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GeschichteBrockhaus 1882

Kent (Grafen und Herzöge von). Edmund, Graf von K., Sohn König Eduards I. von England, aus dessen zweiter Ehe mit Margarete von Frankreich, verband sich mit Isabella, der Gemahlin seines ältern Bruders, Eduards II. (s. d.), zur Entthronung des letztern, welche auch 1327 gelang. Als ihn aber die wegen ihrer Ausschweifungen und Grausamkeiten allgemein verhaßte Königin dazu gebracht hatte, zu Gunsten seines entthronten Bruders, den sie indes bereits ohne des Grafen Wissen hatte ermorden lassen, eine Gegenrevolution zu unternehmen, wurde er 1330 durch den Günstling der Königin, Roger Mortimer, festgenommen und bald darauf hingerichtet. Nach dem Tode seiner beiden Söhne, Eduard und John, ging der Titel eines Grafen von K. auf den Gemahl ihrer Schwester Joanna, Thomas von Holland, über, dessen Enkel Thomas 1397 von seinem Oheim Richard II. zum Herzog von Surrey ernannt und 1400 unter Heinrich IV. enthauptet wurde. Mit seinem Bruder Edmund, gest. 1407, erlosch der Titel eines Grafen von K. Derselbe ward erst 1461 in der Person William Nevilles, Lord Fauconberg, gest. 1462, erneuert, 1465 aber an die Familie Grey (s. d.) verliehen. Eduard, Herzog von K., geb. 2. Nov. 1767, der vierte Sohn König Georgs III. und Vater der Königin Victoria, trat frühzeitig in die Armee und empfing seine militärische Erziehung in Deutschland. Er diente hierauf in Canada und Gibraltar, erhielt 1799 die Peerswürde als Herzog von K. und Strathearn und ward zum Feldmarschall ernannt, befand sich aber stets in Geldverlegenheit, sodaß er sich endlich genötigt sah, 1816 nach Brüssel zu gehen, wo er in der größten Einschränkung lebte. Am 29. Mai 1818 vermählte er sich mit Victoria, der verwitweten Fürstin von Leiningen, die ihm 24. Mai 1819 die Prinzessin Victoria gebar. Er lebte seitdem anfangs in Deutschland zu Amorbach am Odenwalde, dann zu Sidmouth in Devonshire. Hier starb er 23. Jan. 1820. Im Parlament gehörte der Herzog von K., gleich seinem jüngern Bruder, dem Herzog von Sussex, zur Opposition. Sein Leben ward von Erskine Neale beschrieben (Life of Edward, duke of K.v, Lond. 1850). Seine Gemahlin, Marie Luise Victoria, Herzogin von K., wurde 17. Aug. 1786 als Tochter des Herzogs Franz von Sachsen-Coburg-Saalfeld in Coburg geboren. Durch Schönheit und Geistesbildung ausgezeichnet, vermählte sie sich 1803 mit dem Erbprinzen Emich Karl von Leiningen-Amorbach, der aber 1814 starb. Sodann hielt sie sich als Vormünderin ihres unmündigen Sohnes, des Fürsten Karl Friedrich Emich von Leiningen, und als Verwalterin von dessen Besitzungen abwechselnd zu Amorbach und zu Coburg am Hofe ihres Bruders, des Herzogs Ernst III. von Sachsen-Coburg, auf, wo auch der Herzog von K. sie kennen lernte und sich mit ihr vermählte. Nach seinem Tode nahm sie mit der präsumtiven Thronerbin (der jetzigen Königin Victoria) ihren Sitz im Palast zu Kensington. Für den Fall, daß ihre Tochter noch unmündig auf den Thron berufen werden sollte, wurde sie 1825 durch das Parlament zur Regentin erklärt. Da jedoch Victoria beim Ableben Wilhelms IV. (20. Juni 1837) eben volljährig geworden war, so trat dieser Fall nicht ein. Seitdem lebte die Herzogin am Hofe ihrer Tochter und starb 16. März 1861 zu Frogmore bei Windsor. Durch Patent vom 24. Mai 1866 erhob die Königin Victoria ihren zweiten Sohn, den Prinzen Alfred, geb. 6. Aug. 1844, zum Grafen von Ulster und Kent und Herzog von Edinburgh.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 234Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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