alten) im Gebiete des Schwarzen, Kura, der Sulak und der Terek im Gebiete des Kaspischen Meeres. Hinsichtlich der klimatischen Verhältnisse der Flora und Fauna bildet der K. eine scharfe Grenze zwischen dem Norden und Süden; seine Alpenhöhe hält die entgegengesetzten Luftströmungen ab und hindert dadurch die Ausgleichung der Gegensätze. Die Alpen selbst mit ihrer rauhen Luft haben fast nordische, die nördl. Vorberge eine der mitteleuropäischen ähnliche, beide aber wegen geringer Befruchtung eine keineswegs üppige Vegetation. Reicher und üppiger ist dieselbe auf den südl. Abfällen und den Vorbergen, wo die mitteleurop. Obstarten und der der Nordseite ganz fehlende Wein wild, Reis, Maulbeeren, Kastanien, Feigen, Mandeln, Baumwolle, Krapp, Safran und andere südeurop. Produkte fast ohne Sit gedeihen. Waldungen fehlen auf weiten trecken des Hauptgebirges gänzlich, während in andern Bereichen, namentlich längs dem Schwaruich Meere und auf den Sekundärgebirgen, die herrichsten Urwaldungen von Eichen, Buchen, Eschen, Ahorn und Nußbäumen sich ausbreiten. Wie durch großartige und reiche Naturverhältnisse, so ist der K. auch eins der merkwürdigsten Gebirge der Erde teils in ethnogr. Beziehung (s. Kaukasische Bergvölker), teils auch in histor. Beziehung seit der Zeit der Sagen und Mythen (3. B. vom Goldenen Vlies, vom Prometheus u. s. w.) herab bis auf die neueste Zeit, wo es nach langen und harten Kämpfen den Russen endlich gelungen ist, sich das ganze Gebirge mit seinen tapfern und freiheitliebenden Bewohnern zu unterwerfen. Geschichtliches bezüglich der Kaukasischen Kriege. Vom Nordfuße des K. durch Steppen getrennt, an den Küsten des Schwarzen Meeres durch die Türken beeinträchtigt, aber Herr des Kaspischen Meeres, war Rußland darauf angewiesen, die seit Peter d. Gr. geplante Unterwerfung des K. von Osten und Süden her ins Werk zu setzen. Unter der Kaiserin Katharina II. fielen infolge des pers. Feldzugs 1796 die tatarischen Chanate Derbent, Bedir, Kuba und Ghanschi an Rußland. Im J. 1789 war der unter pers. Oberhoheit stehende christl. Fürst sein Nach von Georgien russ. Vasall geworden, und ein Nachfolger Georg XIII. hinterließ dies Gebiet 1801 an Rußland. Die Russen erwarben 1804 Imeretien, sowie 1810 Mingrelien und Gurien, auch unterwarf sich in Daghestan der Chan von Avarien: 1813 fielen durch den mit Persien zu Gulistan geschlossenen Frieden die Chanate Scheki, Schirwan, Talisch und Karabagh, 1828 infolge eines abermaligen Kriegs Ran Persien auch Eriwan und Nachitschewan an Rußland. Die Türkei hatte bereits 1812 ihre Ansprüche auf das südl. Abchasien abgetreten und verzichtete im Frieden von Adrianopel 1829 auf einen Teil des Paschaliks Achalzich und den tscherkessischen Küstenstrich am Schwarzen Meere. Dann siel auch das Schamkalat Tarku in russ. Gewalt, wodurch die freien Bergvölker von Lesghien, Daghestan, der Tschetschna, der Großen und Kleinen Kabarda, Abchasien und Ossetien von jeder äußern Unterstützung abgeschlossen wurden; denn nördlich des K. hatte sich die russ. Herrschaft zu Beginn des 19. Jahrh. bereits bis zum Kuban und Terek und dem Fuße des Gebirges ausgedehnt und dort durch Ansiedelung von Kosaken und Militärposten befestigt. Nach 1792 errichteten die Russen die Kaukasische Linie, eine Reihe befestigter Posten von der Labamündung, dem Kuban aufwärts folgend, dann längs der Malka