Kepler (Joh.), der Begründer der neuern Astronomie, geb. 27. Dez. 1571 zu Weil der Stadt im Württembergischen als ein schwächliches Siebenmonatkind und Erstling einer unglücklichen Ehe, ein Sprößling der verarmten adeligen Familie von Kappel, wurde infolge der Armut und des wechselnden Schicksals seines Vaters, eines Gastwirts, in seiner frühesten Erziehung sehr vernachlässigt. Er besuchte die deutsche und Lateinschule in Leonberg, dann die Klosterschule zu Maulbronn und bezog nach seines Vaters Tode die Universität zu Tübingen. Armut blieb auch hier, wie durch sein ganzes Leben, seine treue Begleiterin. Mathematik studierte er nur als vorgeschriebenes Vorstudium der Theologie, der er sich zu widmen entschlossen, doch war schon in Tübingen die Unterweisung seines Lehrers Möstlin, der ihn mit der Kopernikanischen Lehre bekannt machte von wesentlichem Ein-⸗ fluß für sein späteres Leben. Seine mathem. Kenntnisse waren um diese Zeit noch so beschränkt, daß er die Professur der Mathematik zu Graz, welche 1593 ihm angetragen wurde, nur in der Hoffnung besserer Ausbildung annahm. In Graz erst fing er an, sich mit Mathematik und Astronomie ernstlicher zu beschäftigen. Sein erstes Werk war ein Kalender für das J. 1595, der nur als Erstling seiner Arbeiten der Erwähnung wert ist, ihm aber großen Ruf verschaffte, da die Wetterprophezeiungen zufällig eintrafen. Zwei Jahre später erschien sein Prodromus dissertationum cosmographiearum, continens mysterium cosmographieum (Tüb. 1596), das bereits das Gepräge des Scharfsinns und der Beharrlichkeit K.s an sich trägt, aber ugleich von dessen äußerst lebhafter, dem ruhigen Verstande vorauseilender Einbildungskraft zeugt. Nachdem er im April 1597 sich mit Barbara von Mühleck verheiratet, wurde er trotz der über die Protestanten verhängten Verfolgungen, weil die Jesuiten seine hohe Begabung schätzten, in Graz gehalten, bis seine Stelle durch das Edikt der Reformationskommissiono auch unhaltbar wurde. Als Tycho de Brahe 1599 von Uranienburg nach Prag gekommen war, verließ auch K. bald Graz mißt, sind unter C aufzusuchen. und ging im Okt. 1600 nach Prag, um an Tychos Beobachtungen teilzunehmen und sie zu seinen Un⸗ (S Bde., Frankf. a. M. 1858—71), in der auch eine auf Originalquellen beruhende lat. Lebensbeschreibung Kis enthalten ist. Vgl. Breitschwert, «K.s Leben und Wirkeny (Stuttg. 1831); Brewster Lives of Galileo, Tycho de Brahe and K.5 (Lond. 1841); Reitlinger, Neumann und Gruner, Johannes K.n (Stuttg. 1868). Zum 300jährigen Jubiläum von K.s Geburt erschien; Reuschle, „K. und die Astronomies (Frankf. a. M. 1871.)