FeedKette
Handwerk & GewerbeBrockhaus 1882

Kette (frz. chaine, engl. chain) nennt man im weitesten Sinne ein durch Aneinanderreihen ringartiger Körper (Glieder) gebildetes Ganzes, das je nach der Art der Verwendung aus verschiedenen Materialien bestehen kann. Goldene und silberne K. dienen als Schmuck(Hals⸗ und Uhrketten); eiserne braucht man beim Feldmessen Pund Fud⸗ in der Landwirtschaft an Pferdegeschirr und Fuhrwerken, im Maschinenwesen zur Übertragung von Kräften, sowie zum Heben von Lasten, in der Schiffahrt zur Fortbewegung von Fahrzeugen, zur Sperrung eines Hafens oder Stroms, zum Aufwinden des Ankers u. s. w. Die am häufigsten zu K. verarbeiteten Materialien sind: Schmiedeeisen, Stahl, Gold, Silber, Nickel, Zinn, Messing und andere Legierungen; seltener finden Gußeisen, Kautschuk, Cbonit, Horn, Schildpatt, Holz, Elfenbein und Knochen für diesen Zweck Anwendung. Bei Schmiedeeisen und Stahl werden die Glieder geschmiedet. Gußeiserne Kettenglieder werden Gegosent auf die gleiche Weise werden meist Kettenglieder von Gold, Silber, Zinn und leicht schmelzbaren Legierungen verfertigt, doch können dieselben auch durch Zusammenbiegen und nachheriges Löten von Draht oder Blech, oder auch durch Ausstanzen aus Blech hergestellt werden. Kautschuk und Ebonit werden in bildsamem, weichem Zustand in entsprechende Formen gepreßt; Schildpatt und Horn können entweder in der Hitze erweicht, gebogen oder gepreßt werden, oder man arbeitet die Glieder direkt aus dem Vollen heraus, welch letzteres Verfahren für Elfenbein, Knochen und Holz das allein mögliche ist. Die größte Bedeutung für die Industrie hat die Fachderst der schmiedeeisernen und stählernen K. ach der Form des Ketteneisens unterscheidet man Rundeisenketten und Flacheisen-oder Laschenketten. Die gebräuchlichsten K. der erstern Art sind: die weite ldeutsche) Ringkette (.nachstehende Fig. 1), die enge lenglische) Ringkette (Fig.2), die Stegkette oder das Kettentau (Fig. 3) und die Vaucansonsche Hakenkette (Fig. 4 u. 5). Die beiden erstgenannten Arten heißen offene K.; diejenigen mit langen Gliedern haben geringeres Gewicht, sind billiger und bequemer herstellbar, die mit kurzen Gliedern dagegen beweglicher. Die die schwächsten Querschnitte der einzelnen Glieder gegeneinander absteifenden Stege der Stegketten verstärken nicht mißt, sind unter C aufzusuchen. nur die K. ganz wesentlich, sie verhüten auch das Verwirren und Knotenbilden der Glieder, weshalb solche K. als Ankerketten vielfach Verwendung finden. Die Vaucansonsche Hakenkette besitzt nur gebogene, nicht geschweißte Glieder, eignet sich daher als Last⸗ und Treibkette nur für kleine Kräfte. Die Flacheisen⸗ oder Laschenketten, Gelenkketten, auch Gallesche Ketten genannt (Fig. 6 u. 7), dienen sowohl als Lastketten, wie zur Übertragung rotierender Bewegungen. Die einzelnen Glieder der Laschenkette werden aus Flacheisenstücken und Bolzen hergestellt, indem erstere mit ihren an den Enden eingebohrten Osen abwechselnd auf letztere aufgesteckt werden. Eigentümlich ist die Herstellungsart der nur durch die Form der Glieder voneinander verschiedenen K. von Clark, von David und von Damoizeau; die Glieder derselben werden durch das Passieren verschiedener Walzenkaliber geformt und dann zusammengebogen. Alle diejenigen vorbeschriebenen K., welche größern Zug aushalten sollen, müssen, bevor man sie in Gebrauch nimmt, probiert werden. Die gegossenen K. besitzen keine große Zugfestigkeit und dienen daher lediglich für ornamentale Zwecke, Gußeisenketten bei Umzäunungen, Messingketten bei Kandelabern u. s. w. Bei den Drahtketten unterscheidet man gelötete und nicht gelötete Glieder. Die gelöteten Kettenglieder haben teils ovale, teils kreisrunde Form und sind entweder verdreht, oder ihre Ebene wurde unverändert gelassen. Zu dieser Gattung gehören die feinen Glieder der sog. Venetianerkettchen, bei welchen 12—40 Glieder auf 1 em Länge gehen. Die Kette in der Uhr kommt nur noch bei Taschenuhren älterer Konstruktion vor und dient dann zum Aufziehen derselben. In der Weberei versteht man unter Kette die meist stärkern, die Grundlage des Arbeitsprozesses bildenden, beim fertigen Stoff in der Längsrichtung verlaufenden 6 (Kettenfäden), zwischen denen beim Weben durch teilweises Heben und Senken derselben die kreuzweise zu ihnen liegenden Einschlag-oder Schußfäden hindurchgeschoben werden. (S. Aufzug.) über Galvanische Kette, s. Galvanische Batterie (Bd. VII, S. 500 ), über Kinematische Kette, s. unter Kinematik.

Brockhaus’ Conversations-Lexikon. Allgemeine deutsche Real-Encyklopädie13. Aufl., Leipzig: Brockhaus 1882–1887 · Bd. 10, S. 249Scan: Polnische Nationalbibliothek (Polona) · gemeinfrei

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