bis zum Terek und diesen abwärts bis Kisljar. Sodann wurde die Tschernomorische Linie errichtet, welche vom Schwarzen Meere längs des Kuban bis zur Labamündung und an der Laba aufwärts reicht, später noch die Lesghische Linie am Alasan. Diese Gebiete waren der Schauplatz steter Kämpfe zwischen den Kosaken und Bergvölkern. In den J. 1804 bis 1813, während des Kriegs der Russen gegen die Türken und Perser, erhoben sich die Tschetschenzen, Osseten, Lesghier und Kabardiner, und im Sept. 1804 mußte Graf Gudowitsch die Belagerung von Eriwan aufheben, da die Lesghier seine rückwärtige Verbindung unterbrochen mißt, sind unter C aufzusuchen. hatten. Im Aug. 1809 schloß Fürst Orbeliani Poti ein und 1m es 27. Nov. Unter General Jermolow begann 1816 der systematische Angriffstrieg gegen die unabhängigen Bergvölker des K. Jermolow erbaute 1818 an der Sunscha die Festung Grosnaja, an der Grenze von Daghestan die Festung Wnesapnaja und schlug 1818 und 1819 wiederholt die Lesghier und Tschetschenzen, sowie den von Persien zum Widerstande ermutigten Chan von Avarien. Das Chanat Kuba wurde völlig unterworfen, nachdem Ali Beg durch die tatar. Milizen des Fürsten Madaschow geschlagen worden, und im Dezember wurde Akuscha erobert. Im März 1820 fanden Kämpfe in der Tschetschna statt, worauf sich Imeretien, Mingrelien und Gurien auf Veranlassung des Paschas von Achalzich erhoben. Dieser Aufstand wurde zum Teil mit Hilfe der Landesfürsten unterdrückt, und im Juni rückte Fürst Madaschow von Schirwan her in Daghestan ein, schlug den Ssurchai Chan und eroberte Kosrek, worauf ein neuer Fürst unter russ. Botmäßigkeit in Daghestan eingesetzt wurde. Im J. 1821 wurden die Katschkalyken am Arai geschlagen, bei Tarku eine Festung erbaut, Aimeki im Gebiete der Lesghier zerstört und die Tscherkessen, welche die tschernomorische Linie angegriffen hatten, empfindlich gezüchtigt. Im J. 1822 verbanden sich die Bewohner der Kabarda mit den Tscherkessen, Tschetschenzen und Lesghiern, doch rückten in die Gebiete dieser Stämme russ. Kolonnen ein und zwangen die Aufständischen schnell zur Unterwerfung. Jermolow schob die Mitte der Kaukasischen Linie von Wladilawkas längs dem Fuße der Schwarzen Berge bis an den obern Kuban vor, schloß die Kabarda durch russ. Posten ein und siedelte zwischen der Malka und dem Kuban Kosaken an. Am Uruch, Naltschik und Baksan wurden Forts erbaut, ein Aufstand der Tschetschenzen niedergeschlagen, sowie das Chanat Karabagh, dessen Chan nach Persien floh, in Besitz genommen. Im J. 1823 wurden die Tscherkessen am Kuban und die Nogaizen durch Razzias gezüchtigt und 1824 rückte Fürst Gortschakow von Mingrelien her nach Suchum-Kale und schlug einen dort ausgebrochenen Aufstand nieder. Aber im Osten des K. entstand um diese Zeit den Russen ein neuer, gefährlicher Feind in der von Mulla Mohamed gepredigten Lehre des Muridismus, durch die der Fanatismus der Muselmanen ungemein gesteigert wurde. Jermolow unternahm von Grosnaja her mehrmals mit stärkern Kolonnen Züge nach der Tschetschna und zerstörte im Juni 1826 Gichi, den Sitz des Propheten, vermochte jedoch, als sich auch die Kabarda erhob, mit den ihm zur Verfügung stehenden 50000 Mann nur die russ. Linien zu verteidigen. Als Rußland mit Persien in Krieg geriet, verbreitete sich der Muridismus über alle Völker des K., und Paskjewitsch wurde an Jermolows Stelle mit dem Oberbefehl betraut. Im 1828 schlossen im Dorfe Jaraglar einige Schüler des Propheten einen Bund zur Vertreibung der Russen; 1829 trat die Türkei im Frieden zu Adrianopel ihre Hoheitsrechte über die Gebiete der Adighe, Tscherkessen und Abchasen an Rußland ab, worauf russ. Truppen die Küstenplätze Anapa, Sodschak besetzten und noch 15 befestigte Posten längs der Küste und der Grenze von Imeretien anlegten; gleichzeitig wurde die Labalinie verstärkt und aus dem Osten ein Teil der Truppen nach dem westlichen K. gezogen. Da fiel der Prophet Kasi Mulla mit Lesghiern und Tschetschenzen 1830 und 1831 verheerend in die russ. Ansiedelungen ein, plünderte Kisljar, belagerte Wnesapnaja, Burnaja und Derbent und bedrohte sogar Wladikawkas und Grosnaja. Erst 1832 vermochte man die Bergvölker zurückzutreiben und Schloß Gimri zu belagern, wobei der Prophet den Tod fand. Aber der Muridismus gewann sogleich in Hamsat Beg einen neuen, sehr befähigten Führer, welcher die Organisation der Streitkräfte wesentlich verbesserte und die Lehre weiter verbreitete, indessen 1835 ermordet wurde. Sein Nachfolger Schamyl (s. d.) setzte den Religionskrieg weiter fort und vertrieb die christl. Chane aus Avarien; doch besetzten die Russen dies Gebiet und verstärkten 1837—39 unter an wäher Kämpfen ihre Streitmacht in Daghestan, während Schamyl gleichzeitig am Koisu starke Befestigungen anlegte und häufig aus dem Gebirge in die Niederlassungen einfiel. Im J. 1840 gingen die Russen mit drei starken Kolonnen gegen die Bergvölker vor. General Grabbe rückte von Wnesapnaja aus in die Tschetschna, nahm die Festung Aksai, (Wlng die Tschetschenzen bei Sajasan und rückte zu Anfang Juni gegen Schamyl, welcher 5000 Streiter Eerunnmelt hatte, vor. Schamyl wurde 5. Juni bei dem Aul Burtunai geschlagen, und nach dreitägigen Kämpfen erstürmten die Russen Arghuan, worauf Schamyl nach der Felsenburg Achulgo am Koisu floh. Grabbe schloß 24. Juni Achulgo auf beiden Ufern ein. Am 29. Aug. erstürmten die Russen einige Außenwerke, 14. Sept. wurde der Grabenübergang durch Minensprengungen vorbereitet, worauf Schamyl in der Nacht entkam; 15. Sept. stürmten die Russen abermals und nahmen nach siebentägigem Häuserkampfe den Platz völlig ein. Nun gelobten die umwohnenden Bergvölker Unterwerfung und stellten Geiseln, worauf Grabbe seine Truppen nach Temir-Chan-Schura und Wnesapnaja zurückführte. Aber schon nach kurzer Zeit erhob sich auf Schamyls Aufruf abermals der ganze östliche K., und mehrere Jahre hindurch vermochten die Russen keine dauernden Erfolge im K. zu erreichen. Im J. 1843 eroberte Schamyl Avarien und das Land am Koisu nebst neun russ. Forts, sodaß den Russen in Daghestan nur Nis owoje und Temir-Chan-Schura verblieben. Das kaukaf. Korps erhielt 1844 durch Zuweisung des ganzen 5. Armeekorps einen Zuwachs von 40000 Mann. Dennoch verlor Fürst Woronzow 1844 mehrere feste Plätze an die Muriden und vermochte den Sitz Schamyls, die Feste Dargo, nicht zu gewinnen, aber er verdrängte nach Herstellung einer Waldstraße den Feind aus der Kleinen Usheischna. Der Orientkrieg w1853—56 steigerte die Schwierigkeiten der Russen, deren Truppen im K. zwar auf 270000 Mann verstärkt, aber durch die Bergvöller in solchem Umfange in Anspruch genommen wurden, daß gegen die Türken auf dem armen. Kriegstheater nur wenig ausgerichtet werden konnte. Die Forts am Schwarzen Meere mußten geräumt werden und fielen in die Gewalt der Tscherkessen, denen die Türkei Wafsfen und Geld zusendete. Nach Beendigung des Krieges ubernahm Fürst Barjatinsti den Oberbefehl im K., und diesem gelang es, den Muridismus zu unterdrücken. Im Aug. 1856 wurden fünf Militärkommandos errichtet, und die Hauptmacht der Russen wurde im östlichen K. versammelt. Von Süden und Osten her drangen russ. Kolonnen in die mißt, sind unter C aufzusuchen. hohen Grenzgebirge und die Tschetschna unter General Jewdokimow und Fürst Orbeliani ein, schlugen die Bergvölker in vielen Gefechten, unterwarfen 1857 die Große Tschetschna und Kachetien, nahmen 1858 den Argunpaß und erbauten dort, am Haupteingange des Gebirgslandes, die Festung Argunskoje. Im Juni drangen drei russ. Kolonnen weiter vor, während Schamyl gegen Wladikawkas marschierte und den Centralkaukasus zum Aufstande zu bringen versuchte. Aber Schamyl wurde vom General Mischtschenko zurückgetrieben, und General Jewdokimow eroberte inzwischen Warandi und Schatoi, worauf die Tschetschenzen bis auf einen Stamm von Schamyl abfielen. Anfang 1859 vereinigten sich drei russ. Kolonnen unter Jewdokimow am Baßflusse, erstürmten die feste Stellung bei Tausen, und bezogen unweit des Schlosses Weden, Schamyls Zufluchtsort, ein Lager; Fürst Barjatinski befand sich beim Heere. Zunächst wurden Straßen gebaut und am 29. März begann die förmliche Belagerung; die Besatzung bestand aus 7000 Mann. Am 15. April wurde ein Außenwerk genommen, worauf die Besatzung ins Gebirge floh. Schamyl war nun auf Daghestan beschränkt, gegen welches nunmehr 40000 Russen unter Jewdokimow, Wrangel und Fürst Melikow gleichzeitig unter der Oberleitung des Fürsten Barjatinsti vordrangen. Schamyl stand in fast unangreifbarer Stellung am Koisu, wurde aber 15. Aug. bei Aschkent geschlagen und verlor die — Zatanieh, worauf Avarien von ihm abfiel. Mit wenigen treu gebliebenen Anhängern floh Schamyl nach Karata und weiter ins Andalalgebiet nach dem Berge Ghunib, wo er von den Russen eingeschlossen wurde. Am 4. Sept. begann der Angriff, 6. Okt. ergab sich Schamyl mit den letzten 100 Muriden in dem auf der Spitze des Bergs gelegenen‚, von 14 russ. Bataillonen umschlossenen Aul⸗ Im westlichen K. dauerten die Kämpfe gegen die Adighe und Tscherkessen noch bis in die neueste Zeit fort; doch sind viele Tscherkessen nach der Türkei ausgewandert, und die Kraft der Bergvölker ist auch dort völlig gebrochen. Aus der reichen Litteratur über die kaukas. Länder sind, außer den Reisen von Dubois de Montpeéreux, Koch, Wagner, Eichwald, Parrot, Radde u. s. w., besonders hervorzuheben: Abich, ber die geolog. Natur des armen. Hochlandes (Dorpat 1843); Haxthausen, «Transkaukasiav (2 Bde., Lpz. 1856); Danilewski, «Der K., physischgeographisch, statistisch, ethnographisch und strategischh (Lpz. 1847); Petzholdt, «Der K., eine naturhestorische, sowie land⸗ und volkswirtschaftliche Studies (2 Bde., Lpz. 1866—67); Abich, (Geolog. Forschungen in den kaukas. Ländern » (Bd. 1—2, Wien 1878—82); Schneider, «Naturwissenschaftliche Beiträge zur Kenntnis der Kaukasusländer? Dresd. 1878); Dorneth, «Aus dem K. und der Krimy (Wien 1881); Koch, Der K.v (Berl. 1882).

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 199Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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